09 Oktober 2020 | Polizei & Gericht

Sieg für die „Hexe von Siya“

Erstmals gibt es eine Verurteilung aufgrund eines uralten Hexerei-Gesetzes

Es wird als ein Durchbruch bezeichnet: Zwei Personen wurden auf dem knapp 90 Jahre alten Gesetz zur Unterdrückung der Hexerei verurteilt, nachdem sie vor acht Jahren eine „Hexe“ tätlich angegriffen hatten - es handelt sich wohl um die erste Verurteilung dieser Art in der Geschichte Namibias

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Kahenge

„Dies ist ein großer Schritt in der Aufklärung und Sensibilisierung von Demenz in Namibia“, sagte Berrie Holtzhausen, Gründer von Alzheimer Demenz Namibia (ADN), gestern im Gespräch mit der AZ. Holtzhausen setzt sich seit Jahren für Personen ein, die an Demenz leiden und wegen dieses Zustands als Hexen dargestellt werden - so erging es auch Frankhilde Haingura, die als die „Hexe von Siya“ bekannt war.

Haingura wohnt in dem Dorf Siya in der Kavango-West-Region. Im Januar 2013 wurde sie von ihrer Nachbarin und deren Tochter angegriffen. Grund: Sie warfen ihr vor, eine Hexe zu sein, weil sie hart arbeitet, Vieh und Ziegen besitzt, über ausreichend Mahangu für ihre Familie verfügt und obendrein einen wohlhabenden Kuka-Laden führte. „Eifersucht ist ein Hauptgrund, der Vorwürfe der Hexerei entfesselt“, erklärt Holtzhausen. Zusätzlich dazu sei aber plötzlich der Sohn der Nachbarin beim Fußballspielen an einem Herzinfarkt verstorben. Dieser Junge sei ein Freund von Hainguras Sohn, Andreas, gewesen.

Die Nachbarin Carolina Namufinda und ihre Tochter Hermine Watema seien fest überzeugt gewesen, dass Hainguras eine Hexe sei und hätten ihr bei dem Angriff mit einem Stein einen Schädelbruch zugefügt und sie für tot zurückgelassen. „Sie war damals auch schwanger. Sie hat den Angriff überlebt und wenig später Anzeige wegen Körperverletzung erstattet“, sagte Holtzhausen. Eine Verhandlung habe aber nie stattgefunden und der Fall wurde im Dezember 2013 eingestellt.

Holtzhausen, der auch als der afrikanische Hexenfinder bekannt ist, wurde rein zufällig im April 2018 durch Hainguras Sohn, Hamutenya, auf den Fall aufmerksam. Er habe Haingura aufgesucht und einen milden Fall der Demenz festgestellt. „In Afrika ist es sehr weit verbreitet, dass Menschen mit Demenz als Hexen oder Zauberer wahrgenommen werden“, erklärt er. Das sei ein Grund, warum das Verfahren eingestellt worden sei. Er habe erneut Anzeige erstatten wollen, doch die Polizisten hätten ihn zunächst ausgelacht: „Sie sagten mir, Hexen müssen in den äußersten Süden geschickt werden, wo es keine Bäume gibt und sie der Sonne ausgesetzt sind, damit sie sterben können.“ Zu diesem Zeitpunkt habe Haingura bereits ihr gesamtes Hab und Gut verkauft, um drei Hexendoktoren zu bezahlen, die ihre Unschuld vor dem traditionellen Gericht beweisen sollten und zu bekunden, dass sie keine Hexe sei.

Anfang 2019 hat Holtzhausen dann rein zufällig von dem Gesetz zur Unterdrückung der Hexerei aus dem Jahr 1933 erfahren - es ist noch immer in Kraft. Es gibt keinen bekannten Fall, bei dem eine Person laut dem Gesetz verurteilt wurde. Laut jenem können Personen strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie eine Person als Hexe darstellen und ihr Schaden zufügen. Im September 2019 sei der Fall der „Hexe von Siya“ vor Gericht neu aufgerollt worden - nebst Körperverletzung sei ein zusätzlicher Anklagepunkt wegen Verstoßes gegen das Gesetz zur Unterdrückung der Hexerei hinzugefügt worden. Am Mittwoch diese Woche erfolgte vor dem Gericht in Kahenge das Urteil.

Richter Barry Mufana kam demnach zum Schluss, dass ein schweres Verbrechen gegen Haingura im Namen „schädlicher Praktiken des Hexenglaubens“ begangen wurde. Die beiden Angeklagten Namufinda und ihre Tochter Watema wurden jeweils zu einer Geldstrafe in Höhe von zwischen 3 000 und 5 000 N$ verurteilt. „Die Anwendung des Gesetzes wird Menschen mit Demenz und Gemeinschaften, in denen schädliche Praktiken des Hexenglaubens als Kultur akzeptiert werden, Freiheit bringen“, so Holtzhausen.

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