12 Februar 2020 | Polizei & Gericht

Staatszeugen belasten Amerikaner

Indizien gegen mutmaßliche Heckmair-Mörder nehmen zu –Motivlage bleibt unklar

In dem Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Mörder des 25-jährigen Gastronomie-Studenten André Heckmair haben zwei weitere Staatszeugen die beiden US-amerikanischen Angeklagten schwer belastet, von denen einer weiterhin ohne Rechtsbeistand ist.

Von Marc Springer, Windhoek

Bei der Fortsetzung des Verfahrens gab der Zeuge Gaylo Kavari gestern während seiner Befragung durch Staatsanwältin Antonia Verhoef zu Protokoll, er und zwei seiner Freunde hätten den Angeklagten Marcus Thomas und Kevan Townsend die Waffe verkauft, mit der Heckmair am 7. Januar 2011 in der Gusinde-Straße in Windhoek aus nächster Nähe in seinem Wagen erschossen wurde. Kavari zufolge sei er den beiden Amerikanern erstmals am 2. Januar 2011 begegnet, nachdem ihn zuvor sein Freund Ashley angerufen und gebeten habe, bei ihrem gemeinsamen Bekannten Steven in Khomasdal eine Waffe abzuholen.

Nachdem er die Waffe besorgt habe, sei er nach Dorado Park gefahren, wo Ashley und die beiden Angeklagten bereits in einem Wagen auf ihn gewartet hätten. Wenig später habe er Townsend die Waffe übergeben, der sie zunächst dem auf der Rückbank sitzenden Thomas gezeigt und sie dann mit einem zuvor übergestreiften Handschuh aus der Tüte genommen habe. Anschließend habe er einem Plastikbehältnis ein mit Gewinde versehenes „Rohr“ entnommen und festgestellt, dass die (offenbar zur Tarnung als Ersatzlauf gedachte An. d. Red.) Röhre nicht auf die von ihm mitgebrachte Pistole gepasst habe.

Demnach hätten die Amerikaner um eine 9mm Glock-Pistole gebeten, am nächsten Tag aber dennoch seine Waffe mit Kaliber 7,65 Millimeter angenommen, weil er und seine Freunde eine solche Waffe nicht hätten „auftreiben“ können. Nachdem er anschließend bei dem Bruder seiner damaligen Freundin noch vier Stück Munition besorgt und den Amerikanern übergeben habe, habe ihm Thomas für die Waffe 500 N$ gegeben und zwei Tage später weitere 500 N$ nachgereicht.

„Ich war total schockiert, als ich wenige Tage später erfahren habe, dass jemand mit der von uns verkauften Waffe ermordet wurde“, erinnerte sich Kavari und ergänzte: „Mir ist bewusst, dass der Waffenverkauf illegal war, aber damals war ich jung und brauchte das Geld.“

Bereits am Montag hatte der Zeuge Henri Olivier ausgesagt, er sei den Angeklagten am 27. Dezember 2010 zufällig in einem Lokal in Maerua Mall begegnet und mit ihnen ins Gespräch gekommen. Dabei hätten ihn die Amerikaner, die sich ihm als M und K vorgestellt hätten, nicht nur gefragt, wo sie an eine Waffe kommen könnten, sondern sich auch erkundigt, ob er Heckmair kenne, oder wisse, wo sich jener aufhalte. Dies habe er verneint, aber darauf hingewiesen, dass der Vater von Heckmair Eigentümer des ebenfalls in der Maerua Mall gelegenen Restaurants Cattle Baron sei.

Dem habe einer der Amerikaner erwidert, dass er ein Freund Heckmairs sei und diesen in der Schweiz kennengelernt habe. Auf Bitten der Angeklagten habe der damals 17-jährige Zeuge nach eigener Aussage beim Cattle Baron die Handynummer von Heckmairs Mutter erfragt, die ihm die Nummer ihres Sohnes mitgeteilt habe. obwohl er diese den Amerikanern weitergeleitet habe, hätten ihn jene anschließend noch mehrmals kontaktiert und gefragt, ob ihm der Aufenthaltsort von Heckmair bekannt sei.

Das Verfahren wird heute fortgesetzt.

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