22 November 2018 | Glosse

Steinbock heute mit Propaganda und Werbung

Jong, mach kein Fout! Die vielgerühmte Stabilität in unserem Lande der Braven und Bravourösen is mos keine Selbstverständlichkeit. Jeder weiß, dass die Einheit der Partei, die sich für die Größte aller Zeiten hält, als sakrosankt gilt, unantastbar. Der Einheit und Einigkeit sind die Eigeninteressen eines jedenComräds und jeder Genossin unterzuordnen. So wenigstens erklingt es aus den blumigen Wortgirlanden und aus dem Pathos führender Redner.

Wer sich dem Fraktionszwang oder eben der politischen Korrektheit der Partei nich unterordnet und die privilegierten Reihen verlässt und eine eigene oppositionelle Partei ins Leben ruft, dem sogar ein paar Mitläufer und Abtrünnige der Swapo folgen, der is bisher immer in der politischen Wildnis gelandet. Overgezet synde: Hat die Villa in Ludwigsdorf mit dem Blechpontok in Donkerhuk vertauscht. Denn solche Gegner werden sehr systematisch von den Chefaktivisiten und Intriganten der Partei isoliert und in den Bereich politisch Aussätziger verbannt, geteert, diffamiert.

Wer sich an den jetzigen Querelen, Reibereien, cloak and dagger-Spielen der Swapo erfreut und meint, daraus könnte eine neue Partei hervorgehen, der irrt. Der braucht sich nur an Ben Ulenga und Hidipo Hamutenya zu erinnern, die nach anfänglichem Hype in der Opposition verblasst sind. Letzterer is sogar noch zeitig vor seinem Abgang von diesem Erdenrund reumütig in die Partei zurückgekehrt. Rin in de Kartoffeln, raus aus de Kartoffeln.

Aber was haben die lautstarken Aufrufe zur Einheit und das Toyi-Toyi von Generalmeme Sophia Shaningwa auf sich, die gerade den Sonderkongress der Partei zum 30. November zum 1. Dezember ausgerufen hat? Mit der satten 80%-Plus-Volksmehrheit, die Geingob zum Staatspräsidenten gemacht hat und mit der überzeugenden Mehrheit, die ihn beim 6. Wahlkongress der Swapo vor einem Jahr im Parteivorsitz bestätigt hat, sollte es im Hause Namibia toch kein´ bleddy Trabbel geben.

Wir hatten gedacht, dass das Team Swapo um Omushamane Nahas Angula, Meme Pendukeni Ithana und Omunikwaniilwa Helmut Angula et al nach ihrer Wahllniederlage in jenem Kongress im November 2017 weiter ihre Diäten und Staatspension genießen. Aber die Kräfte nagen an der Glaubwürdigkeit des Mehrheitslagers, genannt Team Harambee von Hage. Sie nagen an der Peripherie. Meme Shaningwa hat bei der kürzlichen Pressekonferenz sogar gemahnt, dass die verschiedenen Lager zur Ruhe kommen sollten, was eigentlich einVerweis für die inneren Kreise hätte sein sollen.

Jetzt pfeifen´s die Spatzen von den Dächern. Die Kongressverlierer vom vergangenen Jahr ziehen vor Gericht, um selbigen Parteitag als „widerrechtlich, illegal und ungültig“ deklarieren zu lassen, schreibt unser Hauskollege Festus Nakatana von der Namibian Sun. Jesslaik, die Genossen ham stief Zeit und Ovimariva, gerichtlich gegen ihre Partei vorzugehen, der sie selbst Jahrzehnte konformistisch gedient ham, wobei sie mit hoch dotierten Ministerposten hervorragend davongekommen sind.

Hier ein Zitat aus ihrer Gerichtsklage gegen die jetzige Parteispitze und das Ergebnis des Kongresses vor einem Jahr:

„Summa summarum, die Zusammenstellung des Parteitags ( hier 6. Wahlkongress) kann redlicherweise als das Fundamentgestein der Existenz Namibias und der funktionierenden Demokratie beschrieben werden. Folglich, wenn er (der Parteitag) widerreichtlich zusammengestellt wurde, wie ich ehrerbietig behaupte, dann erleiden das Land, seine demokratischen Institutionen und das gesamte Volk einschneidenden und dauerhaften Schaden.“ Nochall starker Toback, diese Interna.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Parteirituale mit mit melodischem Befreiungsgesang der Jahrzehnte, Parteibrauch als Religion und als zwingende Klammer helfen werden, die Risse wieder zu kitten. Bei solchen Ritualen bleiben die Schattenseiten und Abgründe schön verbrämt.

Für wahre Genossen bleibt es unvorstellbar, dass es ein Leben jenseits der Partei geben könnte. Und für alle anderen und jedermann gilt ansonsten: „Nich ärgern, nur wundern.“

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