29 August 2019 | Wirtschaft

Rezession wird sich vertiefen

Währungshüter sehen schwarz für 2019: Notenbank schraubt Prognose nach unten

Starker Rückgang statt leichtem Plus: Die anhaltende Dürre und ernüchternde Wirtschaftszahlen ersticken die letzte Hoffnung eines Wachstums im laufenden Jahr – die namibischen Währungshüter rechnen 2019 mit einem weitaus stärkeren Wirtschaftsrückgang als im vergangenen Jahr.

Von Clemens von Alten

Windhoek

Um ganze zwei Prozentpunkte hat die Zentralbank (Bank of Namibia, BoN) ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten geschraubt. „Wir erwarten, dass die namibische Wirtschaft 2019 um 1,7 Prozent schrumpfen wird im Vergleich zu einem kleinen Rückgang von 0,1 Prozent im Vorjahr“, lautet die jüngste Vorhersage der Währungshüter, die am späten Dienstagnachmittag veröffentlicht wurde.



Hoffnung trocknet aus

Im April war die Notenbank noch von 0,3 Prozent Wachstum im aktuellen Jahr ausgegangen. Allerdings habe sich die anhaltende Dürre „verschlimmert“ und zudem sei in „entscheidenden Sektoren“ wie der Landwirtschaft, der Diamantförderung sowie dem Groß- und Einzelhandel mit Einbrüchen zu rechnen, heißt es in dem Bericht. Das Baugewerbe habe zwar im Vergleich zu den zwei Jahren davor einen kleineren Rückgang verzeichnet, doch diese leichte Erholung könne der gesamtwirtschaftlichen Schwäche nicht trotzen.

Ein erhebliches Risiko seien sporadische beziehungsweise ausbleibende Niederschläge: „In der Landwirtschaft erwarten wir 2019 einen Rückgang in Höhe von 17,6 Prozent“, so die Zentralbank, die diese Prognose mit der bisher schlechten Regensaison begründet, die zu kleineren Anbauflächen und höheren Tierverlusten geführt habe. Laut der Regierung wird landesweit mit einem Ernteeinbruch in Höhe von 42 Prozent gerechnet. Zudem seien zwischen Oktober 2018 und April dieses Jahres 64525 Nutztiere verendet.

Bergbau am Limit

Darüber hinaus seien die meisten Bergbaufirmen voll ausgelastet und somit nicht in der Lage die Produktion zu steigern, was zur Folge habe, dass die übergreifende Wertschöpfung in dem Sektor 2019 geringer ausfallen werde als im Vorjahr, heißt es. In der Diamantförderung werde von einem Rückgang in Höhe von 12,5 Prozent ausgegangen, was allerdings auf Wartungsarbeiten an einem Schiff sowie eine höhere Produktion 2018 zurückzuführen sei.

Auch im Abbau von Metallerzen erwarten die Währungshüter im laufenden Jahr einen Rückgang von 4,3 Prozent, der sich 2020 auf 18

Prozent vergrößern könne. Die sinkende Wertschöpfung wird mit „Arbeitskämpfen und schwindenden Vorkommen“ in den Subsektoren Gold und Zink begründet. Ein weiteres Risiko seien die niedrigen Uranpreise, wodurch die Minen ihre Förderung nur minimal steigern können, wenn überhaupt. Zudem könnte auch die Wasserknappheit die Produktion einschränken. „Nach dem starken Wachstum von 64,8 Prozent im Vorjahr rechnen wir 2019 mit einem Plus von elf Prozent“, so die Notenbank.



Keine Kauflaune

Am stärksten äußere sich die bedrückte Wirtschaftsstimmung im Groß- und Einzelhandel: „Angesichts der Verkaufszahlen der ersten sechs Monate gehen wir im laufenden Jahr von einem Rückgang in Höhe von 5,7 Prozent aus“, heißt es in der BoN-Prognose. Ferner werde wohl auch das Gastgewerbe weiterhin zu kämpfen haben – in dieser Branche sagt die Zentralbank für 2019 einen Rückgang von 5,9 Prozent voraus.

Etwas positives Wachstum sei derweil im Transport (+4,6%), in der Telekommunikation (+2,9%) sowie im Finanzwesen (+1,2%) zu erwarten. „Im Großen und Ganzen rechnen wir aber im Dienstleistungssektor mit einem Rückgang von 0,8 Prozent, was schwer ins Gewicht fällt, zumal dieser sogenannte tertiäre Wirtschaftsbereich rund 60 Prozent der namibischen Ökonomie ausmacht“, heißt es.



Hoffen auf 2020

Erst im kommenden Jahr soll die namibische Konjunktur wieder etwas an Fahrt gewinnen. „Für 2020 rechnen wir mit 0,8 Prozent Wachstum und im Folgejahr mit 1,2 Prozent“, betonen die Währungshüter. So wird es für möglich gehalten, dass die Primärindustrie (Bergbau und Landwirtschaft) im kommenden Jahr um leichte 0,3 Prozent zulegen könnte. In der sekundären Industrie (Baugewerbe, Herstellung sowie Energie- und Wasserwesen) werde 2020 mit 2,5 Prozent Wachstum gerechnet. Zudem soll sich im kommenden Jahr auch der Dienstleistungssektor erholen und 0,7 Prozent zulegen.

Während die Dürre ein Hauptrisiko darstelle, seien auch niedrige Rohstoffpreise ein Gefahrenbereich für Namibias Wirtschaftswachstum. „Die anhaltend schwachen Kurse für Kupfer und Uran könnten zur Reduzierung oder sogar Stilllegung namibischer Produktionen führen“, befürchtet die Notenbank, die sich zudem Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit namibischer Handelsgüter macht: „Gerade die wirtschaftlichen Spannungen zwischen China und den USA könnten die Nachfrage namibischer Rohstoffe und Produkte beeinträchtigen.“

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