08 Dezember 2017 | Meinung & Kommentare

Paradies für Steuerignoranten

Ist Namibia (in den Augen der EU) eine Steueroase? Daran haben sich diese Woche Regierung und Medien aufgerieben, bis die EU Aufklärung leistete. Demnach wurde Namibia auf eine Schwarze Liste gesetzt, weil es sich bei EU-Anfragen als „nicht kooperativ“ gezeigt bzw. Antwortfristen nicht eingehalten hat. Mit Steueroasen, wie ausländische Medien titelten, was in Namibia von Presse und Finanzministerium übernommen wurde, hat das nichts zu tun. Alles nur ein riesiges Missverständnis, hieß es. Trotzdem lohnt ein Blick auf Steuerbelange in Namibia, denn in dem Land herrschen paradiesische Zustände für Steuerignoranten.

Dass Namibia keine Steueroase ist, weiß man in Brüssel ebenso wie in Windhoek. Niemand kommt hierher, um Geld zu verstecken. Im Gegenteil: Kapitalflucht gehört zum Alltag. Unser Problem ist ein ganz anderes: Es liegt darin, dass viele Unternehmen und Einzelpersonen des informellen Sektors gar keine Steuern zahlen. Unter dem Deckmantel der Kleinverdiener bzw. Geringfügigkeit werden letztlich Millionen umgesetzt, von denen der Fiskus nichts sieht. Die Unternehmer brauchen ihr Geld nicht verstecken, weil sie ihr Gewerbe gar nicht angemeldet haben. Also kennt das Finanzamt sie auch nicht und macht keine Forderungen auf. Wo kein Kläger, da kein Richter. Handlungsbedarf an der Basis hat also das Finanzamt, um Einnahmen und Gerechtigkeit zu erhöhen. Bislang fehlte es an Konsequenz.

Es ist eine Frage der Zeit, bis Namibia von der Schwarzen Liste der EU gestrichen wird, spätestens im Dezember 2018 sollte das der Fall sein. Wie lange es aber dauert, bis der Fiskus sich die Steuerverweigerer zur Brust nimmt, steht in den Sternen.

Stefan Fischer

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