29 August 2008 | Kultur & Unterhaltung

Schönste Schnitzereien

"Es hat alles angefangen, als ich noch zur Schule ging", sagt der 21-jährige Simon Anton. Der in Rundu geborene Namibier besitzt gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Markus Simaho (23) einen kleinen Verkaufsstand am Straßenmarkt von Okahandja. Er ist einer von mehreren Dutzend Glücksrittern, die in der kleinen Ortschaft 60 Kilometer vor Windhoek ihre Ware an Einheimische und Touristen zu verkaufen versuchen. Wie viele der hier stationierten Souvenirhändler hat auch Anton keine abgeschlossene Schulausbildung - einwandfreies Englisch spricht er trotzdem. "Ich liebe meinen Job", sagt er, und dabei strahlen seine dunkelbraunen Augen. Dann erzählt Anton von seiner Vergangenheit. Schon während seiner Schulzeit in Rundu will er sein kreatives Talent entdeckt haben. Statt täglich langweilige Mathe-Aufgaben zu pauken, studierte er lieber das Handwerk seines Vaters: Auch der ist Souvenirhändler. "Ich habe meinem Dad ständig über die Schulter geschaut und später durfte ich ihm sogar helfen", erinnert sich Anton: "Mein Vater hat mir sehr viel beigebracht."

In Rundu lernte der 21-Jährige auch seinen Freund Markus kennen, der schon vor ihm mit dem Schnitzen angefangen hatte. Die beiden beschlossen, gemeinsame Geschäfte zu machen. Da der Absatzmarkt im Norden jedoch sehr begrenzt ist, zog es die beiden in den Süden. In Windhoek bekanntester Touristen-Meile, der Post-Street-Mall, wollte das Duo es jedoch gar nicht erst versuchen. "Es gibt dort einfach zu viel Konkurrenz und zu viele Leute, das ist uns zu eng", sagt er und zeigt dann mit seinem vernarbten Finger auf die lange Reihe der Läden am Ortseingang von Okahandja: "Hier ist es einfach besser, hier fühlen wir uns wohl."

Der kleine Laden der beiden ist nur von einem Segel überdacht, mit einer dünnen Plastikplane decken die Schnitzer abends ihre Ware zu. Ordentlich verschließen kann man den Stand nicht, deshalb hat das Duo anfangs große Verluste erleiden müssen. "Die Botsotsos von der Lodge kamen eines Nachts und haben ganze Reihen von Skulpturen gestohlen", erinnert sich Anton. Der Verlust für ihn und seinen Partner war damals riesig; Anton tut es vor allem leid um die viele Zeit, die er in die Schnitzereien investiert hatte. Es gab deshalb für ihn nur einen Ausweg: selbst im Stand übernachten, auf dem kalten Boden. Anton war sein eigener Wachtmeister. Mittlerweile jedoch haben sich die Straßenhändler organisiert: Jetzt wurden drei Sicherheitskräfte eingestellt, die über die rund 100 Meter lange Geschäftsreihe wachen. Seither schläft Anton gelassen und ruhig in seiner kleinen Wohnung abseits der Ortschaft.

Anders als viele ihrer Kollegen haben Anton und Markus den Großteil ihrer Ausstellungsstücke selbst hergestellt. An einer ein Meter hohen Giraffe schnitzt Anton rund zwei Arbeitstage. Danach muss das Holz abgeschmirgelt und schließlich mit Wachs eingerieben werden. Auch Schmuck haben die beiden im Angebot: Besonders für die beliebten Straußeneierketten benötige man unheimlich viel Fingerfertigkeit, sagt Anton. Die Herstellung kostet ihn rund zwei Tage. Und der Preis? "Nichts in meinem Laden hat ein festen Preis", erklärt Anton. Er schaue sich einfach den Kunden an, sagt er, und denke sich dann einen passenden Preis aus. Die Ketten beispielsweise bietet er für 200 Namibia-Dollar an. "Wenn es ein netter Kunde ist, dann bekomme ich auch diesen Preis", sagt er. Doch meistens wird verhandelt, und manchmal wechselt die Kette den Eigentümer für mickrige 50 Dollar.

Neben den hunderten kleineren Schnitzereien, mit denen der Laden ausgestattet ist, ziert ein Meisterwerk den Eingang: ein knapp zwei Meter hoher Elefant blickt von dort auf die Straße. Er stellt eine große Attraktion für Touristen dar. An dem schwarzbemalten Riesen hat Anton mehr als zwei Wochen gearbeitet. Wie stolz er auf das Ausstellungsstück ist, zeigt sich an seiner Stimme, die mit einem Mal eine tiefere Tonlage annimmt, als Anton mit Händen und Füßen den Arbeitsprozess erklärt. Wie schwer dieses große Tier ist, weiß er nicht. Nur dass man bestimmt sieben Personen braucht, um ihn vom Fleck zu bewegen. 25 Tausend Namibia-Dollar sei er ihm wert, sagt Anton. Doch der Preis hängt vom Kunden ab, weiß er. In schlechten Monaten, wenn er richtig knapp bei Kasse ist, sei er froh über jeden noch so schlechten Verkauf.

Was die Zukunft für den Händler und seinen Partner beinhaltet, bleibt natürlich ungewiss. Größere Lebensziele hat Anton nicht. Er sei noch jung und wolle weiter in Okahandja wohnen und arbeiten. Konkurrenz gäbe es schließlich überall, "doch ich will einfach besser sein", sagt Anton abschließend. Dann verschwindet er in seinem Laden, um sich um französische Touristen zu kümmern, die gerade angekommen sind. Im Halbschatten unter seiner Zeltplane dreht er sich noch ein letztes Mal um: "Das Händlerleben ist nicht so einfach. Schreiben Sie bitte eine schöne Geschichte, damit mehr Touristen kommen."

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