01 Juni 2018 | Leserpost

Schillernde Zukunft?

Betrifft: „Erongo plant Großprojekte” (AZ 11.5.2018)

Lieber Herr Leuschner,

wenn an der Wirtschaftsfront Steuereinnahmen fehlen, der Bausektor eingebrochen ist und eine Abstufung die Stimmung drückt, was tun Politiker? Sie lassen die Gegenwart hinter sich und tischen schillernde Projekte der Zukunft auf. Egal, ob seit 28 Jahren ein einziges Kraftwerk die Stromabhängigkeit im Land wesentlich reduziert, ob staatliche Bewässerungsprojekte im Norden wie Süden das Volk ausreichend mit Nahrung versorgt, oder UNAM genügend namibisches Fachpersonal den Krankenhäusern geliefert hätte, Visionen springen ein. Lobenswert ist die späte Erkenntnis von Gouverneur Mutjavikua aber auch, einander die Hand zu reichen, anstatt Schuldzuweisungen auszuteilen. Natürlich fehlt es der Region an Wasser, an Selbstversorgung, an Arbeitsstellen, aber lösen diese Projekte zur Job-Beschaffung das Grundübel mangelnder Ausbildung dauerhaft? Wie realistisch sind sie oder stecken dahinter bevorstehende Wahlen? Die Übernahme der Areva-Anlage schlug fehl. Inzwischen herrscht Rezession und der Regierung fehlt Geld. Neben staatlicher Geldverschwendung ist die Produktion des Landes an Industriegütern gering. Israel hat es geschafft, aus der Wüste einen Garten zu machen. Selbst wenn deren Investition in eine Entsalzungsanlage bei Wlotzkasbaken Realität wird, muß das Wasser bezahlt werden, und sind wir in der Lage so ein Projekt zu übernehmen? Bisher nicht.

Welche Großprojekte hat die Regierung bisher realisiert? Es gibt einen Hafenausbau der Chinesen, die Afrika als Absatzmarkt und Rohstofflieferant ansehen und Minengesellschaften (SU, LH, RUL), die Jobs versprachen, wurde ein Zugang durch Naturparks gegeben. Wenn aber Personal abgebaut werden muß, steigt die Arbeitslosenrate wieder, was im Bergbau normal ist. Zudem sind illegale Siedlungen “angelockter“ Ungelernter angewachsen und die Kommunalverwaltungen müssen Land, Dienste, Wohnraum, Schulen und Hospitäler etc. bereitstellen. Diese Entwicklung läuft weiter, solange Jobs (für Bauarbeiter) und keine Fachstellen gesucht und angeboten werden. Wie lange kann eine schleichende Wirtschaft arbeitslosen Jobsuchern das gewähren? Ein Job am Bau ist ein zeitlicher Arbeitsplatzbeschaffer, ob bei der Mine, einem Universitätshospital oder Logistikkonzern. Auch wenn die Privatinitiative von MDL 43 Mrd. N$ in Usakos (60% Arbeitslose) investiert, warten auf den Staat heute Ausgaben von 2,4 Mrd. N$ in Arandis für das Hospitalprojekt. Usakos war ein Eisenbahnknotenpunkt mit entsprechenden Arbeitsplätzen. Heute belastet jedes Bauprojekt entlang der B2 Fernstraße, die Walvis Bay mit Johannesburg verbindet, die Straßensicherheit und kostet Menschenleben, weil Eisenbahnnetz und Straßenbau vernachlässigt wurden. Der Bau eines Treibstoffterminals in Usakos ist nicht durchdacht, um Namibia derzeit als Logistics Hub der SADC aufzustellen.

Anstatt die Energie der Sonne zu nutzen, fördert der Regional Council die CO2-Entwicklung. Anstatt Fachkräfte im Solarbereich auszubilden, die nie arbeitslos werden, wird in alte Energietechnik und nicht langfristig investiert. Eine Entsalzungsanlage braucht Strom. Gesunde Erziehungswerte und fundamentales Wissen im Bildungs- und Anwendungsbereich sind das Fundament, das Zukunft hat, nicht Job-Beschaffung. Ein Hausbau fängt unten an. Wie die Chinesen ihre Leute aus Mangel an lokalen Fachkräften einsetzen müssen, so werden auch Israelis und die MDL-Gruppe es tun.

Mit lieben Grüßen

Bernd Seefeldt

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