04 Januar 2008 | Glosse

Padsperre nach Neujahr 2008

Die Autowaschanlage am Omurambaweg im Stadtteil Eros von Ovenduka boomt, obwohl die Straßen der Hauptstadt so schräg nach Neujahr fast leer sind. Die Regierung kann keinen Krieg erklären, weil sie und ansonsten kaum ein anderer da ist. Aber der Auszug von der Küste hat massiv begonnen. Die Oukies können sich jetzt net nich auf den Regen verlassen, dass der den verkrusteten Brackstaub der Küste von ihren Tjorries abwäscht. Die Karre selbst waschen? Kainatsch, nix da! Erstens ist der Hofgärtner noch nicht aus dem Ovamboland zurückgekehrt. Und zweitens kriegen die Oukies wüst schwer, die gerade aus dem kühlenden Nieselnebel von Tsoaxabmund in die regenlose, brüllende Hitze des Inlands zurückgekehrt sind. Jong, die Anpassung an diesen Klimawechsel verlangt ihr Pfund Fleisch. Die Anpassung schlaucht jeden oder jede, ganz egal welchen Alters. Also das mit Tatendrang, Schaffensfreude und Fleiß mit gutem Neujahrsvorsatz jobbt net nich so im Lande der Braven, wie sich die Tradition das zum Jahreswechsel vorstellt. Aber ein vom Salzdreck belecktes Auto passt nicht ins Weltbild der digitalen Zeitenwende. Also nehmen die Kerls in Kauf, dass sie gleich zu Jahresbeginn in Oshilongo Shakakambe (der Ort, wo der Gaul steht), mit ihrem Otjiauto unter 40 anderen Schlange stehen müssen, weil bei vielen erst das Auto kommt, dann die eigene Bequemlichkeit und dann die Frau. Zu Zeiten der Arbeitslosigkeit und in den Tagen der Anpassung und in die Eingewöhnung, da die, die zwar Arbeit haben, jetzt auch nix tun, um das 'mal milde zu sagen, ist eine schäumende Autowäsche ein Zeichen wirtschaftlichen Aufschwungs.

Das ist ein Anlass, da der Chef der Handelskammer, der in der Sauren-Gurken-Zeit von den Medien langatmig zitiert wird und wüst lange zu Wort kommt, aus dem Vollen schöpfen kann. Der wirtschaftliche Aufschwung für 2008 ist gekommen. Die Autowäscher haben Vollbeschäftigung. Jetzt muss nur noch der Fisch kommen, die Zementfabrik auch, die Ölraffinerie in Usakos, die Hühnergroßfarm bei Karibib, die Giggelbeene von frei laufendem und ökologisch korrekt gehaltenem Federvieh in Großcontainern an alle Kentucky Frys und Wienerwälder weltweit verkauft hätte.

Im Raum zwischen Dichtung und Wahrheit sind da noch die Yoghurt- und Bananenplantagen, die Omupräsidente I uns in Aussicht gestellt hatte. Dazu das Wasser aus dem Kongo, nehmen wir 'mal an, vom Kongo-Oberlauf in den Okavango und von dort fortgeleitet mit dem östlichen Wasserträger des Abschnitts von Rundu bis Otjiwanda, auch Grootfontein genannt. Dieser Abschnitt steht auch schon Jahrzehnte auf dem Papier, aber Du hörst jetzt nix mehr davon, weil NamWater auch ohne die Otjiwanda-Rundu-Verbindung stief Wasser hat oder so meinen die.

