18 Mai 2017 | Glosse

Stief Geistlichkeit, Bischofsfarben und Randgruppen in Ovenduka

Die Hauptstadt Namibias, die sich manchmal als die Sauberste auf dem ganzen Kontinent ausgibt, is mos unter Konferenzveranstaltern nochall beliebt. Das liegt nich nur an der klaren winterlichen Höhenluft, dem hellen Licht, das die Erleuchtung, die manch Theologe zu erfahren glaubt, noch steigern dürfte. Es liegt auch an einfachen Dingen wie dem kostbaren Wasser, das Du hier als Windhoek-Cocktail sommer direkt aus dem Wasserhahn süffeln kannst; es liegt auch an der redlichen Organisation, die diverse Konferenzveranstalter den internationalen Organisationen und Verbänden bieten, die Ovenduka als Tagungsstätte anpeilen. Dazu kommt noch eine recht gute Küche, die im Lande der Fleischfresser sogar den Vegetariern und Veganern entgegenkommt. Die Küche bereitet nochall leckere Speisen zu, wie an den gut beladenen Tellern der Delegierten, der Hilfskräfte und Wasserträger der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds (LWB) zu erkennen war. Normalerweise gibt´s in Otjomuise keine Stromunterbrechung, dafür öfter Rohrbruch. Aber davon blieben die Kirchenleut´ in dieser Woche verschont.

Das lokale Organisationskomitee hat sich stief Mühe gemacht, die gesamte Rahmenregelung zu treffen, die an und für sich wie am Schnürchen abgelaufen is. Nach sieben Konferenztagen mit bester Verköstigung an den Büffets und beim Bankett von Omupräsidente III, Comräd !Gôahesab Hage Gottfried Geingob, tritt jedoch unweigerlich Konferenzmüdigkeit ein und drängen die Seelen auf Abreise. Oder halt! Hatte Omupräsidente III vor einer Woche beim Bankett die Delegierten nich wörtlich aufgefordert, nach der Konferenz möglichst noch das „kleine Deutschland“ aufzusuchen, nämlich Tsoachaobmund?

Selbstgeltung mit Erwartung

Die Konferenzleitung erwartet in der Regel, dass die Medien stief Interesse zeigen und das auf Papier oder über den Funk reflektieren. Weil Ovenduka jedoch nochall stief Großkonferenzen erfährt, die neue Rekorde aufstellen und Superlative erreichen, erwarten die Veranstalter, dass Medien mit Begeisgterung darüber berichten. Und genau da tritt die Apathie der Schreiberlinge und der Radiofritzen zutage, die solche Veranstaltungen eher am Rande mitnehmen und nich unbedingt in den News-Brennpunkt rücken. Auch die lange Anfahrt aus der Innenstadt zum Konferenz-Zentrum schreckt manche Medienleut dann eher ab, wenn es sich - wie bei der abgelaufenen LWB-Konferenz und wie bei anderen Indabas dieser Art - eben hauptsächlich um Verfahrens- und Prozedere-Nachrichten dreht.

Selbst ohne Abstecher ins Land, das sich derzeit nach gutem Regen als das Schönste im südlichen Afrika ausgibt, haben die Angereisten allesamt zwischen neun und zwölf Tage eingesetzt, um in der Vollversammlung zu palavern. In einer Termin-gehetzten Welt gilt das als besonderer Zeiteinsatz. Aber man sollte das net nich Aufopferung nennen, denn die Teilnahme an einem Treff mit derart viel Geistlichkeit, Musik, Gesang, Gemeinsamkeiten und Speisen dürfte ein Privileg sein.

Umgang mit bedonnerter Opolifi

Jong, mit unserer Opolifi kannste muhts Sports erleben. Das ham die Delegierten, Konferenziers, Schreiberlinge sowie das Fußvolk der großen Weltbundversammlung während der vergangen acht Tage in Ovenduka zur Genüge erfahren. Am Mittwoch vorige Woche, so hatten wir hier schon mitgeteilt, haben sich Worte des Lobes vom LWB-Präsidenten Younan gegenüber Omupräsidente III vor Anpreisung der namibischen Gastfreundschaft buchstäblich überschlagen. Natürlich is das gut angekommen, denn Omupräsidente hört das gern, dass sich Gäste im Hause Namibia wohlfühlen.

Jesslaik, aber check moi, der Teufel steckt im Detail, wenn er nich in der Opolifi steckt.

Es versteht sich von selbst, dass bei einem internationalen Indaba, ganz gleich ob es sich um Politiker, Ökonomen, Aids-Aktivisten oder Geistliche der Lutherschule handelt, ein hohes Niveau an Sicherheit herrschen muss. In einer Zeit des internationalen Terrorismus, oft religiös-fanatisch eingeheizt, kann da nix mehr als selbstverständlich akzeptiert werden oder dem Zufall überlassen werden, am allerwenigsten unerlässliche Sicherheitskontrollen und -maßnahmen.

Darauf waren Konferenzgänger und Begleitvolk eingestellt. Aber was sie dann erlebt ham, hat alles Bisherige übertroffen. Beim Zutritt wurden jeder und jede, Mannsen und Weibsen in jeweils getrennter Reihe, gründlich gefilzt, mit dem Geiger-Zähler vom Scheitel bis zur Sohle beschattet. Und jede Tasche, jeder Konferenzbeutel mit Dokumenten und persönlichen Utensilien wurde bis auf den Grund durchwühlt, intensiver als beim Einchecken am Flughafen. Die Papiere durchgeblättert, ob sich da zwischen den Seiten nich doch noch ein suspektes Objekt verbarg.

Die Geduld von deklarierten Christenmenschen wurde dabei wüst auf die Probe gestellt. Wer das Konferenzgebäude zu einer Zigarette oder zu einem Gang ins Mittagslokal verließ, musste die Prozedur vor dem Wiedereintritt ins Konferenzzentrum aufs Neue durchmachen, was also zwei bis dreimal noch zu ertragen war. Aber das Hilfspersonal, das halbstündlich oder noch öfter aus dem Zentrum raus- oder reinmusste, hatte sich dann erneut in die Reihe von Menschen einzureihen, die von vorn gefilzt, beleuchtet, abgetastet wurden, inlusive ihrer Mappen und Taschen und Kameras. Ein großer Teil der Tagungsstunden is somit auf die Tür- und Torkontrolle entfallen.

Aber solange niemand dabei ´n Bein gebrochen hat, dürften die Delegierten motiviert und mit erbaulichem Gepäck die Heimreise antreten, mancher und manche mit dem Vorsatz, das gelobte Land der Bravourösen ´mal als Safaribummler zu besuchen, das „kleine Deutschland“ inbegriffen, wie Omupräsidente III Tsaoachaobmund auch benennt.

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