19 Februar 2019 | Natur & Umwelt

Sorge um Langusten-Fischerei

Experten beraten sich zu alternativen Einnahmequellen für Lüderitzbucht

Von Erwin Leuschner, Lüderitzbucht
„Um die Langusten-Fischerei steht es derzeit schlecht“, sagte die Fischerei-Expertin Dr. Carola Kirchner gleich zu Beginn des Workshops und ergänzte: „Vielleicht kann das gesamte Gewerbe zusammenbrechen. Und was dann?“, fragte sie.
Das Ziel des viertägigen Workshops in Lüderitzbucht liegt darin, die Fischerei im Benguela-Strom-System zu stärken. „Die Bewohner dieser Stadt sind wirtschaftlich stark vom Tourismus, aber auch von der Langusten-Fischerei abhängig“, erläuterte Dr. Kirchner. Dies gewinne vor allem deshalb an Gewichtung, weil Lüderitzbucht aufgrund seiner Lage vom restlichen Namibia recht abgeschottet sei. Laut der Expertin bringe die Langusten-Fischerei nun jedoch „nicht mehr so viel ein wie zuvor“, weshalb Lösungen gefunden werden müssten, die wirtschaftliche Existenz der Bewohner sowie der Stadt im Allgemeinen zu erhalten.
Bei der Veranstaltung gab der Fischereibiologe Erich Maletzky vom Ministerium für Fischerei und Marineressourcen einen Überblick über die Geschichte des Langustenfangs. Dabei seien die Krustentiere ursprünglich, also vor mehr als 100 Jahren, in der Küstenstadt nicht kommerziell genutzt worden. „Vielmehr haben sie als tägliche Nahrung für die Bewohner gedient“, so Maletzky, der weiter berichtet, dass zu jener Zeit der Abbau von Guano sowie die Diamantenindustrie die Wirtschaft von Lüderitzbucht dominiert hätten.
Erst 1922 habe schließlich die kommerzielle Langusten-Fischerei begonnen. Statistiken über die Anzahl der Tiere, die an Land gebracht wurden, seien jedoch nicht geführt worden. Erst im Jahr 1964 seien „mit Mühe“ Erhebungen vorgenommen worden. „Daran lässt sich ableiten, dass die Fangzahl ab 1961 kontinuierlich gestiegen ist, mit einem Höhepunkt im Jahr 1966: 8847 Tonnen wurden damals an Land gebracht“, so der Experte.
Nachdem es 1967 einen drastischen Rückgang der Fangzahl und damit die „erste rote Flagge“ gegeben habe, sei 1968 und 1969 die für den Fang erforderliche Mindestgröße abgeschafft worden, weshalb erneut viele Langusten gefischt worden seien. „Und dann ist alles schief gelaufen“, so Maletzky. Seither habe ein besonders starker Rückgang der Fänge stattgefunden. Die erlaubte Gesamtfangmenge (Total Allowable Catch, TAC) sei 1990 auf 100 Tonnen pro Jahr festgelegt worden – so niedrig wie noch nie.
Seit der Unabhängigkeit sei diese TAC-Festlegung stetig niedrig geblieben. „Und über die vergangenen fünf Jahre konnte unser festgelegter Wert nicht mal an Land gebracht werden“, erklärte Maletzky weiter. Beispielsweise habe die maximale Gesamtfangmenge für das Jahr 2018 bei 230 Tonnen gelegen, wobei jedoch lediglich 177 Tonnen Langusten gefangen worden seien. 95 Prozent der derzeitigen Fänge werde dabei aktuell nach Japan exportiert, drei Prozent nach Hong Kong und die übrigen zwei Prozent blieben auf dem namibischen Markt, so der Biologe.
An dem Workshop nehmen Experten aus dem Fischereisektor, erfahrene Fischer sowie Repräsentanten der zwei Langustenfabriken in Lüderitzbucht, Seaflower und NovaNam, teil. Der Workshop dauert noch bis Donnerstag an und sieht unter anderem auch Besuche der Fabriken vor.

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