11 Oktober 2018 | Tourismus

Reisebranche schlägt Alarm

„Katastrophe“ abwenden: Namibias Luftraum auf dem Prüfstand

Die Reisebranche läutet die Alarmglocken: Die Frist, den namibischen Luftraum auf Vordermann zu bringen, endet bald. Sollte Namibia durchfallen, wären mehrere Flugverbindungen in Gefahr. Während die Krisengespräche laufen, hüllt sich die staatliche Flughafengesellschaft aber in Schweigen.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Angesichts der bevorstehenden Prüfung der Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) fand am Dienstag in Windhoek eine Dringlichkeitssitzung mit Interessenvertretern statt. Im Zentrum stehen Kapazitätsengpässe beim Internationalen Hosea-Kutako-Flughafen. An dem Treffen, das der hiesige Flugzeugeigentümer- und Pilotenverband (AOPA) sowie der Tourismus-Dachverbands (FENATA) anberaumt hatten, nahmen u.a. hochrangige Regierungsvertreter und ICAO-Experten teil. Trotz Einladung sollen allerdings weder Air Namibia noch die staatlichen Betreiber namibischer Flughäfen (NAC) der Versammlung beigewohnt haben.

„Katastrophale“ Folgen

Bei dem Treffen hätten die ICAO-Vertreter es „unmissverständlich klargestellt“, dass die generellen Sicherheitsauflagen in Namibia zurzeit „nicht erfüllt werden“ und auf „viele der identifizierten Mängel“ beim Hosea-Kutako-Flughafen nicht eingegangen worden sei. „ICAO hat eine klare Frist gesetzt, die Ende November ausläuft“, erklärte FENATA gestern schriftlich. Sollte bis Ende der Frist kein Fortschritt erkennbar sein, werde es „weitreichende Konsequenzen haben – nicht nur für die Reisebranche sondern auch für die gesamte Wirtschaft“. Internationale Fluglinien wie KLM und Qatar Airways wären gezwungen, ihre Verbindung nach Namibia einzustellen, während die staatliche Air Namibia keine internationalen Ziele mehr anfliegen dürfte. „Das wäre katastrophal“, so FENATA.

Die ICAO-Prüfung schwebt bereits seit Monaten wie ein Damoklesschwert über der NAC. Im Mai hatte das Staatsunternehmen Medienvertreter über die Pläne informiert, wonach der Hosea-Kutako-Flughafen einer notgedrungenen Sanierung in Höhe von umgerechnet 240 Millionen N$ unterzogen werde: mehr Schalter, mehr Personal, mehr Gepäckbänder und mehr Sicherheit. Der damals amtierende NAC-Chef Albertus Aochamub zeigte sich überzeugt, dass der Ausbau beizeiten über die Bühne gebracht werden könne (AZ berichtete). Ein AZ-Fragenkatalog zum Fortschritt des Projekts, der bereits am 30. August bei der staatlichen Flughafenfirma eingegangen ist, blieb allerdings trotz unzähliger Nachfragen bis jetzt unbeantwortet.

Infrastruktur überfordert

„Nachdem Qatar Namibia erstmals im Mai 2015 ansteuerte, folgte der große Ansturm“, erklärte unlängst AOPA-Präsident und Anwalt, Philip Ellis, im AZ-Gespräch. Doch in den vergangenen fünf Jahren sei am Hosea-Kutako-Flughafen „nichts getan“ worden, was bei mittlerweile mehr als einer Million Passagieren jährlich die Kapazitätsgrenzen sprenge und für ernste Sicherheitsbedenken sorge. Die vorhandene Infrastruktur könne eigentlich nur „rund 30 Prozent der gegenwärtigen Nachfrage“ befriedigen. „Fluggäste, die zu einer ungünstigen Zeit landen, müssen bis zu zwei Stunden in der Sonne auf dem Vorfeld stehen – das ist unzumutbar, ganz abgesehen von der Sicherheit“, so Ellis. „Abgesehen von herumfahrenden Dienstfahrzeugen gibt es Flugzeuge, zwecks des nötigen Antriebs beim Wenden einen gefährlich starken Luftstrahl verursachen.“

Was die Sicherheit beim Hosea-Kutako-Flughafen anbetrifft, ist den ICAO-Fachexperten vor allem die Trennung sogenannter steriler und nicht steriler Fluggäste ein Dorn im Auge; ein Passagier gilt als steril, sobald er oder sie sämtliche Sicherheitskontrollen durchlaufen hat. „Zum Beispiel kommen abreisende, sterile Fluggäste in Kontakt mit Passagieren, die gerade aus anderen Landesteilen mit einer kleinen Maschine gelandet sind und daher keiner Kontrolle unterzogen wurden“, erklärte der AOPA-Präsident. Diese Situation stelle ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den internationalen Flugverkehr dar.

Suche nach Lösungen

FENATAs und AOPAs einziger Trost sei die Einschätzung von ICAO, dass „viele der Bedenken recht einfach behoben werden können“. So habe sich der Pilotenverband in der Vergangenheit intensiv mit NAC darüber ausgetauscht, das als Terminal 1 bekannte Gebäude, das zurzeit vor allem Staatsbesuchen dient, zur Abwicklung von Fluggästen zu nutzen. „Mit kleinsten Veränderungen könnte dieses Gebäude die aktuelle Ankunftshalle entlasten“, so Ellis. Auf Fragen der AZ, inwiefern diese Option beim Flughafenausbau berücksichtigt werde, antwortete NAC nicht.

Ebenso habe AOPA der Flughafengesellschaft bereits detaillierte und eigens finanzierte Pläne eines neuen, getrennten Terminals samt Rollfeld und Abstellfläche für kleinere Flugzeuge (bzw. Inlandsflüge) präsentiert. „Das würde vor allem das Problem mit der Trennung steriler und nicht steriler Fluggäste lösen“, so Ellis, der diese mögliche Investition mit rund 16 Mio. N$ bezifferte. Doch auch in dieser Hinsicht sei eine „für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit“ mit NAC im Sande verlaufen.

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