09 Mai 2012 | Sport

Segelflugplatz Bitterwasser setzt neue Maßstäbe

Windhoek - Am 8. November 2011 hatte Vize-Transportminister Chief Samuel Ankama die 51. Bitterwasser-Saison offiziell eröffnet (AZ berichtete). Piloten aus 132 Ländern sorgten dafür, dass es die erfolgreichste aller Zeiten werden sollte. Im Rahmen von 820 Flügen legten sie eine Gesamtstrecke von 588 755,48 Kilometern zurück. Bemerkenswert: In der Vorsaison hatten 126 Bitterwasser-Piloten bei einer gleichen Anzahl von Flügen lediglich 257 974,58 km absolviert.

"Die sehr guten Wetterverhältnisse haben dieses fantastische Ergebnis möglich gemacht", sagte Bitterwasser-Manager Olaf Henrion gestern im AZ-Gespräch. Nur drei Regentage habe es im Saisonverlauf gegeben. Global betrachtet steuerten die Piloten mit Start- und Zielpunkt Bitterwasser 46 Prozent der insgesamt auf der Welt verbuchten Segelflug-Kilometer bei. "Wir haben unsere Position als weltweit führender Segelflugplatz ausgebaut", zog Olaf Henrion dementsprechend ein positives Saisonfazit.

"In Namibia werden den Segelfliegern von November bis Anfang Januar sehr gute Bedingungen geboten", erklärte der Leiter des Bitterwasser-Flugbüros, Dieter Schwenk, gegenüber der AZ, warum das 58 km östlich von Kalkrand bei der kleinen Ortschaft Hoachanas gelegene Flugzentrum zu einem Mekka für Segelflieger aus aller Welt avanciert ist. Sowohl bei Kumulusbewölkung als auch an heiteren Tagen sind hier im Herzen Namibias Basishöhen von 5000 Meter über dem Grund möglich.

"Die aufsteigenden Luftmassen treiben ein Flugzeug mit bis zu 850 Kg Gesamtgewicht um sechs Meter pro Sekunde aufwärts", erläutert Schwenk. Die Segelflieger nutzen diese aufsteigenden Luftmassen, um immer wieder Höhengewinne zu machen, die dann wiederum in Streckenflugkilometer umgesetzt werden. Mehr als neun Stunden lang können die Piloten so ohne Zwischenlandung durch die Luft segeln - ohne externen Antrieb, allein durch Sonnenkraft.

Für den weitesten Flug der vergangenen Saison zeichnete am 20. Dezember Bostjan Pristavec verantwortlich. Mit Co-Pilot Klaus Seemann an seiner Seite flog der Slowene bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 137,56 km pro Stunde 1295,54 km weit. Auch Ende dieses und Anfang nächsten Jahres rechnen die Bitterwasser-Betreiber wieder mit neuen Bestleistungen. "Die Vorbereitungen laufen reibungslos", wie Olaf Henrion gestern berichtete. Los gehen soll es am 1. November, das Saisonende ist für den 20. Januar kommenden Jahres angesetzt.

Mitte Oktober werden die ersten von acht Containern mit insgesamt 50 Segelflugzeugen an Bord von Deutschland aus nach Walvis Bay verschifft. Die Leitung des Flugbüros in Bitterwasser übernimmt erneut Dieter Schwenk, der wie gewohnt aus seinem Heimatort Münsingen bei Stuttgart anreist. Flüge von mehr als als hundert Piloten gilt es für den Schwaben, der zudem als oberster Fluglehrer fungiert, zu koordinieren. Ein Fulltime-Job, dem sich der erfahrenen Segelflieger aus Leidenschaft verschrieben hat. Im vergangenen Jahr war Schwenk die Ehre zuteil geworden, mit Vizeminister Ankama eine Runde zu drehen. "Der war total begeistert", erinnert sich Schwenk, "weil es dort oben so schön ruhig ist und man seinen Horizont erweitern kann."

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