03 Mai 2019 | Glosse

Schwanengesang zum Zeitungssterben

Nix is so langweilig wie ´ne Zeitung von gestern - so sagen`s gewohnheitsmäßig kritische Leser der Blätter, ob sie nun täglich in eine oder mehrere reinschauen oder nur einmal in der Woche so beiläufig die Druckerschwärze heranziehen. Außerdem kleben die Leut´ jetzt mos wie süchtig an den Flimmerscheiben der Zeitvernichtungsmaschinen mit ihren Souschel-Programmen wie Facebook, Twitter - das Piepol-Programm -, wo auch der Trump-Donald rumflattert, TV und andere …

Ab dieser Woche reiht sich nun das Wochenblatt Southern Times in die Reihe gestorbener Zeitungen in Namibia und gleichzeitig im südlichen Afrika ein, denn dieses ehrgeizige Blatt wollte ein echtes afrikanisches Organ der 16 Mitglieder der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) sein. Just auf dem Titelblatt der letzten Ausgabe erscheint der Jubel-Lorbeerkranz, dass diese unter dem Kreuz des Südens 15-jähriges Bestehen feiert. Auf Seite 8 bewältigt der Redakteur im in den Kommentarspalten derweil die schmerzliche Aufgabe, den „begierigen Lesern“, wie er se nennt, mitzuteilen, dass „wir uns entschuldigen, dass wir Sie in Stich lassen und Sie ohne dieses Blatt nun darben und hungern müssen, aber wir danken für Ihre Unterstützung, denn wir haben nur existiert, weil es Sie als Leser gibt“.

Die Worte des Abschiedssatzes bieten sogleich den gemeinsamen Nenner unter der Journaille aller Printmedien, auch wenn die Ausrichtung eines jeden Blattes von einer Mischung aktiver Redaktionstalente, in größerem oder kleinerem Maße von der Verlagsleitung, von den Anzeigenkunden und von der Leserschaft bestimmt wird. Aber wir wollen jetzt den Mund nich zu vollnehmen. Im Falle der Southern Times is bei ihrer Nam-Simbab-Gründung noch die streng-politische Vorgabe dazugekommen, die Redakteur und Reporter streng befolgen sollten. Darauf müssen wir gleich zurückkommen.

Als Leser und Schreiberlinge müssen wir mos checken, warum eine Okuranta, die vor 15 Jahren von unseren Volksführern mit lautem Posaunenschall ins Leben gerufen wurde, in ihrem Jubiläumsjahr von eineinhalb Jahrzehnten so sang- und klanglos die Bühne verlassen muss, abgesehen von der Unsicherheit der redaktionellen Mitarbeiter, die sich in dieser Zeit der Flauten und Dürre neue Jobs suchen müssen.

Sargnägel für Zeitung und Boulevard-Blatt

Wir wollen hier nich herzählen, wieviele Zeitungen, die diesen Namen verdienen, die AZ in ihren knapp 103 Jahren seit 1916 allein in Namibia überlebt hat. Aber wir können leicht herzählen, welche Faktoren zum Zeitungssterben beitragen. Wir können nochall iesie aus eigener Erfahrung schöpfen, wann eine Zeitung dem Untergang geweiht is. Auf Nimmerwiedersehen.

In der Regel entsteht ein Blatt durch Initiative und Ovimariva von wirtschaftlichen Interessenverbänden, reichen Individuen, politischen Parteien mit besonderem Geltungsbedürfnis oder - der eher seltene Idealfall - aus dem Bedarf der Zivilgesellschaft heraus, die an eine solche Publikation hohe Anforderungen der Objektivität und bürgernahen Relevanz stellt.

Aus jeder der groben Kategorien können wir Euch Beispiele nennen, die gekommen und gegangen sind. Nehmen zuerst die Parteiorgane Die Suidwes-Afrikaner und Die Suidwester sowie Namibia Today, die in ihrer Zeit in gleicher Reihenfolge die weiße Vereinigte Partei, die weiße Apartheidsspartei Nasionale Party und die Befreiungspartei Swapo, die sich für die Größte aller Zeiten hält, bedient ham. Der ersten Zwei sind mit der Macht und Anhängerschaft als Parteiorgane am Medienhimmel erschienen, solange ihre Partei lebensfähig war. Mit sinkendem Stern der politischen Fortuna ihres Lagers mussten die Herausgeber den Laden kläglich dicht machen. Mit ihren überlebten Parteien sind se ins Grab gegangen. Im Staatsarchiv und bei den wissenschaftlichen Gesellschaften von Ovenduka und Tsôaxhaobmund kannste die noch nachschlagen.

