11 August 2011 | Glosse

Püppchen bleich und mit Tähn

Wir sind mos alle noch auf dem patriotischen Weg der Selbstfindung, nachdem es wüst dornige Strecken auf der Südwester Klippen- und Sandpad gegeben hat. Hier und da ging's über Landminen und Leichen. Aber jetzt sind wir mos raus aus dem Monokko und sollten eigentlich im gelobten Land der Braven alle moi tjillen und den Qualm vom Braairost beim kühlen Ombira in den Sonnenuntergang kräuseln lassen, bis das Kreuz des Südens aufsteigt und sich in langer Nacht wieder neigt, wenn schließlich der Schakal aufheult.
Auch können wir jetzt geruhsam Struggle-Nostalgie betreiben wie die Macht habenden Parteien, die sich für die Größten aller Zeiten halten, es derzeit in Ovenduka tun. Am Tisch versammelt sind die Südwestafrikanische Volksorganisation als Gastgeber, und die MPLA-Comräds von Angola sowie die siegreichen Genossen von Simbabwe, Tansania, Südafrika und Mosambik, denn die Oukies haben alle eins gemeinsam: durch die Zugehörigkeit zur Partei, die den Freiheitskrieg durchkämpft hat, entsteht Anspruch auf ewiges Erbrecht der Staatsmacht. Aber das is 'ne andre Story mit langem Bart. Dennoch is so lange noch nich alles erzählt, wie sich die Comräds in ihrer Vormachtstellung bedroht fühlen. Die Bedrohung kann sogar von unabhängigen Blättern und Schreiberlingen kommen, die (zu) große Schnauze haben.
Aber jetzt endlich zur Sache. Omundohotola Elijah Ngurare, der Jugendbaas der Partei, die sich für die Größte aller Zeiten hält, hat durch flammenden Patriotismus beseelt und als Bannerträger des wahren Nationalstolzes vaterlandslose Spielwarenläden aufgesucht. Jesslaik, da hat der Oukie mos wüst geskrickt. Seinen Befund hat er gleich in 'ne Presseerklärung und in den Jargon der Partei verpackt: "In einem freien und unabhängigen Namibia besteht da keine Geschäftslogik darin, weshalb das ländliche Namibia, das vorwiegend von schwarzen Menschen bevölkert is, nich mit schwarzen Puppen, anstatt mit weißen Puppen beliefert werden kann." Der Satz is so biekie muilek zu verstehen, aber wir wollten die wortwörtliche Aussage net nich verwässern, auch wenn man Omundohtolas Denkweise nich sommer so folgen kann. Hier und da gibt's mos schon huka die politisch korrekte Quote an Puppen mit blutarmen Bleichgesichtern und Puppen mit kwaiem Tähn. Die einfache Antwort auf Omundohotola Ngurares Problem is: nimm Kredit auf und bau Dir eine Puppenfabrik bei Ongwediva mitten unter der ländlichen Bevölkerung. Und noch eins, Elijah, wir wollen wetten, dass der Import an Barbie Dollies hauptsächlich aus dem Reich der Mitte kommt, wo sich die Hersteller der Massenspielzeugware am Konsumbild der Amis orientieren. Mit Omupräsidente Barak Obama gibt's aber Hoffnung, dass die Puppen zwischen dem Mississippi und dem Colorado indessen nachdunkeln und Barbie Dolly mehr Tähn kriegt, so dass Nachfertigung und Nachschub aus China bis in unsere ländlichen Gebiete - auf Nämlisch: rular areas - auch Omushamane Ngurare zufrieden stellen werden, es sei denn er kommt den Tjinessen zuvor und baut in Ongwediva tatsächlich eine Bläck Economic-Empauerment-Fabrik wo schwarze Puppen tanzen, damit die nationale Selbstfindung mit Äfförmatiff Äckstschn endlich auch die Puppenstube erreicht und wir vom Scheitel bis zur Sohle politisch korrekt und im Gleichschritt mit den Vordenkern der Partei avancieren. Dank Omundohotola Elijah, versteht sich.


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