27 Juni 2019 | Landwirtschaft

Schlachthöfe arbeiten Überstunden

Notschlachtungen werden durchgeführt - Farmer kämpfen ums Überleben

Der Schlacht- und Fleischbetrieb Meatco untersucht zurzeit die Möglichkeit seine Schlachtkapazität zu erhöhen. Die anhaltende Dürre zwingt die verzweifelten Landwirte zunehmend Notschlachtungen durchzuführen, welches in dieser Krisenzeit nicht schnell genug klappt.

Von Catherine Sasman & Frank Steffen

Laut Rina Hough vom namibischen Landwirtschaftsverband NAU wird der Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb Meatco derzeit mit Anträgen für das Schlachten von Vieh überflutet. Meatco hatte bereits früher im Jahr angekündigt, dass die Schlachtkapazität auf 600 Tiere pro Tag erhöht und an Samstagen gearbeitet werden soll (AZ berichtete). „Der Betrieb ist ausgebucht und schlachtet seit dem Anfang des Jahres jeden Tag bei maximaler Kapazität - die Mitarbeiter arbeiten viele Überstunden“, bestätigte Hough.

Mittlerweile seien auch kleinere Schlachthöfe der Klassen B und C ausgebucht - davon gebe es einige. „Die Schlachthöfe, die geöffnet sind, schlachten so viel wie sie können. Indessen warten Landwirte monatelang auf eine Öffnung, doch meistens bleiben die Betriebe voll ausgebucht. Sie füttern ihre Tiere, wenn sie sich das leisten können, oder verkaufen die Tiere in großen Mengen auf Auktionen“, fügte Hough hinzu. Landwirte, die zu einem solchen Schritt gezwungen würden, müssten sich auf Versteigerungen - wegen des Überangebots - mit niedrigeren Preisen abfinden.

Das Meatco-Aufsichtsratsmitglied Dr. Diana van Schalkwyk bestätigte auf NMH-Nachfrage, dass Meatco in Windhoek derzeit mit etwa 630 Rindern pro Tag seine volle Kapazität ausnutzt. Dagegen sei der Durchsatz nördlich des Veterinärzauns (Veterinary Cordon Fence, VCF) - also in den nördlichen Kommunalgebieten - auf eine mobile Schlachtanlage beschränkt.

„Die lokalen Schlachthöfe der B-Klasse (im Norden) erreichen ungefähr 80% ihrer Kapazität, aber der Umsatz von Fleisch wird von der Nachfrage des lokalen Marktes bestimmt. Dieser Markt ist momentan mit Fleisch gesättigt, da obendrein viel informeller Handel getrieben wird“, behauptet van Schalkwyk.

Bestehende Kapazitäten

Laut den Statistiken des Leiters der Informationsabteilung des namibischen Fleischrates, Ace Mutelo, haben die Viehschlachthöfe in Windhoek (Meatco) und Okahandja (Beefcor) seit Januar 2019 die gemeinsame Kapazität von 67,12% erreicht. Der weitere Schlachthof von Meatco in Okahandja ist seit einiger Zeit eingemottet und der Kleinvieh-Schlachthof von Keetmanshoop (Brukarros) ist ebenfalls seit längerer Zeit geschlossen.

Südlich des VCF gab es bei der Vermarktung von Kleinvieh einige Probleme, wodurch die Schafindustrie (Brukarros) lahmgelegt wurde. Lediglich zwei der vier Schlachthöfe für Kleinvieh seien noch in Betrieb; der in Mariental werde vertraglich von Südafrikanern betrieben. Laut van Schalkwyk braucht die Schafindustrie Zugang zu einem lukrativen, internationalen Markt, damit den Schafproduzenten bessere Preise bezahlt werden können. „Diese Märkte bestehen - sie müssen nur erkundet werden“, meinte sie.

Meatco ist der einzige Exportschlachthof und erholt sich erst jetzt, nachdem viele der Produzenten in der Vergangenheit aufgrund politischer Einmischung das Vertrauen in das Unternehmen verloren hatten. Laut van Schalkwyk hätte der Betrieb mit sinkenden Schlachtzahlen zu kämpfen gehabt, doch habe sich dieses durch eine Umkehrstrategie gebessert. Dies sei nicht ausschließlich auf die Trockenheit zurückzuführen.

Nördlich des Veterinärzaunes gibt es laut Mutelos Angaben einen mobilen Schlachtbetrieb, der seit Jahresbeginn 223 Rinder geschlachtet hat (2018: 438 Tiere). Die Schlachthöfe von Katima Mulilo und Oshakati seien wegen Maul- und Klauenseuchengefahr geschlossen.

Nördliche Kommunalgebiete

Laut van Schalkwyk sei es schwierig die Schlachthöfe in Katima Mulilo und Oshakati wieder in Gang zu bekommen. Meatco hatte diese vor einigen Jahren aufgegeben und vor zwei Jahren hatte das Landwirtschaftsministerium angekündigt die Betriebe sanieren zu wollen und durch lokale Interessenträger verwalten zu lassen - bisher ohne Erfolg (AZ berichtete).

„Viele Märkte wollen kein Fleisch von Tieren, die gegen MKS geimpft wurden. Die Quarantäne- und Reifungsprozesse verursachen zusätzliche Kosten für den Betrieb, die sich nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit eines solchen Unternehmens auswirken“, erklärte van Schalkwyk. Die Renovierungsarbeiten an den genannten Schlachthöfen seien zwar im Gange, aber noch nicht abgeschlossen. In Rundu soll indessen ein weiterer Schlachthof entstehen - Meatco hat laut seinem jüngsten Jahresbericht sein Interesse bekundet, hieran beteiligt zu sein.

Es sei nur ein ordentlich betriebener Schlachthof erforderlich um die Vermarktung von Rindfleisch aus den nördlichen Kommunalgebieten (NCA) zu verbessern. „Die Regierung sollte hier eingreifen “, riet van Schalkwyk angesichts der massiven Bedrohung für die Farmer oberhalb des VCF. Landwirte des geschützten, MKS-freien Gebietes würden nur deswegen besser abschneiden als die des NCA, weil sie Zugang zu lukrativen Märkten haben. Der VCF könne schrittweise verschoben werden, um Gebiete zu erschließen, die dadurch Teil des MKS-freien Gebiets werden.

Auf ausdrückliche Nachfrage bestand van Schalkwyk darauf, dass derzeit kein Vieh nördlich des Zauns illegal in das MKS-freie Gebiet gebracht werde: „Das Veterinärdirektorat hat entsprechende Kontrollen eingerichtet.“

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