07 Juni 2021 | Natur & Umwelt

ReconAfrica bedroht Welterbe

Explorationsunternehmen beteuert guten Willen – meidet aber namibische Medien

Im neusten Bericht zum Stand des Welterbes, zeigen sich die Verfasser besorgt über die andauernde Gas- und Ölexploration in ökologisch-sensiblen Gebieten Namibias und Botswanas. Indessen veröffentlicht ReconAfrica wöchentliche Lageberichte, die nicht angefochten werden können, solange die Firma die namibischen Medien meidet.

Von Frank Steffen

Windhoek

Der neue „World Heritage Watch Report 2021“ befasst sich auch mit der Suche nach Öl in den ökologisch-sensiblen Kavango-Regionen Namibias und dem Okavango-Delta in Botswana. Der Protest gegen das kanadische Explorationsunternehmen Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) hat es auf die Titelseite des Berichts zum Stand des Welterbes 2021 geschafft.

„Mit unserem Netzwerk von mehr als 150 Gruppen weltweit, stellt World Heritage Watch sicher, dass das Welterbe nicht politischen Kompromissen und wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fällt. Wir unterstützen die UNESCO dabei, vollständige und korrekte Informationen über die Lage der Welterbe-Stätten zu erhalten. Und wir helfen den Menschen vor Ort, ihre Standorte zu schützen und angemessen davon zu profitieren“, heißt es auf der WHW-Internetseite.

Auf den Seiten 162 bis 165 des aktuellen Berichtes, werden Hintergründe sowie Folgen einer Ölsuche in diesem Gebiet beleuchtet. Schwerpunkte sind die offensichtliche Nähe zum Tsodilo-Hills-UNESCO-Welterbe im Okavango-Delta; Bohrlöcher in unmittelbarer Nähe und teilweise auf dem Gelände von Kommunalwäldern und traditionellen Wohngebieten der San-Urbevölkerung; Bohrlöcher, die im Bwabwata-Nationalpark entstehen sollen; und nicht zuletzt, die Auswirkung des offensichtlich-geplanten Einsatzes der Fracking-Fördermethode in einem Gebiet, das unterirdische Wasserleiter aufweist und ferner von Flussläufen durchzogen ist.

In der vergangenen Woche hatten namibische und deutsche Umweltaktivisten dem Bundesministerium für Zusammenarbeit eine Petition gegen die Ölexploration in den besagten Gebieten – Teil des grenzübergreifenden KAZA-Hegegebietes – überreicht (AZ berichtete). Dem folgte eine Protestaktion vor der kanadischen Botschaft in Berlin.

Im krassen Gegensatz scheint sich ReconAfrica weiterhin zu weigern, der namibischen Presse zu begegnen. Sie veröffentlicht im Wochenrhythmus Pressemitteilungen im fernen Kanada, wo diese Mitteilungen über Internetplattformen erfolgen, die der Börse nahestehen oder dem Energiesektor. Die wiederholte Versicherung, dass die Firma alle Gesetze befolge und nur das Beste für Namibia wolle, entspricht bisher nicht den Tatsachen hierzulande.

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