29 April 2020 | Wirtschaft

Sozialer Frieden in Gefahr

Armut, Hunger und Pandemie: Sorge vor ernsten Unruhen wächst

Im Zuge der Coronavirus-Krise drohen vernachlässigte Entwicklung, wirtschaftliche Ungleichheit und mangelnder Sozialschutz der Gesellschaft zum Verhängnis zu werden: Nach bereits einem Monat im Lockdown wächst die Sorge, dass eine schwelende Hungerkrise zu sozialen Unruhen führen könnte.

Von Jana-Mari Smith

Windhoek

Wegen der Covid-19-Pandemie läuft die Wirtschaft auf Sparflamme, was die Ernährung von geschätzten 700000 Namibiern gefährdet, warnte Staatssekretär des Landwirtschaftsministeriums, Percy Msika, vergangene Woche in Windhoek. „Wirtschaftlich schwierige Zeiten sind ein Nährboden für soziale Unruhen“, erklärte Omu Kakujaha-Matundu, leitender Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Namibia (UNSAM). „Der Hauptauslöser ist Hunger, was durch die Einkommenskluft verschlimmert wird, da ein kleiner Teil der Bevölkerung den gewohnten Komfort genießen kann, während die Massen nichts zu essen haben.“

Der Staat müsse intervenieren, bevor „sich in der Gesellschaft das Gefühl breit macht, als hätte man nichts zu verlieren“, so der Akademiker. „Die Lage kann schnell außer Kontrolle geraten, wenn die Stimmung der Mehrheit umschwingt.“ Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns offenbaren die Lücken der Erbringung öffentlicher Dienste, wie die Direktorin des Zentrums für Rechtsbeistand (LAC), Toni Hancox, erklärte: „Es werden zurzeit Mängel betont, die vor langer Zeit hätten angesprochen werden müssen.“ Beispielsweise sei es Lokalbehörden gelungen, bedürftigen Gemeinden binnen kürzester Zeit Trinkwasser zur Verfügung zu stellen, was „jahrelang“ vernachlässigt worden sei.

Dass die Regierung einigen informellen Märkten und Händlern erlaubt hat, wieder zu öffnen, findet Zuspruch. „Stadtbewohner geben das Meiste ihres täglichen Einkommens für Lebensmittel aus, weil sie im Gegensatz zu der Bevölkerung auf dem Land weniger Möglichkeiten haben, beispielsweise Anbau zu betreiben“, erläutert Astrid Haas, Direktorin für Politforschung beim International Growth Centre (IGC), in einem Bericht. Ihr zufolge trifft ein Lockdown die Menschen am härtesten, die auf den informellen Sektor angewiesen sind. Dabei seien Straßenhändler einer zentralen Lebensmittelausgabe vorzuziehen, da sich keine langen Schlangen bilden würden und die Verkäufer näher am Kunden seien. Haas betont, dass Behörden nachhaltige Wege finden müssen, um Versorgungsketten für Nahrungsmittel aufrechtzuerhalten.

Experten sind sich somit einig, dass die Behörden gemeinsam mit dem Privatsektor die Initiative ergreifen müssen und nach innovativen Lösungen für die Krise und die hungernde Bevölkerung zu finden. Graham Hopwood vom Institut öffentlicher Politforschung (IPPR) lobte in dieser Hinsicht die Regierung, die unter anderem ein Not-Grundeinkommen eingerichtet und einigen informellen Märkten erlaubt hat, unter Auflagen wieder zu öffnen. Er sagte, dass mit einer Erhöhung der Sozialleistungen und Notzuschüssen die Lage zusätzlich gelindert werden könnte.

Hopwood kritisierte allerdings die Sicherheitsbehörden für ihren Umgang mit der Zivilbevölkerung. In den vergangenen Wochen hat zahlreiche Beschwerden von uniformierten Beamten gegeben, die unnötige Gewalt angewandt haben sollen. Diese Vorfälle hätten sich überwiegend in Armenvierteln ereignet. Dem IPPR-Direktor zufolge würde ein rücksichtsvolleres Auftreten der Einsatzkräfte mit mehr Zurückhaltung ebenfalls dazu beitragen, die Bevölkerung zu besänftigen.

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