26 Mai 2021 | Natur & Umwelt

ReconAfrica-Verstoß unter der Lupe

Amerikanische Anwaltskanzleien erkennen angebliche Falschinformationen

Das Öl-Explorationsunternehmen ReconAfrica wird infolge von Medienberichten jetzt von US-Anwälten unter die Lupe genommen. Die scheinbaren Mängel bei der Befolgung der namibischen Gesetzgebung und den mangelhaften Konsultationsgesprächen vor Ort, soll sich auf das Investorenrecht des Zugangs zu exakter und vollständiger Information ausgewirkt haben.

Von Frank Steffen, Windhoek

Das amerikanische Anwaltsbüro „Schall Law“ gab am Montag bekannt, dass es zurzeit mögliche Ansprüche gegen das kanadische Gas- und Ölexplorationsunternehmen Reconnaissance Energy Africa Ltd (ReconAfrica) untersucht. Auch die amerikanischen Anwaltskanzleien „Rosen Law Firm“ und „Bronstein, Gewirtz & Grossman LLC“ hatten auf diversen Plattformen ihre Dienste angeboten. Sie untersuchen potenzielle Verstöße beim Handel mit Wertpapieren. ReconAfrica wird vorgeworfen, „der investierenden Öffentlichkeit möglicherweise wesentlich irreführende Geschäftsinformationen zur Verfügung gestellt“ zu haben.

Anlass für diese Klagen ist die abrupte Abnahme der Aktienwerte ReconAfricas am 11. Mai 2021, als der Kurs infolge eines Berichts des National-Geographic-Magazins (NG) um 6 Prozent auf 7.50 US-Dollar fiel. An jenem Tag hatte das renommierte Magazin einen weiteren Artikel über die Ölexploration in den Kavango-Regionen Namibias (sowie dem Okavango-Flussdelta in Botswana) veröffentlicht. ReconAfrica soll Investoren wiederholt unter Angabe falscher Tatsachen dazu gebracht haben, in das Explorationsvorhaben zu investieren.

Alle drei Kanzleien monieren, dass das Explorationsunternehmen offensichtlich die Ölförderung in einem ökologisch-sensiblen Lebensraum für Elefanten vorantreibe. Ferner habe die Firma scheinbar ungenügende Konsultationen mit der Lokalbevölkerung vorgenommen und soll sie die Bedenken der Gemeinschaft ignoriert haben. So habe ReconAfrica seinen Bohrschlamm beziehungsweise seine Abwasser unsicher und ohne Genehmigung in einer Bohrschlammgrube entsorgt, derer Boden nicht mit einem entsprechenden Segel abgedeckt worden sei. Außerdem habe es Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen solcher Bohrarbeiten auf das Grundwasser in dieser Gegend sowie das Wild in dieser Umgebung gegeben. ReconAfrica habe obendrein Investoren einen Geschäftsplan vorgelegt, in dem die Fördermethode des Frackings als Grundsatz dargestellt wird, während sie bisher keine Erlaubnis erhalten habe, Öl durch Fracking zu fördern.

Dies sind Bedenken, die in verschiedenen Artikeln der namibischen Lokalmedien vorgetragen wurden (AZ berichtete). Doch jetzt soll es laut NG in Amerika einen Whistleblower geben, der eben diese sowie weitere Bedenken anspricht und als Insider der „US Securities and Exchange Commission“ (SEC) wissenschaftlich-fundierte Beschwerde gegen ReconAfrica vorgelegt hat. „Der Wert des Unternehmens stieg von 191 Millionen US-Dollar zu Jahresbeginn auf über eine Milliarde US-Dollar Mitte Mai. In der Beschwerde, die sich auf öffentliche Aufzeichnungen stützt, werden mehr als 150 Fälle irreführender Aussagen von ReconAfrica angeführt. Das Unternehmen habe Millionen von Dollar auf betrügerische Weise aufgebracht und Top-Führungskräfte hätten ihre Aktien in einer Zeit verkauft, in der sie namens ReconAfrica für die Aktie warben“, schreiben NGs Laurel Neme und Jeffrey Barbee.

Mwanyengwa Ndapewoshali Shapwanale vom Ministerium für Bergbau und Energie gab indessen am Montag als Direktor für Pressearbeit eine Erklärung heraus - die namibische Regierung ist 10-prozentiger Minderheitsbeteiligter - laut der von Beginn an Vorwürfe seitens der Medien gegen ReconAfrica erhoben wurden. „Die jüngsten Anschuldigungen eines Whistleblowers im National-Geographic-Magazin sind kategorisch falsch“, behauptet Shapwanale. ReconAfrica sei bestrebt dem Gesetz zu entsprechen und sogenannte „Best Practices‘ auf allen Ebenen und uneingeschränkt einzuhalten.

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