Die Minenbosse von Kombat-Weatherly und NamWater haben wüst viel Wasser in der Karstfeldgrube. Angeblich werden sie damit nicht fertig. Die pumpen das aus der Tiefe und lassen das dann mit Unterbrechung sommer so in den Busch laufen. Deshalb bleiben Kongo- und Okavango-Pläne erstmal im Regal. Sobald die Opolifi bei der Pad-Blockade ihren Schirm wieder abgebaut und das letzte Bakkie mit Venterwaentjie nach Ovenduka und Gauteng durchgefahren und die Salzbrack-Kruste von den Autos abgewaschen ist, werden wir wieder Gutachten, Projektpläne und Zukunftsvisionen produzieren und ins Regal stellen. Von geschmiedeten Zukunftsplänen stehen die Regale voll und die Gelder werden auch in diesem Jahr wieder fließen, um noch mehr davon ins Regal zu stellen, wo sie Staub sammeln. In der Praxis machen die Oukies inzwischen einen eignen Plan oder sie machen nach Landesart net nix, um es noch einmal milde auszudrücken.

2008 kann also losgehen, weil wir vieles einfach so weiter machen, wie wir das schon huka gemacht haben.

Gleiche Nachricht

 

Mit Qualm und Sperre zur Jahresmitte

vor 5 tagen - 17 Juni 2021 | Glosse

Die kühl-trockene Jahresmitte mit langen Nächten wird zugleich zum Khomas-Lockdown. Regionalsperre für den neuen Infektionsherd, derzeit mit Landesrekord. Man spricht auch vom Epizentrum, was irreführend...

Schillernd in der Winterluft

1 woche her - 14 Juni 2021 | Glosse

Vizepräsident Omushamane Nangolo Mbumba is in diesen Tagen besonders gefordert. Einmal muss er in der klaren Winterluft die Parade zum 31. Jubiläum der namibischen Wehrmacht...

Patriotische Steigerung, wenn Nullen kullern

vor 2 wochen - 03 Juni 2021 | Glosse

Die Unzufriedenheit über das Versöhnungspaket aus Berlin dreht sich im Kreis wie ein Kugellager auf Nullen. Die zwei Verhandlungsparteien haben während der fünf Jahre...

Ein Blick über den Zaun - und was sonst...

vor 3 wochen - 27 Mai 2021 | Glosse

Für den 26. September 2021 is die Wahl für den 20. Deutschen Bundestag angesagt. Mit deutscher Gründlichkeit verfassen die Parteien ihr Wahlmanifest. Das Programm des...

Krieg zwischen Israelis und Palästinensern

vor 1 monat - 20 Mai 2021 | Glosse

Der Krieg spaltet die Weltöffentlichkeit, die sensationslüsternen Zuschauer auf den Rängen , in zwei Lager: Sympathisanten und Einpeitscher der Palästinenser auf der einen und Mitläufer...

Von Woche zu Woche stolpern wir dahin

vor 1 monat - 17 Mai 2021 | Glosse

Der Widerstand gegen die Teilnahme an der Herdenimmunität nimmt im Lande der Braven und Bravourösen beständig ab. Im Internet, bzw. auf diversen Kanälen der Sozialmedien...

Corona-Regeln und Protokoll förden neue Vermassung

vor 1 monat - 06 Mai 2021 | Glosse

Man kann es kaum glauben, aber die Covid-19-Regeln sowie die Massenspritzung schlägt sich schon im Sprachgebrauch nieder. Die Rede is von Herdenimmunität, nich etwa von...

Zum Weltpressetag just schwänzen

vor 1 monat - 30 April 2021 | Glosse

Namibia und insbesondere die Hauptstadt erhalten in diesen Tagen stief Glanz, Beachtung und sogar biekie Ansehen. Der diesjährige Weltpressetag samt dem 30-jährigen Jubiläum der Windhoeker...

Saubere Stadt gar nich so sauber

vor 2 monaten - 22 April 2021 | Glosse

Zugezogene und angestammte Windhoeker, privilegierte Politiker und sonstwer und sogar die Ratsherren und -damen sind allesamt muhrsch stolz auf die Sauberkeit der Hauptstadt. Das konntest...

Mit steifem Ostwind und Corona leben lernen

vor 2 monaten - 15 April 2021 | Glosse

Die Küstenbewohner ham im vergangenen Jahr stief lamentiert, dass der Ostwind sommer so `nen Großteil des Winters eingenommen hätte. Und dass dazu in der chronischen...