26 Juni 2019 | Gesellschaft

Pütz war mit letztem Text noch nicht fertig

Kurz vor einer dringenden Umquartierung in ein Altersheim und drei Monate vor Abschluss seines letzten Buches hat Joachim (Joe) Ingo Pütz am 20. Juni 2019 in Windhoek der Tod ereilt. Er wurde am 15. August 1945 in Waal, Bayern, geboren.

Mit der Bürgerschaftsurkunde, die das Innenministerium ihm am 5. Juni 2019 nach zermürbenden Behördengängen mit und ohne Begleitung ausgestellt hatte, wollten seine Freunde ihm mit einem darauffolgenden Antrag auf seinen Personalausweis (namibische ID-Karte) zur Staatspension verhelfen. Seine Bemühung um die Staatspension als bis dahin einzige Altersabsicherung war Ende 2018 erfolglos geblieben. Ein weiteres von Freunden und Spendern angestrengtes Antragsverfahren mit beglaubigten Unterlagen an die Treuhänder eines privaten Sozialfonds, um ihn in ein Altersheim einzuweisen, wurde mit seinem Tod hinfällig.

Studium und Pressearbeit

Joe Pütz hat 1963 in Swakopmund seinen Matrikabschluss geschrieben, kam danach an die damalige HPS in Windhoek (Höhere Privatschule, heute DHPS), um das Abitur abzulegen und ist zum Studium der Philosophie und Psychologie an die Universität von Kapstadt gegangen. Nach dem Studienabschluss hat er sich in Namibia zunächst als kaufmännischer Reisender betätigt, bevor er Ende der siebziger Jahre ein Angebot der Redaktion der Allgemeinen Zeitung annahm, als Reporter anzutreten. In der Zeit wurde ihm der Pressepreis der damaligen NamibAir (Vorläufer von Air Namibia) für seine AZ-Reportagen über den Fleischskandal zuerkannt - ein Geschäftsführer des Fleischrates hatte sich im Treppenhaus des Landbank-Gebäudes in den Tod gestürzt.

Pütz wirkte später in der Redaktion des Windhoek Advertiser mit, diente eine Zeitlang der damaligen südafrikanischen Nachrichtenagentur Sapa sowie der Deutschen Presseagentur (dpa). Er hat sich bei der Tageszeitung The Namibian bewährt und war auch als Reporter bei den Namibia Nachrichten eingesetzt, einer von deutschen Spendern gesponserten Wochenzeitung, die vorübergehend eine Alternative, bzw. Ergänzung zur Allgemeinen Zeitung bot. Nach der Unabhängigkeit Namibias erhielt er eine Stelle bei der neu konstituierten Namibischen Rundfunk- und Fernsehanstalt (NBC), die die bisherige SWA Broadcasting Corporation ablöste. Als Medienschaffender hat er vor einigen Jahren noch bei der frisch gegründeten Zeitung Namibian Sun im Presseverlag Namibia Media Holdings (NMH) als Korrekturleser gewirkt.

Dem Volk aufs Maul geschaut

Als Buchautor hat Pütz sich einen bekannteren Namen denn als Journalist gemacht. Das „Dickschenärie - Ein Wörkschopmänjul für Südwester Deutsch“, Band I und Band II, worin er den Südwestern aufs Maul geschaut hat, ist längst vergriffen. Sein namibisches „Who is Who“ ebenso, das vor der Souveränität Namibias erschienen ist. Er hat es verpasst, dieses heute noch wertvolle Nachschlagewerk nach 1990 zu aktualisieren, als sich über 30 Botschaften und Hochkommissariate in Windhoek ansiedelten, die allesamt namibische Namen und Persönlichkeiten kennenlernen mussten. Auch ein Band mit anekdotischen Familiengeschichten bekannter deutscher Pionier-Siedler geht auf seinen Namen. In den vergangenen Jahren arbeitete er an einem Buch, dessen Gegenstand er vor Abschluss niemandem verraten wollte. Dafür brauche er nur noch drei Monate, sagte er vor kurzem in seinem Quartier, wo nach dem Wasser während seiner letzten Wochen auch noch der Strom abgeschnitten war.

Pütz galt als Lebenskünstler, der mit einem Minimum an Einkünften über die Runden kam, sich aber gleichzeitig nie um seine Altersversorgung kümmerte, was ihm bei schwächelnder Gesundheit, die keine Gelegenheitsjobs mehr zuließ, zum Verhängnis wurde. Ein kleiner Freundeskreis hat in diesem Jahr, bzw. schon während der vergangenen Jahre wiederholt und sporadisch für sein Überleben gesorgt. Aus der noch nicht bewilligten Staatspension, von der er sich auch ein „paar Monate Rückzahlung“ erhofft hatte, wollte er etlichen Freunden Geliehenes zurückzahlen. Vor Jahren erhielt er ein Angebot hoher Funktionäre der regierenden Swapo. Sie wollten ihm eine Vorzugspension verschaffen. Das Angebot hat er ausgeschlagen. 1988 war er mit einer Delegation deutschsprachiger Namibier nach Sambia gereist, wo es kurz vor der Unabhängigkeit zur Begegnung mit der Exilanten-Swapo kam.

Mit scharfer Beobachtungsgabe, mit feinem Gespür für die Mentalität, Marotten und die typisierende Psyche namibischer Mitbürger jeglicher Couleur hat er nicht nur sein Who is Who geschrieben, sondern konnte auch im Gespräch den Mitmensch und sein Gegenüber sofort skizzieren. Dabei handelte es sich nicht um Klatsch, politisches Geschwätz oder „Skinderei“, sondern in der Regel um ein humorvolles Psychogramm.

Man hätte Joe Pütz einen besseren Ruhestand gegönnt.

Eberhard Hofmann

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