28 März 2019 | Wirtschaft

Regierung soll Bremse ziehen

Ökonom: Pläne, das „Tor der SADC-Region“ zu werden, überdenken

Das Ziel Namibias, sich im südlichen Afrika als logistische Drehscheibe zu etablieren, beruht – wie der Ausbau des Walvis Bayer Hafens – auf „Wunschdenken“. Aufgrund der regionalen Handelsstruktur und ähnlichen Entwicklungen in anderen SADC-Ländern werden Zweifel an dem Vorhaben laut.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Statt mit den Plänen und den Rieseninvestitionen vorzustoßen, sollte das Entwicklungsziel „Tor zur SADC-Region“ nochmal gut überdacht werden, meint Rainer Ritter. Der private Ökonom hat sich im Rahmen einer neuen Publikationsreihe der Wirtschaftsvereinigung (Economic Association of Namibia, EAN) mit diesem Thema befasst. Der erste Bericht wurde am Dienstag in Windhoek vorgestellt (AZ berichtete).

Sowohl wegen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise als auch aufgrund der regionalen Handelsstruktur rät der Fachmann, zunächst die Bremse zu ziehen und die infrastrukturelle Entwicklung vielmehr „schrittweise“ anzugehen. „Geplante Großinvestitionen sollten vorübergehend auf Eis gelegt werden – vor allem der 5,5 Milliarden Namibia-Dollar teure Ausbau der Bahnverbindung zwischen Kranzberg und Walvis Bay“, erklärt Ritter in dem Bericht. Es müsse eine „professionelle“ Kosten-Nutzen-Analyse erstellt werden und das wirtschaftlich vorteilhafteste Vorhaben sollte Vorrang erhalten.

Dabei kam der Wirtschaftsexperte auf die großen, allerdings unerfüllten Erwartungen zu sprechen und zitierte aus einem alten Jahresbericht der staatlichen Hafenbehörde Namport (Namibian Ports Authority): „Das logistische Entwicklungsziel verlangt, dass der Hafen von Walvis Bay bis zum Jahr 2017 nicht nur als Anlegestelle an der Westküste Afrikas sondern auch als Korridor in den Süden und die Mitte des Kontinents bevorzugt wird.“ Denn vor rund fünf Jahren hatte der Walvis Bayer Hafen noch damit gerechnet, dass sich „das Umschlagsvolumen bis 2017 auf 13 Millionen Tonnen verdoppeln“ würde. „Wunschdenken“, bezeichnet Ritter diese Prognosen, da das Frachtvolumen in dem Stichjahr gerade mal 5,6 Millionen Tonnen betragen habe.

Zudem befürchtet der Fachmann, dass Investitionen im benachbarten Ausland Namibias Pläne durchkreuzen könnten: „Seit dem Ende des Bürgerkrieges hat Angola rund 1,2 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 17,2 Mrd. N$) in den sogenannten Lobito-Korridor gesteckt“, so Ritter. Hauptkreditgeber sei China gewesen. Die Volksrepublik versuche sich so über Angola Zugang zum sambischen Copperbelt-Gebiet sowie zur Katanga-Provinz in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) zu verschaffen. „Der Lobito-Hafen wurde ausgebaut und die Benguela-Bahnlinie bereits im Jahr 2013 fertiggestellt“, heißt es in dem Bericht.

Wie Ritter vor diesem Hintergrund betont, waren im Jahr 2010 die Hauptziele für Transitfracht aus Walvis Bay Angola (37%) und Sambia (29%). „Doch seither hat es enorme infrastrukturelle Investitionen gegeben – nicht nur im Lobito-Korridor sondern auch beim Hafen von Daressalam“, erklärt der Ökonom, der damit rechnet, dass sich diese Entwicklungen negativ auf den Walvis Bayer Hafen auswirken werden und Angola als namibisches Ziel für Transitgüter an Bedeutung verlieren werde. Daher sollte Namibia sich eher auf die Märkte DRC, Sambia und West-Simbabwe konzentrieren.

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