17 Juni 2021 | Natur & Umwelt

ReconAfrica visiert massenweise Ölfelder an

Windhoek (ste) - Wer vorgestern der Anhörung beiwohnte, die der Ständige Parlamentarische Ausschuss für Natürliche Ressourcen dem Umweltschutzverband SOUL (Saving Okavango’s Unique Life) zugestanden hatte, den dürften die Ausführungen des Geologen Mathew Totten (Jnr.) in große Sorge versetzt haben. Sich auf verschiedene Berichte berufend, konstatierte Totten, das Namibia und Botswana im Falle der Anwendung der Fracking-Fördermethode in den Kavango-Regionen und im Okavango-Flussdelta, mit zwischen 100 und 1000 vertikale Bohrlöcher würde rechnen müssen, die wiederum zu mehr als 15000 horizontalen Bohrlöchern führen würden.

Diese Zahlen basieren auf einem Bericht des spezialisierten Nachrichtenportals für die Ölindustrie, Quester Advisors, und dem Forschungsbericht des kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmens Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) im Juli 2020, sowie vergleichbaren Zahlen der Bohrlöcher, die in der „Eagle Ford Unkonventionellen Schiefer-Lagerstätte“ geschlagen wurden. Dieser amerikanische Niederschlag war von ReconAfrica wiederholt als relevanter Vergleich angegeben worden. Die Zahl errechnet sich ferner aus der vonseiten ReconAfrica anvisierten Förderung von 1,9 Milliarden Barrel Öl über eine Zeitspanne von etwa 20 Jahren.

Der Leiter der ReconAfrica-Umweltverträglichkeitsstudie (EIA), Dr. Sandile Mwiya, und die Pressesprecherin von ReconAfrica, Claire Preece, waren während einer ersten und einzigen öffentlichen Anhörung in Windhoek im Februar 2021 (im Rahmen der EIA) nicht gewillt, Fracking grundsätzlich auszuschließen (AZ berichtete). Und doch hatte ReconAfrica nach dieser besagten Anhörung in Windhoek wiederholt behauptet, dass Fracking nicht mehr Teil der Planung sei. Dies hatten sie gemäß bisherigem Kenntnisstand aber nie so ihren Investoren mitgeteilt (daraus scheint sich ein amerikanischer Gerichtsfall entwickeln zu können - AZ berichtete).

Fracking wird als unkonventionelle Fördermethode verstanden, bei der erst vertikale Bohrlöcher geschlagen werden, von denen aus massenweise horizontale Bohrungen in alle Himmelsrichtungen vorgenommen werden. „Das Problem ist, dass höchst toxische Mischungen aus Unmengen Wasser (16 bis 20 Millionen Liter Wasser pro Mal) und Chemikalien mit hohem Druck in diese Bohrlöcher gepresst werden, damit die Bodenstruktur bröckelt und das Öl zur zentralen Bohrstelle fließen kann“, erklärte Totten und verurteilte diesbezüglich die bestehenden Schlammgruben, die weiterhin nicht durch Segelplanen abgesichert seien - entgegen dem internationalen Brauch. Sowieso würden diese Abwässer nie gereinigt und entsorgt, da „sich dann die Förderung nicht wirtschaftlich rechnet“, so Totten.

„ReconAfrica hat mir persönlich gesagt, dass Fracking nun vom Tisch ist, aber ohne Fracking geht es nicht“, behauptete Totten am Dienstag. Die Grundlage für das ReconAfrica-Projekt sei immer der für solche Vorhaben typische Sproule-Report gewesen. Dieser Bericht weise allerdings ausdrücklich darauf hin, dass die betroffenen Sproule-Fachkräfte davon ausgegangen seien, dass Fracking die grundsätzlich bevorzugte Fördermethose für diese Gegend und die Bodenbeschaffung sei (Kombination aus Schieferlagen und Sediment). Daher gebe der Sproule-Bericht gar nicht erst eine Meinung zu der konventionellen Förderung ab. Die limitierte Anzahl vertikaler Bohrungen und Förderung aus sogenannten Brunnen sei demnach nur eine ReconAfrica-Angabe (selbst in diesem Fall wären es mehr als 1500 Bohrlöcher über 20 Jahre hinweg).

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