03 April 2019 | Meinung & Kommentare

PSEMAS macht uns alle krank

Der namibische Finanzminister Calle Schlettwein versucht erneut die staatliche Krankenkasse PSEMAS in Ordnung zu bringen. Genau wie vor drei Jahren kommen er und seine Kollegen zu dem Schluss, dass der Fonds teilweise von den Mitgliedern und ihren Abhängigen sowie entfernten Verwandten, aber auch Ärzten und sonstigen medizinischen Fachkräften, Krankenhäusern, Apotheken und allen erdenklichen Interessenträgern gründlich beklaut wird.

Ärztliche Medizinrezepte werden bis aufs Äußerste von Patienten sowie Apotheken missbraucht, Ärzte untersuchen Patienten weit über ihre Beschwerden hinaus, Mitglieder zählen erwachsenen Leute jeden Alters zu ihren „Abhängigen“ und jeder nimmt sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Tragisch ist dabei, dass Umstehende dies Phänomen scheinbar passiv beobachten, denn es kann doch kaum angehen, dass ein Fonds seine vorgesehenen Ausgaben jährlich mit mehr als 25% überschreitet und „keiner“ merkt dies.

Die 296 637 Mitglieder und Abhängige der PSEMAS machen etwa 11% der namibischen Bevölkerung aus, doch beschlägt diese Krankenkasse allein 60% der namibischen Krankenkassen! Der Finanzminister hat indessen laut eigener Aussage mindestens 2,5 Milliarden N$ in seinem Haushalt-2019 für PSEMAS-Ausgaben vorgesehen - also knapp 3,8% des gesamten Haushalts.

Für die Wirtschaft des Landes ist PSEMAS inzwischen kritisch wichtig geworden, denn würde die Krankenkasse bankrott erklärt, erwischt es nicht nur die Mitglieder des Fonds, sondern zweifelsohne sämtliche Interessenträger des Gesundheitssektors. So etwas würde sich sofort auf die restliche Wirtschaft auswirken.

Gerade darum bleibt es unverständlich, dass die Geldgier teilweise hochqualifizierte Fachkräfte derart treibt, dass sie den von ihnen abgelegten Hippokratischen Eid darüber hinaus vollkommen vergessen und mehr Schaden anrichten als sie Gutes tun.

Man kann dies Thema drehen wie man will, solange PSEMAS nicht gesundet, gehen wir alle am Stock und nicht nur das Finanzamt.

Frank Steffen

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