31 Dezember 2003 | Lokales

Spagat zwischen Umweltschutz und Freizeitvergnügen

Der hauptverantwortliche Naturschutzbeamte der Erongo-Region, Rod Braby, hat das jährliche Vasbyt-Rennen an den Dünen beim Langstrand für "relativ umweltverträglich" erklärt.

"Das Areal auf dem der Hindernis-Wettkampf stattfindet ist vergleichsweise widerstandsfähig", erklärte Braby gestern auf Anfrage. Dort gebe es weder Nester der bedrohten Damara-Seeschwalbe, noch anfällige Vegetationsarten wie die streckenweise entlang der Küste vorkommenden Flechtenfelder. "Wenn der Südwestwind für ein paar Tage stark weht, sind die Spuren, die von den Allradwagen der Vasbyt-Teilnehmer bzw. den Zuschauer verursacht werden, wieder verschwunden", teile Braby mit. Im Gegensatz zu den Kiesflächen, die beispielsweise in der Umgebung von Wlotskas Baken vorkommen und wo Reifenspuren "über hunderte Jahre sichtbar bleiben", sei der Sand der Dünen gegenüber vom Langstrand derart beschaffen, dass Spuren hier "sehr schnell" verweht würden.


Braby zufolge habe sich der Namib Desert 4x4 Club, der seit Jahren Veranstalter des Vasbyt-Wettbewerbs ist, "vorbildich verhalten", indem er das Umweltministerium vor der Veranstaltung konsultiert habe, obwohl er dazu nicht verpflichtet sei. "Das Gebiet auf dem die Vasbyt-Veranstaltung stattgefunden hat, unterliegt der Stadtverwaltung von Walvis Bay - das Umweltministerium hat also keine direkte Entscheidungsgewalt darüber, wie dieses genutzt wird", erklärte er.


Vor diesem Hintergrund sei es "erfreulich", dass die Organisatoren des Vasbyt die Umweltbehörden einbezogen hätten. Diese hätten wiederum die Stadtverwaltung von Walvis Bay beraten und dabei "keine Einwände" gegen die Veranstaltung vorgebracht, die am Samstag einige tausend Besucher angelockt hat.


Nach Angaben von Braby haben Naturschützer auch deshalb ihr Einverständnis gegeben, weil sich die Organisatoren des Wettbewerbs immer an die Auflagen gehalten und "bis auf ein Mal vor vielen Jahren, wo es Probleme gab", den Austragungsort stets gründlich gesäubert hätten.


Dies ist Braby zufolge nicht selbstverständlich. "Es gibt leider immer wieder einige wenige Privatpersonen, die ungeachtet von Verbotsschildern durch abgesperrte Gebiete in oder entlang der Dünen fahren und dabei großen Schaden anrichten". Dies sei zuletzt vor Weihnachten geschehen, als der Besitzer eines Allradfahrzeuges die Seilabsperrung entlang der Straße gegenüber der sogenannten Vierkantklippe "mutwillig zerstört" und dabei einen Sachschaden von über N$ 20000 verursacht habe.


"Wir haben Hinweise auf die Identität des Täters und suchen momentan nach seinem Fahrzeug, von dem wir annehmen, dass es ein Unimog war", sagte Braby. Mit diesem Wagen soll der Verdächtigte ein geschütztes Gebiet durchkreuzt und dort einige der Holzpfähle überfahren haben, an denen die Seilabsperrung neben der Straße befestigt ist. Dadurch sei die Absperrung über eine Distanz von mehr als einem Kilometer "untauglich" geworden und könne nun problemlos von anderen Fahrzeughaltern überquert werden.


"Ich hoffe, dass die Behörden den Verantwortlichen festnehmen, seinen Wagen beschlagnahmen und an ihm ein Exempel statuieren, damit wir eine gewisse Abschreckungswirkung für andere, rückssichtslose Vierrad-Besitzer schaffen", wünscht sich Braby. Dementsprechend hofft er auch, dass die Polizei im Falle einer möglichen Verhaftung des Täters keine Geldbuße verhängen, sondern diesen vor Gericht stellen werde.


Für die "mutwillige Raserei" in den Dünen macht Braby großteils auch Südafrikaner verantwortlich. Diesen werde mitunter von südafrikanischen Reise- und Autozeitschriften der Eindruck vermittelt, "dass man in Namibia fahren darf wo man will". Diese Fehleinschätzungen seien jedoch auch viele Namibier erlegen, die mit ihren Quadbikes in und entlang den Dünen "auf und ab" fahren, dabei die Flächen zwischen und entlang der Dünen durchqueren und dabei unter anderem die Nester von brütenden Damara-Schwalben zerstören würden.


So sind nach Angaben von Braby in der Umgebung des sogenannten Pferde-Friedhofs von den 81 dort bekannten Seeschwalben-Nestern in jüngster Vergangenheit vier zerstört worden. Das Umweltministerium könne einen solchen Verlust jedoch kaum verhindern, weil das Gebiet nicht unter seiner Verwaltung stehe und "der Zugang zu den Dünen derart breit ist, dass man nicht das gesamte Gebiet kontrollieren kann". Erschwerend für die Naturschützer ist, dass 90 Prozent der Damara-Seeschwalben, von denen es nur noch schätzungsweise 20000 Brutpaare gibt, in den Kiesflächen der Namib Wüste brüten - in jener Zeit, wenn die meisten Besucher ihre Ferien an der Küste verbringen.


Eine komplette Absperrung des sensiblen Dünengürtels kommt Braby zufolge jedoch auch nicht in Frage, weil eine solche Barriere vom Dünensand innerhalb kurzer Zeit begraben würde und "wir das Arreal nicht gänzlich für Auto- und Quadbikefahrer sperren wollen". "Wir möchten nicht alle Allrad-Besitzer für das illegale Verhalten einiger weniger bestrafen, indem wir ihnen den Zugang zu jenen Teilen der Dünen verwehren, die aus umwelttechnischen Gesichtspunkten durchaus befahren werden können", macht er die Gradwanderung der Verantwortlichen deutlich.


Voraussetzung für dieses Entgegenkommen ist nach Darstellung von Braby jedoch ein verantwortungsvolles Handeln der Wagenlenker. Diese müssten sich an die "unproblematischen Routen" halten und die Gebiete meiden, wo entweder Seeschwalben brüten, oder sensible Vegetation vorkommt.


Mit den kommerziellen Quadbike-Verleihs hat Braby dabei "kaum" Probleme. Diese würden sich "im Großen und Ganzen" an die Vorschriften halten und dafür Sorge tragen, dass ihre Kunden nicht in "verbote Zonen" vordringen.


"Die Anbieter sind durchaus bemüht, ihre Kunden zu beaufsichtigen und zu versichern, dass diese hintereinander fahren und nicht vom vorgeschriebenen Weg abweichen", glaubt Braby. Ob dieses vor allem in der Feriensaison, wo es traditionell eine sprunghafte Zunahme an Quadbike-Fahrern gibt, immer möglich ist, kann er jedoch auch nicht "mit Gewissheit" sagen.


"Solange das Gebiet nicht unter unserer direkten Verwaltung steht, können wir dort auch keine aktive Kontrolle ausüben", betont Braby. Angesichts der Tatsache, dass "wir nicht den ganzen Dünengürtel einzäunen können und sich einige Leute nicht an die vorhandenen Verbotsschilder halten", überlegt das Ministerium nun, die Kontrolle des Terrains einer Privatfirma zu unterstellen. Dieses Vorhaben wird jedoch vor allem von Quadbike-Anbietern beanstandet, weshalb seine Realisierung bisher ungewiss ist.

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