17 August 2020 | Arbeit

Pick n Pay streicht 229 Jobs

Ladenkette „bedauert“ Entlassungen - Gewerkschaft ist außer sich

Die Supermarktkette Pick n Pay macht ernst und entlässt hunderte Angestellte. Die Gewerkschaft bezeichnet den Schritt als unfair und verlangt eine Widereinstellung. Das Unternehmen sieht sich aber im Recht und erklärt, sich durchgehend an das Arbeitsgesetz gehalten zu haben.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Die zur Firmengruppe Ohlthaver und List (O&L) gehörende Supermarktkette Pick n Pay (PnP) hat am Mittwoch 229 Angestellte entlassen. „Es ist sehr bedauerlich, dass die gegenwärtige Wirtschaftslage uns zwingt, umzustrukturieren“, erklärte der PnP-Geschäftsführer Graeme Mouton am Donnerstag schriftlich in Windhoek, nachdem die Gewerkschaft NAFAU (Namibian Food and Allied Workers Union) ihre Enttäuschung über die „unfairen“ Kündigungen geäußert hatte.

Der Gewerkschaft zufolge hat der Arbeitgeber unter anderem das Büro des Arbeitskommissars am 25. März über geplante Entlassungen in Kenntnis gesetzt. Mitte Juni informierte die Ladenkette die Öffentlichkeit, dass es mehr als 500 Stellen streichen wolle (AZ berichtete). „Auf diesen Schritt sollte am 15. Juli eine neue Unternehmensstruktur folgen“, heißt es in der NAFAU-Stellungnahme. Laut der Gewerkschaft haben anschließend zwischen Mai und Mitte Juli insgesamt acht Verhandlungstreffen stattgefunden, die aber alle vergebens waren. „Die Gespräche kamen zum Stillstand und so wurde (am 10. Juli) ein Disput erklärt“, so NAFAU. „Die Parteien haben eine Erklärung unterzeichnet, wonach keine Entlassungen stattfinden werden, bis ein Ergebnis der Verhandlungen vorliegt.“

Laut Arbeitsgesetz ist es die Aufgabe des Arbeitskommissars, einen Vermittler mit dem Disput zu beauftragen, der vier Wochen Zeit hat, Treffen einzuberufen und eine Lösung zu finden. „Der Arbeitgeber darf keine Angestellten entlassen, ohne dass der Disput geklärt oder entscheiden wurde“, heißt es. Die Gewerkschaft hat laut eigenen Angaben am 27. Juli um ein weiteres Gespräch gebeten, doch Pick n Pay soll nicht reagiert haben. Das Unternehmen habe allerdings eine Woche später bei einem Schlichtungstreffen die Vorfrage des gesetzlichen Zeitrahmens gestellt und darauf hingewiesen, dass die vierwöchige Vermittlungsperiode am 7. August - damals in vier Tagen - hinfällig wäre.

Für Pick n Pay hatte sich das Schlichtungsverfahren damit erledigt. „Der Vermittler hat nach Rücksprache bestätigt, dass der Verhandlungszeitraum am 7. August verstreicht“, erklärte die Presseabteilung der O&L-Gruppe. „Die Angestellten wurden gemäß des Arbeitsgesetzes entlassen; der Vermittler war nicht in der Lage, den Disput entsprechend zu klären.“ Laut der Gewerkschaft hatte der Arbeitgeber aber infolge des Treffens am 3. August darum gebeten, dessen „Standpunkte nachzureichen“, was zwei Tage geschehen sei, und worauf NAFAU am 10. August reagiert habe. „Am 11. August hat Pick n Pay 246 Angestellte informiert, dass ihnen am Folgetag gekündigt wird“, erklärte die Gewerkschaft, während es dem Unternehmen zufolge 229 Mitarbeiter sind.

