19 Mai 2017 | Wirtschaft

Riesenflaute im Baugewerbe

63% der CIF-Mitglieder haben bereits geschlossen oder drastisch gekürzt

Der namibische Baugewerbeverband zeigt sich extrem besorgt über die bestehende Auftragssituation. Der herrschende Zustand hat bereits zu massiven 30% an Entlassungen geführt. Ohne gezieltes Eingreifen seitens der Regierung drohen dem Bausektor schlimme Zeiten.

Von Frank Steffen, Windhoek

In einer Pressemitteilung des Baugewerbeverband CIF weist dieser darauf hin, dass der CIF Mitglieder von verschiedenen Größen vertritt. 50% ihrer Mitglieder sind kleine und mittelständische Betriebe, die ihren Lebensunterhalt mit Umsätzen unter einer Million Namibia Dollar pro Jahr bestreiten. Der CIF vertritt allerdings auch die großen Betriebe, welche Umsätzen von mehr als 200 Millionen N$ pro Jahr vorweisen. Laut CIF spielt das Baugewerbe nach wie vor eine wichtige Rolle in der Arbeitsbeschaffung und dadurch für die namibische Wirtschaft, denn die Beschäftigten sowie die Firmen würden wesentlich zu den Steuereinnahmen des Landes beitragen.

„Unsere Forschung sowie persönliche Nachfragen bei den Mitgliedern bestätigen uns einen schlimmen Zustand. Viele Firmen haben bereits die Türen geschlossen und der Rest hat viele Arbeiter entlassen müssen. Dieser Umstand affektiert weitere Industriezweige, weswegen wir die Regierung regelrecht anflehen, endlich einzugreifen“, heißt es in der Mitteilung.

Der CIF befragt seine Mitglieder regelmäßig und musste nach seiner Umfrage im April 2017 feststellen, dass „63% der Mitglieder, die unsere Umfrage beantworteten, entweder bereits ihre Türen permanent oder zeitweilig geschlossen haben, oder eine drastische Verkleinerung des Betriebes vorgenommen haben.“ Ferner weiß der Bericht von 30% der Arbeitsstellen die in der Zeit zwischen dem 1. September 2016 und dem 31. März 2017 abgebaut wurden. „Der Zustand wird sich verschlimmern, wenn die Regierung nicht eingreift. Ende Juni 2017 rechnen wir damit, dass sich die 63% auf 67,4% erhöht- und bis dahin mindestens 40% aller Angestellten ihre Arbeitsstellen verloren haben werden“, warnt der Verband.

Inzwischen bestätigt der CIF, dass der Staat die ehemaligen Ausstände bezahlt hat, doch hätten die Behörden trotz wiederholter Gespräche mit dem Verband bisher keine Veränderungen vorgeschlagen. Laut Bärbel Kirchner, der Geschäftsführerin des CIF, habe man nicht nur die Entscheidungsträger der verschiedenen Regierungsabteilungen angesprochen, sondern sei man aus purer Verzweiflung an die einzelnen Parlamentsmitglieder herangetreten.

Der Bau-Boom der letzten Jahre, welcher in einem großen Maße von der Regierung verursacht worden war, habe kleine wie große Betriebe in den vergangenen Jahren dazu verleitet ihre Betriebe nicht mehr zu diversifizieren, sodass ihre Abhängigkeit von Staatsgeldern ihnen jetzt zum Verhängnis werde. „Die Überstimulation des Gewerbes, welche auf die riesigen Staatsprojekte zurückzuführen war, hat den kleinen Betrieben die Überlebensgrundlage genommen, macht aber den großen Betrieben, die viel Geld in neue und moderne Ausrüstung investiert haben, genauso zu schaffen. Der Behauptung, dass die Flaute ein zyklisches Phänomen ist, schenken wir keinen Glauben, dies ist ein viel langlebigeres Problem“, meint der CIF.

In der Mitteilung macht der Verband klar, dass er seine Mitglieder als wesentliche Arbeitsgeber erkennt, derer Aktivitäten unweigerlich einen wirtschaftlichen Multiplikationseffekt herbeiführen, weswegen die Regierung bei aller Konsolidation ihrer Ausgaben und dem eingeschlagenen Sparkurs trotzdem für höhere Kapitalausgaben sorgen müsse, wenn sie ebenfalls verhindern wolle, dass sich die Krise zuspitzt. Vor allem sollten Projekte an die hiesigen Bauunternehmer vergeben werden. Damit das klappen kann, schlägt der CIF vor, dass der Staat dringend den lang ersehnten Baukontrollrat ins Leben ruft.

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