27 April 2018 | Leserpost

So unberechenbar wie Donald Trump

Betr.: „Leoparden-Angriff überlebt“ (AZ, 13. April 2018)

Auch ich hatte das Vorrecht, hautnahe Erlebnisse mit Leoparden am Brandberg gehabt zu haben. Erst möchte ich aber von zwei Angriffen von Leoparden auf Lagerplätze, die zu der Zeit verlassen waren, berichten.

Etwa 1971 trafen wir zwei resolute Damen auf dem Königstein, die nur mit einem kleinen Rucksack dort ankamen. Sie berichteten, dass sie ihre Sachen in ihrem Lager gelassen hatten. Als wir wieder unten waren, hörten wir, dass, während sie auf dem Königstein waren, ein Leopard ihr Lager besucht und alles zerstört hatte: Wasserflaschen, Kochtöpfe, Schlafmatten und -säcke waren zerbissen und zerrissen. Sie mussten sofort wieder vom Brandberg absteigen.

Etwas Ähnliches ist Harald Pager, altbekannter Felsbild-Forscher, passiert. Auch er kam von einer kleinen Tageswanderung gegen Abend zu seinem Lager zurück und fand nur noch ein großes Tohuwabohu in seinem Lager vor. Der Leopard dort hatte wirklich alles kurz und klein gemacht. Pager hatte keine andere Wahl, als die Nacht dort zu verbringen, und hatte aber Glück, dass der Leopard nicht zurückkam. Auch er musste alles abbrechen und am nächsten Tag zum Auto zurück.

Mir selber ist so etwas zum Glück noch nicht passiert. Es war auch in den 70er Jahren, als ich in der Numas um einen Felsen herumkam und zwei Leoparden bei einem Festmahl an einem Klippspringer in etwa 20 Meter Entfernung überraschte. Sie haben sich genau so erschrocken wie ich und haben Fersengeld gegeben.

Auf dem Brandberg haben wir nie Zelte hochgeschleppt, sondern immer nur ein Bodensegel mit Isomatte und Schlafsack zum Übernachten gehabt. Bei der Wasserfallhöhle gibt es im Granit große Wasserbecken, die einen absolut ebenen Boden haben. Wenn sie ausgetrocknet sind, eignen sie sich hervorragend als Schlafplätze. Es war am Ende der 90er Jahre, als ich mit einem gerade vermählten Ehepaar (in den Flitterwochen) dort übernachtet habe. In der Nacht wurden wir von dem „Brüllen“, was mehr ein Husten ist, eines Leoparden geweckt. Prompt kam aus dem anderen Becken weiter unten die Frage: „Hier ist ein Leopard, was sollen wir machen?“ Ich sagte nur: „Nichts, der tut uns nichts, bleibt still liegen.“ Ich habe den Leoparden dann sehr laut und böse angeschimpft (zu deutlich durfte ich ja nicht werden, denn es war eine Frau im anderen Becken) und der Leopard ist grummelnd seiner Wege gegangen.

Eine andere Begebenheit habe ich verschlafen. Ich war mit einer Gruppe Journalisten auf dem Brandberg und wir haben die erste Nacht bei Longipoolis geschlafen. In der Nacht ist einer aufgestanden und hat einen Leoparden durch das Lager schleichen sehen, der dann weggelaufen ist. Ich bin heute noch der Ansicht, dass das wohl eine Wildkatze gewesen ist, denn nachts sieht alles größer aus als es ist. Wenn es ein Leopard gewesen wäre, dann, glaube ich, wäre heute ein Journalist weniger auf der Welt.

Was hat das nun mit dem Leoparden-Angriff im Kuiseb zu tun? Ich bin der Meinung, dass dieser Leopard auch ohne dass das Opfer zum Fenster gekommen wäre, durch die Öffnung „eingestiegen“. Was er darin dann angerichtet hätte, möchte ich lieber nicht beschreiben. Die Opfer hatten ein ganz großes Glück dass es „nur“ den Mann erwischt hat. Was manche Leoparden dazu veranlasst, die Scheu vor dem Menschen zu ignorieren, darüber möchte ich nicht spekulieren, es ist schließlich altbekannt, dass Leoparden unberechenbar sind, etwa zu vergleichen mit Donald Trump. Man hat entweder Glück oder eben nicht.

Joe Walter, Windhoek

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