NAFAU verlangt, dass die Kündigungen sofort rückgängig gemacht und alle 246 beziehungsweise 229 Angestellten wiedereingestellt werden. „Wir erwarten, dass Pick n Pay der Absichtserklärung nachkommt (kein Personal zu entlassen, bis der Disput geklärt ist) und das Arbeitsgesetz respektiert“, so die Gewerkschaft.

Gleiche Nachricht

 

Bauarbeiter verlieren Geduld

vor 3 monaten - 10 März 2021 | Arbeit

Von Frank Steffen & Adolf Kaure Windhoek/Swakopmund Mehr als zehn Mitarbeiter des Bauunternehmens Salz Gossow demonstrierten am vergangenen Montag vor dem Firmengelände in Swakopmund. Sie...

Gewerkschaft im Gericht abgewehrt

vor 5 monaten - 24 Dezember 2020 | Arbeit

Gestern früh trat ein maßgeblicher Teil der Arbeitnehmer der Supermarktkette Shoprite & Checkers in den Arbeitsausstand. Dieser war beschlossene Sache nachdem sich die Arbeitnehmer nicht...

Pick n Pay streicht 229 Jobs

vor 10 monaten - 17 August 2020 | Arbeit

Von Clemens von Alten, Windhoek Die zur Firmengruppe Ohlthaver und List (O&L) gehörende Supermarktkette Pick n Pay (PnP) hat am Mittwoch 229 Angestellte entlassen. „Es...

Keine Furcht vor Kündigungswelle

vor 11 monaten - 15 Juli 2020 | Arbeit

Windhoek (ms) – Der Arbeitgeberverband (NEF) ist fest überzeugt, dass die juristische Annullierung des vorübergehend geltenden Entlassungsverbots für Unternehmer nicht zu einer Kündigungswelle führen werde.Wie...

Gewerkschaft: Personal zu entlassen ist „einfach“

vor 11 monaten - 14 Juli 2020 | Arbeit

Windhoek (cev) – Angesichts der Jobverluste im Bergbau wegen der Covid-19-Pandemie verlangt die Gewerkschaft MUN, dass Arbeitgeber entlassenen Angestellten eine umfangreichere Abfindung zahlen. „Hierzulande ist...

Arbeitslosenrate gestiegen

vor 11 monaten - 10 Juli 2020 | Arbeit

Windhoek (bw) - Zwischen Ende März und Ende Juni dieses Jahres sollen knapp 400 Unternehmen rund 5800 Arbeitnehmern die Kündigung ausgesprochen haben. Das teilte der...

NEF mobilisiert Mitglieder

vor 1 jahr - 19 Mai 2020 | Arbeit

Von Marc Springer, WindhoekIn einem entsprechenden Appell weist der Verband darauf hin, dass das bevorstehende Verfahren, das voraussichtlich am 29. Mai verhandelt werden soll, erhebliche...

Gewerkschaftsdachverband greift Arbeitgeber an

vor 1 jahr - 18 Mai 2020 | Arbeit

Windhoek (cev) – Der Gewerkschaftsdachverband NUNW (National Union of Namibian Workers) ist besorgt, wie namibische Arbeitgeber angesichts der Coronavirus-Krise mit ihren Angestellten umgehen. „Die Pandemie...

Tausende Jobverluste erwartet

vor 1 jahr - 13 Mai 2020 | Arbeit

Von Jana-Mari SmithWindhoekSeit Beginn der Ausgangs- und Reisebeschränkungen am 27. März haben die Behörden landesweit 601 Arbeitnehmerbeschwerden erhalten (Stand: 7. Mai). „Das ist ein deutlicher...

Stellenabbau vorerst verboten

vor 1 jahr - 30 April 2020 | Arbeit

Von E. Leuschner und F. SteffenSwakopmund/Windhoek Vor einer Woche hatte die Fachkraft für Arbeitsrechte im Arbeitsministerium, Advokatin Vicky Toivo ya Toivo, Maßnahmen zum Schutz der...