20 Dezember 2018 | Bildung

Schulergebnisse unbefriedigend

Leistungen lassen weiter nach – Ministerin beklagt mangelnden Einsatzwillen

Die Ergebnisse der JSC-Examen sind deutlich schlechter als im Vorjahr ausgefallen. Nur 53,3 Prozent aller Kandidaten haben die Versetzung geschafft, was einem Rückgang von zwei Prozent entspricht und die Erziehungsministerin ratlos macht.

Von Marc Springer

Windhoek

Wir sind von den mangelhaften Resultaten alle überrascht und haben wesentlich bessere Ergebnisse erwartet“, erklärte Ministerin Katrina Hanse-Himarwa gestern in ihrer Bilanz und ergänzte: „Wir müssen jetzt die Schuldzuweisungen beenden und detaillierte Ursachenforschung betreiben.“

Aus der Analyse der Ministerin geht hervor, dass von den 44863 JSC-Kandidaten, die an landesweit 731 Schulen am regulären Unterricht teilgenommen und dort ihre Klausuren abgelegt haben, nur 23911 (oder 53,3 Prozent) die Versetzung in die elfte Klasse geschafft haben. Das entspricht einem Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als von den damals 40599 JSC-Kandidaten 22363 (oder 55,3 Prozent) das Klassenziel erreicht haben.



Abwärtstrend

Hanse-Himarwa zufolge werde der Prozentsatz zwar noch steigen, weil einige Schüler, die bei NAMCOL eines oder mehrere Fächer nachgeschrieben haben, ebenfalls den Anschluss an die elfte Klasse schaffen würden. Dies könne jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die diesjährigen Ergebnisse einen „deutlichen Trend von besseren zu schwächeren Noten“ aufweisen würden. Ferner sei die Anzahl nicht benoteter (ungraded) und damit für ungenügend befundener Klausuren von 3,1 Prozent im Vorjahr um 0,8 Prozent auf 3,9 Prozent in diesem Jahr gestiegen.

Die negative Tendenz ist auch bei den 11222 Teilzeitschülern deutlich, die in diesem Jahr ein oder mehrere Fächer nachgeschrieben haben. Auch hier sei Hanse-Himarwa zufolge eine „Verschiebung“ von besseren zu schlechteren Noten sichtbar und habe die Anzahl nicht benoteter Examen auf 12,4 Prozent aller absolvierten Prüfungen zugenommen.

Als „erfreuliche Nachricht“ wertete sie hingegen die Tatsache, dass sich die Ergebnisse der früher als HIGCSE-Examen bekannten Prüfungsfächer auf gehobenen Leistungsniveau (NSSCH – Namibia Senior Secondary Certificate Higher Level) leicht verbessert hätten. So hätten von den 17968 Schülern der zwölften Klasse, die eines oder mehrere NSSCH-Prüfungen abgelegt hätten, nach derzeitigem Stand etwa 66 Prozent eine Universitätszulassung erlangt. Dies stelle eine Verbesserung von 0,2 Prozent und einen „beachtlichen Erfolg“ dar, der „Anlass zur Freude“ gebe.



Schuld der Schüler

Die wenig erfreulichen JSC-Resultate hingegen gelten der Ministerin als Zeichen dafür, „dass die Schüler nicht ausreichend vorbereitet waren und sich nicht genug Mühe gegeben haben“. Dies sei „in Zeiten von Google“ unentschuldbar, weil sich Schüler heute deutlich leichter als früher selbst informieren und „Recherche betreiben“ könnten.

Was fehle sei Eigeninitiative und Motivation. Vielmehr würden sowohl Schüler, als auch Eltern „die Schuld immer bei anderen suchen“ und abwechselnd das Ministerium oder Lehrer für das eigene Versagen verantwortlich machen. „Wenn einige Kinder gute Leistungen erbringen können, muss das auch anderen möglich sein“, erklärte Hanse-Himarwa und ergänzte: „Stattdessen suchen sie nach Ausreden und behaupten, sie seien arm, hungrig oder obdachlos und könnten sich deshalb nicht der Vorbereitung auf die Examen widmen.“

Derlei „Ausflüchte“ seien selbst dann nicht hinnehmbar, wenn Schüler tatsächlich aus unterprivilegierten Haushalten stammten. „Wenn die Eltern arbeitslos sind, sollte dies ihren Kindern ein Ansporn dafür sein, aus der Armut auszubrechen und sich für einen guten Schulabschluss einzusetzen“, erklärte sie. Ferner warf sie angeblich desinteressierten Eltern eine Mitschuld an den schlechten Ergebnissen vor.

„Viele Eltern erfahren aus Zufall, dass ihre Kinder Examen geschrieben haben, wenn sie davon aus der Zeitung oder von Bekannten erfahren“, sagte sie und fügte hinzu: „Wenn sich diese Eltern mehr kümmern und ihren Nachwuchs motivieren würden, wären die Resultate besser ausgefallen.“



Schuld der Eltern

Demnach kam sie zu dem Ergebnis, dass die rückläufigen Schulleistungen auch eine gesellschaftliche Komponente hätten und mehr Engagement notwendig sei. „Wen es nicht schert, ob der Nachbarsjunge für seine Examen lernt, der darf sich nicht wundern, wenn dieser Junge in ein paar Jahren auf der Straße landet und in seine Wohnung einbricht“ warnte sie. Es fehle also nicht nur den Schülern an Disziplin, Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft, sondern auch ihren Eltern und deren Bekannten an der Hingabe, die früher selbstverständlich gewesen sei.

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