23 Februar 2021 | Natur & Umwelt

San-stämmiger Q7 wird in Namibia aktiv

Umweltaktivist organisiert einen Marsch gegen Bohrvorhaben im Kavango

Bisher hatte sich der san-stämmige Umweltaktivist Q7 in Südafrika auf die Straße begeben und gegen die Gas- und Ölförderung in Botswana ausgesprochen. Jetzt wendet er sich Namibia zu und plant einen Sensibilisierungsmarsch im Nordosten des Landes. Indessen kritisiert eine maßgebliche amerikanische Stimme das ReconAfrica-Ölförderungsvorhaben.

Von Frank Steffen, Windhoek

In diesen Tagen hat der San-Bevölkerungs-Aktivist Q7 gemeinsam mit Gleichgesinnten den nächsten Marsch zum Erhalt der Rechte der südafrikanischen Urvölker geplant: „Wir haben den nächsten Marsch unter der Hashtag-Beschreibung ‚#indigiwalk Namibia 2021‘ zumindest auf der Karte festgelegt“, schreibt Q 7 auf seiner Facebook-Seite.

Demnach werde ein kleines Team gemeinsam mit ihm knapp 1000 Kilometer im namibischen Nordosten durchqueren, bevor sie sich auf den Weg nach Windhoek begeben. Entlang des Weges wollen sie Dörfer besuchen und Jugendliche mit verschiedenen Organisationen für die nachhaltige indigene Entwicklung und den Umweltschutz verbinden. Außerdem sollen bestehende Initiativen zum Subsistenznahrungsmittelanbau aktualisiert werden, damit Kleinbauern der natürliche Anbau von Frischprodukten mithilfe von moderneren Methoden und Grundsätzen möglich wird.

San setzt sich für San ein

Q7 Beckett stammt von den San und macht keinen Hehl daraus, dass diese Initiative und die damit einhergehenden Bemühungen direkt auf Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica), dem kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmen, zurückzuführen sind. Er brachte gerade neulich erst einen Marsch von Knysna (Kapprovinz) nach Kapstadt hinter sich, wo er eine entsprechende Petition gegen die Ölsuche im Kavango an das botswanische Hochkommissariat überreichte. ReconAfrica hat bereits das erste Bohrloch angefangen zu schlagen und bedroht laut Q7 die Ökologie sowie und die Kommunalbevölkerung in den Kavango-Regionen. Diese Aktionen können im Internet unter den Hashtags #savetheokavangodelta, #frackfreenamibiabotswana, #firstpeoplesouthernafrica, #iyxafrica, #thesanwontmove, #savethesan, #ecocide und #indigiwalk mitverfolgt werden.

Im Vorfeld habe er über die Schwächen und Stärken seiner Bewegung nachgedacht und dabei sei es ihm wichtig geworden, Antworten auf Fragen zu finden, was eine indigene Nachhaltigkeit sei und wer sie praktiziert? Würden Schlüsselpositionen der betroffenen Jugendentwicklungsorganisationen auch mit jugendlichen Amtsträgern besetzt, die aus verschiedenen Hintergründen stammen, sich aber für ein gemeinsames Ziel einsetzen? Nämlich die indigene Nachhaltigkeit? Dies beschäftige ihn derweil „viele Freunde und Partnerorganisationen endlose Stunden damit verbringen, die Verteidigung der natürlichen Ressourcen Namibias zu erforschen und eine Strategie zu finden, wie das sensible Ökosystem und die verschiedenartige Gemeinschaft geschützt werden können“.

„In den kommenden Wochen stellen wir ein Team zusammen, bestehend aus Mitgliedern von Organisationen, die diese Initiative unterstützen, die Feuchtgebiete der Okavango-Region zu erhalten. Das Bohrvorhaben wird sich auf die indigene Gemeinschaft in diesem Gebiet auswirken“, glaubt Q7.

Wissenschaftlerin warnt

Die Biologin, Autorin und Krebsüberlebende, Dr. Sandra Steingraber, schreibt über Klimawandel, Ökologie und die Zusammenhänge zwischen menschlicher Gesundheit und ihrer Umwelt. In ihrem Buch „Living Downstream: An Ecologist’s Personal Investigation of Cancer and the Environment“ führte sie als Erste die Daten zu toxischen Freisetzungen mit Daten aus US-amerikanischen Krebsregistern zusammen. Das Buch sowie die Verfilmung wurden international gepriesen. Nun äußerte sich Steingraber zu der geplanten Ölförderung sowie dem Fracking im Kavango.

„In der siebten Ausgabe des Fracking-Wissenschaftskompendiums, das von der ‚Concerned Health Professionals of New York‘ (betroffene Mediziner) und der Organisation ‚Ärzte für eine soziale Verantwortung‘ herausgegeben wurde, ist sich die Wissenschaft einig, dass die im Kavango geplanten Ölbohrungen und das Fracking das Habitat der weltweit größten Elefanten Bevölkerung in Gefahr stellt“, schreibt die Wissenschaftlerin.

Widersprüche der ReconAfrica

Sie kritisiert die widersprüchlichen Aussagen der ReconAfrica vor der namibischen Bevölkerung verglichen mit dem, was den Investoren in Voraussicht gestellt wird. Der bekannte Ingenieur und Fachmann, Nick Steinberger, hatte demnach angegeben: „Wir suchen nach dem nächsten amerikanischen Schieferöl-Boom und Afrika hat das größte Potenzial.“ Dies sei eine klare Aussage, dass Fracking genau wie in Texas angesagt sei, und doch habe man Namibiern während einer öffentlichen Versammlung versichert, dass kein Fracking geplant sei.

„Die biologische Vielfalt ist eine Voraussetzung für öffentliche Gesundheit. Ohne Insekten und Wildtiere, die Ökosysteme unterhalten, kann der Mensch nicht überleben. Wie von National Geographic festgestellt, düngen und säen Elefanten Bäume mit ihrem Mist und graben den Boden um, wodurch Wasserressourcen erschlossen und Wälder verjüngt werden, die wiederum ein ganzes Ökosystem unterstützen, von dem auch menschliche Bewohner abhängen“, behauptet Steingräber.

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