23 Dezember 2008 | Kommentar

Rassismus nach Quoten

Die vorbildliche namibische Verfassung hat 1990 nach gut 40 Jahren verfassungsmäßigem Rassismus der Apartheidszeit die Rassenlehre abgeschafft. Dass die rassische Zweiteilung oder mehrfache ethnische Unterteilung der Gesellschaft auch nach Abschaffung der Rassentrennung noch Konsequenzen für die Nachfahren hat, steht außer Frage. Also haben die Verfassungsväter in Artikel 23 die Grundlagen für besondere Fördermaßnahmen geschaffen, so dass Apartheids-geschädigte Menschen nach klaren Richtlinien bei Einstellung und Rangbeförderung Vortritt erhalten. Es handelt sich um so genannte "sachte Apartheid". Die besonderen Fördermaßnahmen unter den Namen Affirmative Action (Korrekturmaßnahmen), Black Economic Empowerment (BEE), Employment Equity sowie unter abgemilderten Begriffen besagen dennoch, dass die Gesellschaft sehr wohl wieder in Rassenkategorien operiert, bei denen zuerst die Hautfarbe und dann erst Leistung zählt, wie es während der Apartheid gang und gäbe war.
Obwohl das Bestreben, zum Beispiel in der Besetzung von betriebswirtschaftlichen Führungsposten rassische und ethnische Ausgewogenheit zu schaffen, bei einem Angebot qualifizierter Kandidaten im Idealfall zum Abbau von Neidspannung beitragen kann, hinkt die Praxis weit hinter dem Ideal hinterher. Die Apartheidsideologen haben auf Papier auch ein ideales Bild von der Gleichwertigkeit der Menschen vorgegaukelt, dem Theoretiker sogar etwas abgewinnen konnten. Die Praxis hat sie dann konsequent widerlegt.
Die Kommission zur Gerechtigkeit am Arbeitsplatz (EEC) hat schon allerhand Erfolg vorzuweisen, wenn sie 61 Prozent der Topposten namibischer Unternehmen mit mehr als 25 Arbeitnehmern als "dunkel" besetzt melden kann.
Aber das reicht der Arbeitskommission nicht. "Überproportional viele Weiße" stünden noch obenan, jammert EEC-Chef Vilbard Usiku. Nach der Sprachregelung der EEC heißt es, es gehe um ein "rassisch und kulturell ausgewogenes Profil". Wenn das der Maßstab sein soll, dann muss Usiku neben mehrheitlicher Ovambo-Besetzung, weil diese Sprachgruppe mindestens 50% des Bevölkerungsteils stellt, auch auf je zehn Prozent für Herero, Kavango und Damara achten und danach noch dafür sorgen, dass hier und da ein Vertreter der Buschleute, der Tswana, Caprivier und Nama, der deutsch- und afrikaanssprachigen Namibier in eine Führungsstelle gelangt. Hier wird es absurd wie in der Apartheid. Ebenso irre verfahren politische Sportfunktionäre. In Südafrika möchten sie den Rugby-Sport nach rassischer Quotenregelung sortieren. Die Neorassisten begreifen nicht, dass Fußball, Golf, Cricket und Rugby einfach kulturell verankerte Hauptträger haben.

Die namibischen Verfassungsväter haben eins unterlassen. Der Affirmative-Action-Auftrag muss auf eine Generationsspanne begrenzt werden, damit Hautfarbe die Produktivität und Gerechtigkeit nicht wie bei der Apartheid wieder auf Jahrzehnte zu knebeln vermag.

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