08 Juli 2020 | Polizei & Gericht

Phosphatabbau bleibt Reizthema

Fischereifirmen wollen „ökologischen Blindflug“ vor Namibias Küste verhindern

Das Unternehmen Namibian Marine Phospate (NMP) kämpft weiter um eine Freigabe für den geplanten Abbau von Phosphat vor der namibischen Küste und muss sich dabei nicht nur gegen den Widerstand von Umweltschützern und Fischereiunternehmen durchsetzen, sondern auch belegen, dass eine ihm zuerkannte Schürflizenz noch gültig ist.

Von Marc Springer

Windhoek

Nachdem Umweltminister Pohamba Shifeta eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die geplante Phosphatgewinnung auf Betreiben von Naturschützern wieder zurückgezogen hatte (AZ berichtete), ist die Zukunft des umstrittenen Vorhabens nun zu einer juristischen Auseinandersetzung am Obergericht geworden. Dort wurde gestern vor Richter Harald Geier ein Antrag des Verbands namibischer Fischereivereinigungen verhandelt, die ein generelles Verbot gegen eine maritime Phosphat-Gewinnung vor der namibischen Küste erwirken will.

Bei der Verhandlung rückte die Frage ins Zentrum des Verfahrens, ob eine Schürflizenz noch Bestand hat, die NMP am 26. Juli 2011 erhalten hat. Laut Kläger ist diese Lizenz, auf deren Grundlage NMP eine Freigabe für den geplanten Phosphat-Abbau anstrebt, bereits am 5. Februar 2013 erloschen, weil es die Antragsgegner versäumt hätten, binnen sechs Monaten eine Umweltverträglichkeitsstudie für den geplanten Phosphatabbau zu erstellen. Damit habe NMP laut Antragsteller unabhängig von der erforderlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung die Befugnis verwirkt, in einem rund 60 Kilometer vor der Küste gelegenen Gebiet etwa 120 km südwestlich von Walvis Bay das vor allem als Düngemittel verwendete Mineral in einem rund 2233 Quadratkilometer umfassenden Areal vom Meeresboden abzubauen.



Fischereisektor protestiert

Die klageführenden Fischereiunternehmen widersetzen sich diesem Vorhaben mit der Begründung, dass bei der Phosphatgewinnung aus einer Tiefe von zwischen 180 und 300 Metern ein Saugbagger eingesetzt und dabei jährlich rund 5,5 Millionen Tonnen Meeressediment an die Oberfläche befördert werde. Während der geplanten Laufzeit des Projekts würden folglich auf einer Fläche von rund 60 Quadratkilometern große Mengen an Sedimenten vom Meeresboden aufgewühlt und dadurch Fische aus dem Gebiet vertrieben.

Ferner führen die Kläger an, dass die Freisetzung von Schwebstoffen und Mineralien bislang unbekannte Folgen für Plankton und andere Organismen im Ozean haben könnte, die von Nährstoffen im Meeresboden abhängen und Fischen als Nahrungsquelle dienen würden. Sollten diese Organismen verschwinden würden Fische ihrer Nahrungsquelle beraubt, was zu einer empfindlichen Störung des ökologischen Gleichgewichts führen und eine maritime Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen auslösen könnte.

Die Antragsteller berufen sich außerdem darauf, dass das von NMP identifizierte Areal vielen kommerziell genutzten Fischarten das Laichgebiet diene und dort mit einer drastischen Abnahme dieser Spezies gerechnet werden müsse. Dies werde zu einem Verlust der Artenvielfalt bzw. einem Rückgang der Bestände führen und die namibische Fischereiindustrie beeinträchtigen, die nicht nur tausende Arbeitsplätze schaffe, sondern auch wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt beitrage.

Umweltbedenken unbegründet

NMP bestreitet in einer erweiterten Klageerwiderung, dass der geplante Phosphatabbau zu einer „spürbaren Beeinträchtigung“ der Meeresökologie führen, das natürliche Gleichgewicht im Ozean stören, oder der dort vorkommenden Fauna irreparablen Schaden zufügen werde und

bezeichnet anderslautende Berichte als „Gerüchte, Spekulationen, Vermutungen und Mutmaßungen“. Gleichzeitig betont die Firma, sie habe intensive Forschung betrieben und diverse Gutachten erstellt, wonach ein Phosphat-Abbau weit weniger umweltschädlich sei, als

die maritime Diamantförderung vor der Küste.

Ferner betont NMP, dass das geplante Minengebiet flächenmäßig nur 0,0003 Prozent der gesamten Hoheitsgewässer Namibias betrage und nicht Teil eines kommerziell genutzten Fischfang-Gebiets sei. Abgesehen davon, dass die Phosphat-Vorkommen „örtlich extrem begrenzt“ seien, würde der Abbau in einer Tiefe von rund 200 Metern erfolgen in der gewöhnlich kein Fischfang stattfinde. Dementsprechend führt NMP unter Berufung auf eine Studie an, dass von allen kommerziell genutzten Fischspezies nur die Arten atlantischer Seeteufel (zu einem Prozent des Gesamtbestands) und Kappseehecht (zu 0.05 Prozent des Vorkommens) von einem möglichen Phosphatabbau betroffen wären.

Richter Geier hatte sich gestern zum Ende der Verhandlung ein Urteil vorbehalten.

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