Heißt der Ladenschluss des Swapo-Propagandaorgans und Wochenblatts Namibia Today vor ca zwei Jahren, dass die ruhmreiche Swapo etwa auf dem Niedergang is? So einfach is das nich! Die Partei, die durch ihren extremen Sitzüberhang im Parlament den Löwenanteil der staatlichen Parteiförderung erhält, hat ihr Blatt und damit den Redakteur sommer so gedroppt - der verlangt jetzt noch ´ne Abfindung, denn er hat als kadavergehorsamer Schreiberling gute zwei Jahrzehnte geschwucht und die dogmatische Linie aus- und abgedroschen, auch wenn das Volk auf der Straße und Anzeigenkunden das Blatt kaum gekauft und nich weiter zur Kenntnis genommen ham, es sei denn es gab Gratis-Exemplare. Auch wenn die Partei durch interne Grabenkämpfe der Cliquen und des Tribalismus angeschlagen is, is ihre Mehrheitsstellung in keiner Weise gefährdet, denn die Kräfte des Machterhalts unter den elitären Fressern aus der staatlichen Futterkrippe - in Anlehnung an den afrikaansen Begriff kripvreter für Staatsangestellte und politische Amtsträger bleiben hart dran.

Aber eins is beim Kollaps des Parteiorgans deutlich: die reine Propaganda-(Miss)Kultur is selbst bei hartgesottenen Comräds nich mehr angekommen, dass man mit dem Blatt noch mehr Gelder hätte morschen wollen. Könnte das ein kleines Zeichen sein, dass sich in den Reihen der Genossen etwas mündige politische Reife bemerkbar macht? Könnte es sein, dass sie den propagandistischen Stuss des Parteiblatts selbst nich mehr aushalten konnten?

Die anderen Gründe für Zeitungssterben wie Unfähigkeit der Verlagsleitung, Veränderung des Wirtschaftsumfelds, Konkurrenz und Siegeszug neuer Medien brauchen wir hier nich weiter behandeln. Zurück zur „Southern Times“ , die von namibischen und simbabwischen europhobischen Staatsideologen vor 15 Jahren als Gegenstück zur - wie sie meinten - „eurozentrischen Weltanschauung“ der vorherrschenden Presse in Namibia gemeinsam gegründet wurde. Wohl gemerkt, das war 2004, als Comräd Boppa Mugabe noch fest im Sattel saß und unabhängige Medien in Simbabwe schon huka geknebelt, verprügelt und abgeschafft waren. Also galt der eurozentrische Vorwurf zunächst nur der namibischen Öffentlichkeit, auch wenn die Times-Redaktion mit allen 16 Flaggen der SADC auf der Titelseite angegeben hat. Und eins is sicher, Simbabwe hat zum Verlag Namzim Newspapers (Pty), zwar mit Schreiberlingen und redaktionelle Richtlinien beigetragen, aber zur Bestreitung der Kosten omtrent f´kol. Die Kosten hat der namibische Steuerzahler berappt. Und selbigen Steuerzahler können selbst Herr Calle und sein Fiskus kaum noch weiter schröpfen. Außerdem schlidderte Comräd Boppas Wirtschaft ab 2004 rasant in die galoppierende Inflation hinein. Davon hat sich das ausgemergelte Land selbst mit Mugabes Steigbügelhalter Emmerson, der als Retter Simbabwes angepriesen is, noch nich erholt.

Jetzt suchen die Nam-Sim-Herausgeber Zahlungsgenossen im SADC-Klub, um ´nen Neuaufguss der Southern Times zu lancieren. Aus`m Bauch heraus haste zunächst das Gefühl, was die Engländer ´ne Chance wie snowball in hell und bei den Buren wie wors in ´n hondehok bezeichnen.

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