15 Januar 2019 | Lokales

Schuldfrage nach Düsternis

Rattenschwanz folgt nach tagelangem Stromausfall auf Elisenheim

Als in Windhoeks Vorort Elisenheim am vergangenen Donnerstagabend nach drei Tagen Stromausfall die Lichter flackernd wieder aufglühten, atmeten die Bewohner auf. Allerdings setzten nach Düsternis und angefaulten Lebensmitteln in vielen Haushalten weitere Schocks ein.

Von Eberhard Hofmann

Windhoek/Elisenheim

Die Elektriker der Stadt Windhoek brachten beim lang ersehnten Wiederanschluss an das städtische Netz nur schwankenden, flackernden Strom auf den Weg, der über eine Stunde lang nicht die Standardspannung erreichte. Als Erkennungszeichen dienten Leuchter mit mehreren Birnen, von denen nur die Hälfte leicht glimmten. Das niederschmetternde Ergebnis: in vielen Haushalten verursachte die unter der Norm ständig schwankende Spannung in der Leitung ernsthaften Schaden. Elektro-Motoren von Eis- und Kühlschränken blieben stehen, Kaffeemaschinen, die man hoffnungsvoll angeschaltet hatte, fielen aus, Wasserpumpen von Aquarien gingen kaputt. Diese Apparate blieben nach Rückkehr der normgerechten Spannung defekt.

Hier und da ist ein Haushalt gegen solchen Schaden versichert. Ob versichert oder nicht: die Stadtverwaltung steht als vertraglicher Nutznießer und Empfänger der städtischen Gebühren und Grundsteuern in der Pflicht, für erheblichen Schaden aufzukommen, der durch Jahre lange Vernachlässigung der veralteten Stromleitung vom Areal E-Werk Van Eck und der Natis-Automobilbehörde am Nordausgang von Windhoek nach Elisenheim entstanden ist. Nach vollendetem Aufbau der Phase I von Elisenheim, ca 2012 bis 2016 – insgesamt folgen sechs weitere Bauabschnitte – fordert die Stadt Windhoek seit vergangenem Jahr 2018 zudem extrem drastisch erhöhte Tarife auf fertiggestellte Bauten sowie für Müllentsorgung ein.

Der drei Tage dauernde Stromausfall mit stümperhaftem Wiederanschluss war dazu gekennzeichnet durch Funk- und Kommunikationsstille von sowohl der Stadtverwaltung (CoW) als auch dem Immobilienentwickler EPDC (Elisenheim Property Development Co. (Pty) Ltd) bzw. Trustco (Quinton van Rooyen). Erst am Nachmittag des dritten Tages des Stromausfalls richtete sich die Stadt an ihre geschädigten Steuerzahler, gefolgt von EPDC/Trustco, die sich zudem gegenseitig die Schuld zuschieben.

In der Erklärung des Stadtdirektors, der den schadhaften Anschluss von Natis Valley nach Elisenheim anstatt im Norden der Stadt, im südlichen Industrieviertel (sic!) verortet, wird erst am dritten düsteren Tag der technische Defekt erläutert. Das seit ca 2010 veraltete Zulieferungskabel, das jedoch über genügend Kapazität verfügt habe, sei infolge von „water treeing“ (auf Deutsch: Wasserbäumchen) an mehreren Stellen defekt geworden. In das veraltete Kabel sei kapillarfein Wasser in die Isolierung eingedrungen, was der Verästelung eines Baumes ähnelt. Die städtischen Kräfte entdeckten mehrere solche Stellen, besserten sie aus, nur um festzustellen, dass es noch weitere schadhafte Flecken gab, die sie nicht gleich orten konnten. Darauf folgt die städtische Schuldzuweisung an das Unternehmen Trustco, das vertraglich gebunden sei, das anfängliche Kabel beizeiten durch ein neues zu ersetzen, um der gestiegenen Nachfrage auf Elisenheim Rechnung zu tragen.

Trustco/EPDC reagierte noch am Donnerstag rasch darauf: CoW als Stromverteiler und Instanz, die die Elektrogebühren und Grundsteuern einstreicht, ist für die Instandhaltung der Kabel verantwortlich. Trustco/Entwickler und Elisenheim Home Owners Association (EON) erhalten keinerlei städtische Gebühren und haben weder das Recht noch verfügen sie über die Kompetenz, sich in die Instandhaltung der Bruttoversorgung von Elisenheim einzuschalten. Die Kabel gehörten der Stadt Windhoek, so Trustco.

Wer letztlich die Verantwortung trägt, stand gestern noch offen.

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