07 März 2017 | Lokales

„Pflege ist gleich Null“

Ehepaar beschwert sich über fehlende Betreuung im Seniorenzentrum

Das Ehepaar Lars und Hildegard Rohlwink hatte sich für ihren Lebensabend für das Seniorenzentrum Auas Hills entschieden. Diesen Entschluss bereuten sie schnell. Denn zwischen schriftlichen Leistungszusagen und gelebter Praxis liegen ihren Ansichten nach Welten.

Von Nina Cerezo, Windhoek

Betreutes Wohnen ist für viele Menschen im Alter ein sinnvolles Angebot. So können sie hilfreiche Leistungen wie pflegerische und medizinische Betreuung, Mahlzeiten frei Haus oder einen Notfalldienst per Knopfdruck in Anspruch nehmen. Diese und weitere Angebote macht auch das Seniorenzentrum Auas Hills in Windhoek.

Laut Sabiene Rohlwink, Tochter der ehemaligen Auas-Hills-Bewohner Lars und Hildegard Rohlwink, bleibt das aber nur Theorie. „Die Pflege ist gleich Null“, erläutert die Hamburgerin, die ihre Eltern circa zwei Mal jährlich in Namibia besucht. Angefangen habe alles bereits wenige Wochen, nachdem ihre Eltern ein Apartment bei Auas Hills im Winter 2015 bezogen hätten. „Schon das Essen ist unzumutbar – es war immer kalt und ich würde es meinem Hund nicht zum Fressen geben“, erinnert sich Rohlwink. Auch seien weder die vertraglich festgehaltene „tägliche Hygiene“, noch der „zweistündige Kontrollbesuch“ eingehalten worden. Den ebenso zugesicherten Alarmknopf für Notfälle hätten ihre Eltern erst Monate nach ihrem Einzug erhalten. Zudem soll das Pflegepersonal auch die nahezu vollständige Blindheit des Paares ausgenutzt haben.

Als die AZ-Redaktion die verantwortlichen Managerinnen Sandra Vogelhubert und Maryna Hough mit den Vorwürfen konfrontierte, reagierten diese prompt. Ihnen zufolge hat es tatsächlich bis Mitte vergangenen Jahres mehrfach Beschwerden bezüglich des Essens gegeben, weshalb sie daraufhin einen neuen Lieferanten beauftragt hätten. „Seitdem sind alle unsere Bewohner glücklich“, so Hough. Die „tägliche Hygiene“ würden einige Bewohner ablehnen, was „manchmal zu ernsten Auseinandersetzungen mit dem Personal führt“, erläutert sie weiter. Dass sich das deutsche Ehepaar schlichtweg nicht habe waschen lassen, sei der Tochter auch berichtet worden. Diese räumte in diesem Zusammenhang auch eine gewisse Aggressivität ihres Vaters ein, wies jedoch auch darauf hin, dass beiden schließlich nicht einmal mehr beim An- und Umziehen assistiert worden sei.

Aus dem Bett gefallen

Auf die Frage nach dem zweistündigen Kontrollbesuch antworteten Vogelhubert und Hough nur vage. So gebe es als Standardeinrichtung eine Schwesternstation auf jeder Etage. Ob diese jedoch den Kontrollen nachkommen, bleibt unklar. Ebenso wird nicht deutlich, wann genau der Alarmknopf übergeben wurde. So wird erneut nur auf den Standardfall verwiesen, bei dem „die Bewohner den Knopf im Krankenhaus erhalten und dann mitnehmen“. Eine verzögerte Reaktion auf das Auslösen des Alarms scheint ebenfalls außer Frage. „Panik bedeutet unverzügliche Antwort“, erläutern Vogelhubert und Hough und scheinen damit die Behauptung der Tochter, es habe mehrmals länger als eine halbe Stunde gedauert, bis jemand erschien, gänzlich ausräumen zu wollen. „Dabei war meine Mutter einmal aus dem Bett gefallen“, erinnert sich diese.

Null-Toleranz-Politik

Des Weiteren hat das Personal laut Rohlwink die annähernd vollständige Blindheit des Ehepaars entsprechend ausgenutzt. So hätten die Schwestern beispielsweise nie darauf hingewiesen, dass die vorausbezahlten Stromeinheiten bald zu Ende gehen würden, weshalb Rohlwinks wiederholt bis zu drei Tage „im Dunkeln“ hätten leben müssen. Ebenso habe eine Schwester ihr Mobiltelefon im Apartment der Senioren geladen sowie Kleidungsstücke entwendet, was das Ehepaar schlichtweg nicht mehr hätte sehen können. „In unserem Unternehmen herrscht eine Null-Toleranz-Politik hinsichtlich Diebstahl sowie des Benutzens eines Mobiltelefons während der Arbeitszeit“, erläutert diesbezüglich das Management und fügt hinzu, dass daher bereits Personal entlassen worden sei. Die fehlende Kleidung sei versehentlich falsch zugeordnet und deshalb erst nach dem Hinweis zurückgebracht worden. Das Ehepaar hätte zudem das Laden des Mobiltelefons nicht erlauben und melden sollen. „Denn so etwas hat Konsequenzen“, heißt es.

Für das deutsche Ehepaar hatten die Erfahrungen auch Folgen. Im November 2016 zogen sie in ein Altersheim nach Okahandja.

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