09 März 2017 | Natur & Umwelt

Schlussdatum für Einwände

Erste schriftlich belegte Studie gegen Phosphatabbau liegt vor

In vergangenen Jahr hatten Demonstrationen und Proteste seitens Einzelpersonen sowie Zivilgesellschaften und sogar Staatsinstanzen dazu geführt, dass der Umweltminister eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zum maritimen Phosphatabbau wieder zurückzog und Gegnern sechs Monate einräumte sich dazu zu äußern.

Von Frank Steffen, Windhoek

Am 2. November 2016 zog Umweltminister Pohamba Shifeta ein am 5. September 2016 an die Namibia Marine Phosphates (NMP) ausgestellte Unbedenklichkeitsbescheinigung zum Abbau von Phosphat im Atlantik, aufgrund von ununterbrochener Proteste auf lokaler sowie internationaler Ebene zurück. Der Phosphatabbau war für ein maritimes Minenclaim etwa 120km südwestlich von Walvis Bay vorgesehen. Die Bescheinigung veranlasste Naturschützer und Fachkräfte gleichermaßen, stark gegen die Umsetzung des Projekts anzugehen. Der Minister beschloss bei der Zurücknahme des Zertifikats im November, dass (i) der Umweltkommissar das Fischereiministerium sowie die Fischindus­trie und alle weiteren Interessenträger auffordern müsse, innerhalb von drei Monaten ihre Beschwerden und Gegenanträge zu formulieren und einzureichen; (ii) der gesamte Anhörungsprozess innerhalb von sechs Monaten abgehandelt sein müsse; und (iii) diese Bedingungen bindend für alle betroffenen Parteien werden, es sei denn, dass das Obergericht einen anderen Beschluss nehmen sollte.

Im November hatte die Namibische-Wissenschaftliche-Gesellschaft (NWG) Vorträge zum Thema Phosphat­abbau angeboten um unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen zu der Umweltstudie des geplanten Phosphatabbaus durch NMP einzuholen. Drei Fachkräfte auf dem Gebiet der Umweltstudien (EIA) Dr. Chris Brown, Dr. Peter Tarr und John Pallett hatten dabei die Vorgehensweise und den mangelnden Informationsfluss seitens der NMP, seiner Forscher und dem Umweltministerium heftig kritisiert, aber in eigener Kapazität befunden, dass sie keinen Grund erkennen, warum die Studie unannehmbar sei.

David Russell, seit 30 Jahren in der Fischereiindustrie als Fachberater und Meeresbiologe beschäftigt, hielt diesem Argument entgegen, dass die drei Umweltschützer einen Abbau in Phasen einleiten- und ein auf Überwachungssystemen basiertes, adaptives Managementprogramm einführen würden, obwohl sie eingeräumt hatten, dass sie keine zutreffende Kenntnis in der betroffenen Meereskunde hätten. Russell bezweifelte den Willen des Ministeriums für Umwelt und Tourismus (MET), wenn die Unbedenklichkeitsbescheinigung nur für eine relativ kurzbefristete Zeit zurückgezogen werde. In seiner nun erfolgten formellen Gegendarstellung, betont Russell, dass er auf die NMP-Verifikationsstudie reagiere, welche gerade mal über eine Zeitspanne von 90 Tagen zur See vorgenommen worden war. Diese letzte Studie der NMP war zur Bestätigung der ursprünglichen Umweltverträglichkeitsstudie (EIA) vorgenommen worden, nachdem die EIA nie als letztendliches Beleg für eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gedacht war, sondern lediglich als grundsätzliche Beurteilung diente, als das Projekt zum ersten Mal ins Auge gefasst wurde. Es fehlte demnach in dieser ersten EIA eine wissenschaftliche Basis. Russell habe nun nach bestem Vermögen in einer unwahrscheinlich kurzen Zeit die Meinungen von qualifizierten Fachkräften zu der Verifikationsstudie von mehr als 2000 Seiten eingeholt. Wenngleich die Studie schwer verständlich sei, kämen die Experten laut Russell zu dem Schluss, dass sie vom Inhalt her gut sei, ungeachtet der Tatsache, dass die Ersteller des Dokuments von NMP angestellt und gezahlt wurden.

Davon abgesehen rät Russell in seinem 19-seitigen Bericht der Regierung trotzdem von dem Vorhaben ab, zumal Länder wie Mexico und Neuseeland auch der Versuchung des Geldes im Interesse des Landes widerstanden hätten. In der vorliegenden Studie werde ungenügend Nachdruck auf die Wechselbeziehung zwischen den verschiedenen atlantischen Eco-Systemen gesetzt, zumal die Studie wiederholt von einer relativ kleinen Oberfläche spricht, es sich hier aber um 25 bei 115 Kilometer (2800 Quadratkilometer) handelt, welches sich zweifelsohne als ein Anfang verstehen sollte. Der undurchsichtige Prozess, welcher bei dem öffentlichen Zugang zu der Studie geherrscht habe, werde nach wie vor angezweifelt und verurteilt. „Es muss einfach mehr Zeit eingeräumt werden in einem Versuch, eine wirklich informierte Entscheidung zu treffen“, meint Russell.

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