03 Februar 2021 | Natur & Umwelt

ReconAfrica im Zwiespalt

Anvisierte Ölförderung entspricht nicht Investorenversprechen

Etwas verblüffend machen die Vertreter von ReconAfrica das Zugeständnis, dass das kanadische Förderunternehmen nur noch die konventionelle Ölförderung beabsichtige. Sie erbringt allerdings keinen Beweis dafür, dass die Investoren entsprechend über ein solches verändertes Firmenziel informiert sind, noch sind sie bereit das Fracking grundsätzlich auszuschließen.

Von Frank Steffen, Windhoek

Eine von ReconAfrica ausschließlich zwecks Besprechung der geplanten seismischen Messungen in den Kavango-Regionen anberaumte Versammlung, erlitt gestern sprichwörtlichen Schiffsbruch. Die Vertreterin des kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmens Reconnaissance Africa (ReconAfrica), Claire Preece, setzte zwar alles daran eine Live-Übertragung zu verhindern, doch ließen sich weder die Events-Abteilung der Namibia-Media-Holdings noch der nationale Fernsehsender NBC beirren - diesmal wurde die Versammlung elektronisch festgehalten und im Internet ausgestrahlt.

Die Fragen und Antworten führten zu manchem persönlichen Meinungsaustausch zumal die von ReconAfrica mit der Umweltverträglichkeitsstudie beauftragte Fachkraft, Dr. Sindila Mwiya, im Vorfeld öfter mündlich sowie schriftlich überheblich, wenn nicht beleidigend, auf Nachfragen aus der Öffentlichkeit reagiert hatte. Insbesondere die Vertreterin der Windhoeker Filiale der Bewegung Fridays for Future, Ina Shikongo, ließ ihrem Frust freien Lauf. Preece musste einige Male den Argumenten zwischen Shikongo und Mwiya Einhalt gebieten.

Offener Diskurs verlangt

Preece musste indessen eine weitere Schlappe einstecken, als ihr einige der anwesenden Umweltschützer unmissverständlich klarmachten, dass sie sowie ReconAfrica und Mwiya sich damit würden abfinden müssen, dass eine Umweltverträglichkeitsstudie nicht in von ihnen mundgerecht-gereichten Größen abgewickelt werden könne, sondern der gesamte Kontext besprochen gehöre. Dabei würden sie ihrem eigenen Ansinnen schneller gerecht, wenn sie ehrlich und offen auf Nachfragen bezüglich des Gas- und Ölexplorationsvorhabens in der Kavango-Region reagieren würden, statt grundsätzlich in die aggressive Defensive zu gehen, wie es gestern bei der Versammlung andauernd der Fall war.

Trotzdem wich Preece der AZ-Frage aus, ob ReconAfrica kategorisch bereit sei zu erklären, dass ein Fracking vom Tisch sei, wenn die seismischen Messungen ein Fracking als einzige Alternative zuließen. Sie wolle sich nicht festlegen, meinte Preece, nachdem sie und Mwiya ausdrücklich und wiederholt erklärt hatten, dass „nur die konventionelle Ölförderung zur Sprache“ sei. Das antworteten sie zumindest auf die Frage des ehemaligen Geologen des englischen Explorationsbetriebs British Petroleum (BP), Matt Totten.

Versprechen an Investoren wird hinterfragt

Totten hatte die Investorenvorlage aus dem vorigen Jahr regelrecht auseinandergepflückt. Es sei ihm unmöglich nachzuvollziehen, wie ReconAfrica Investoren ein riesiges Ölvorkommen schmackhaft machen könne, wenn Mwiya nun wiederholt betone, dass man sich während der Erstellung der ursprünglichen Investorenpräsentation noch nicht habe entscheiden können, ob die konventionelle Förderung oder Fracking bevorzugt werde „da wir selbst jetzt noch nicht einmal wissen, ob hier überhaupt Öl zu finden ist“.

Ferner bemängelte Totten die Vorgangsweise, da eine seismische Messung normalerweise vor der ersten Bohrung vorgenommen werde. Diese Feststellung brachte zwar Preece zum Stirnrunzeln, doch stimmten beide - der ehemalige Leiter des namibischen Direktorats für Geologische Vermessungen, Dr. Roy Miller (50 Jahre Erfahrung als Geologe), sowie der Geophysiker Pasquale Scaturra (Geologe mit 40 Jahren Erfahrung sowie internationaler Schriftsteller und Abenteurer) - dem jüngeren Kollegen zu. Scaturra machte keinen Hehl daraus, dass ReconAfrica den lokalen Fachkräften mehr Respekt zollen dürfe, statt ständig zwischen Offensive und Defensive zu pendeln und dadurch die allgemein-bestehende Skepsis zu vertiefen.

Frage der Moral

Bezeichnend war indessen ein Kommentar des UNAM-Urgesteins, Prof. André du Pisani, der sich als Philosoph vorstellte, der sich lieber mit der Frage der Moralität beschäftige: „Die technischen Fragen sind im Grunde irrelevant im Vergleich zu den Fragen der Moral. Sie, Frau Preece, und ihre Kollegen sowie Dr. Mwiya sollten sich die Frage stellen, ob Sie dieses Projekt langfristig moralisch verantworten können?“ Es dürfe bei der Erschließung eines Ölfeldes gerade in der heutigen Zeit, kein Zweifel daran bestehen, dass ein solches Vorhaben eine nachhaltige Wirkung nach sich ziehe. Die schleichende Gewalt und die toxische Geographie seien dabei Wirkungen, die nicht sofort erkannt werden könnten, deswegen aber nicht ignoriert werden dürften.

Mwiya hatte zwar das Vorgehen bei der seismischen Messung erklärt, doch fand dies kaum Beachtung, da es nicht als Kernproblem erkannt wurde. Stattdessen häuften sich die Fragen, wie es überhaupt zu den ersten Bohrungen hatte kommen können, wenn die Kommunalbevölkerung derart schlecht über das Projekt informiert war. Es wurden einige Beispiele genannt, welches Mwiya und Peerce dazu brachte, zu erklären, dass weitere öffentliche Anhörungen noch anstünden.

Das allerdings ließ die Frage neu entstehen, wie eine Bohrgenehmigung erteilt werden konnte, wenn die betroffene Umweltverträglichkeitsstudie (EIA) scheinbar noch gar nicht oder unvollständig abgeschlossen war. So warf die Versammlung kontinuierlich mehr unbeantwortete Fragen auf. ReconAfrica versprach, alle Fragen nachträglich zu beantworten.

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