10 September 2021 | Natur & Umwelt

Oryx-Bestand „kritisch“

Wildtierzählung bestätigt Rückgang an Tieren im Nordwesten

Jüngste Wildtierzählungen im Nordwesten Namibias haben ein düsteres Bild gemalt: Für nahezu alle Wildarten ist die Situation „prekär“, da die Zahlen auf ein Rekordtief gefallen sind. Die Situation für Oryxantilope wird - wegen der ausartenden Wilderei - sogar als kritisch bezeichnet.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund

Statistiken über jüngsten Wildtierzählungen wurden jetzt von NACSO (Namibian Association of CBRNM Support Organisations) veröffentlicht, nachdem die Zählungen im Mai und Juni durchgeführt wurden. Es wurden sämtliche Tierarten im Süden (sechs Hegegebiete), Beim Hardap- und Naute-Damm, im zentralen Norden (fünf Hegegebiete) und im Nordwesten Namibias gezählt. „Zum ersten Mal stimmen wir mit den Statistiken überein. Es gibt kaum noch Wild“, sagte Izak Smit von DeLHRA (Desert Lions Human Relations Aid) gestern der AZ.

Die NACSO-Statistiken sind in der Tat schockierend. „Die Zählung 2021 hat gezeigt, dass die Situation für viele Wildarten prekär ist und für Oryxantilopen einen kritischen Punkt erreicht hat“, heißt es in dem Bericht. Die Anzahl gezählter Oryxantilopen im Nordwesten in nahezu 40 Hegegebieten lag somit bei lediglich 181 Tieren. Vor zehn Jahren waren es noch 2 238. Aber einen Rückgang wurde bei allen Wildtierarten festgestellt. Kudus wurden jetzt lediglich 57 gesichtet (190 im Jahr 2011) und Springböcke wurden 4 697 gezählt. Vor zehn Jahren lag die Anzahl gezählter Springböcke bei mehr als doppelt so viel (12 818).

„Der erschreckende Rückgang der Oryx-Zahlen kann nicht allein durch Trophäenjäger, Dürrebedingungen (da es sich um eine an die Wüste angepasste Art handelt) oder Konkurrenz mit Vieh um Ressourcen (da die Zahl des Viehbestands dramatisch zurückgegangen ist) erklärt werden“, heißt es weiter. Es wird vielmehr ein starker Anstieg der Wilderei vermutet. Denn: „Wegen der COVID-19-Beschränkungen und Ausgangsperren im Jahr 2020 hat es geringe Erntemengen für alle Arten gegeben. Es gab aber zugleich eine geringere Präsenz gegen die Wildtierkriminalität“, heißt es. NACSO schlägt daher vor, dass die schwerwiegenden Auswirkungen der illegalen Ernte untersucht und entgegenwirkt werden sollen.

„Dass die Anzahl Tiere in den vergangenen Jahren im Nordwesten Namibias deutlich zurückgegangen ist, haben wir selbst festgestellt und auch versucht, dies zu stoppen“, sagte Smit. Ihm zufolge gibt es in vielen Teilen kaum eine Kernherde, die sich wieder erholen kann. „Wir haben den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, bereits erreicht.“ Laut Smit wird oftmals die anhaltende Dürre für die prekäre Wildtiersituation verantwortlich gehalten, was aber nicht stimmt. Es ist vielmehr eine Kombination mehrerer Faktoren gewesen, vor allem aber gehört die ausgeartete Wilderei dazu und, dass zu wenig dagegen unternommen worden ist. „Um den Wildtierstand von vormals wieder zu erreichen, müssen schnell drastische Maßnahmen ergriffen werden“, sagte Smit. Es müssten mehrere Bohrlöcher geschlagen bzw. saniert werden, Antiwilderei-Einsätze gestärkt, starkes Wild von anderen Teilen in betroffene Gebiete umgesiedelt und schließlich ein Jagd-Moratorium für mehrere Jahre verhängt werden. „Einfach warten und auf Regen hoffen wird wenig bringen“, so Smit.

Eine Reaktion auf die NACSO-Berichte vom Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus lag trotz Anfrage bis zum gestrigen Redaktionsschluss nicht vor.

Gleiche Nachricht

 

ReconAfrica darf sich rechtfertigen

vor 1 tag - 27 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek In einem Online-Artikel von Energy Week wird die gesamte Gas- und Ölexploration im Okavango betrachtet: was der namibische Staat gesagt hat,...

Mit Holzkohle-Überschuss gerechnet

vor 4 tagen - 24 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/WindhoekDer namibische Holzkohleverband (NCA) rechnet mit einem möglichen Überschuss des Rohstoffs. Der Verband hat seine Produzenten vor kurzem darauf hingewiesen, teilte der...

Namibia schützt Nashörner gut

vor 4 tagen - 24 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Katharina Moser, Windhoek Die internationale Nashornstiftung (IRF) hat seinen jährlichen Bericht zum Zustand der Nashornpopulationen weltweit veröffentlicht und Namibia als Land mit der größten...

Zur Schau abgehaltene Anhörung

vor 6 tagen - 22 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek Im Juni hatte sich der Ständige Parlamentarische Ausschuss für Natürliche Ressourcen die Beschwerden und Einwände einiger Interessenträger angehört, die dem Parlament...

EIF unterzeichnet Absichtserklärung mit MTC

vor 6 tagen - 22 September 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (Nampa/km) - Der Environmental Investment Fund (EIF) hat eine Absichtserklärung mit dem namibischen Netzbetreiber MTC unterzeichnet, um zukünftige Zusammenarbeit zu sichern. Ziel sei es,...

Seismik doch erweitert

1 woche her - 21 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, WindhoekDas namibische Umweltministerium und das kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmen Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) hatten zu Anfang behauptet, dass die Seismik-Aufnahme in den...

Feuer im Etoscha-Nationalpark

1 woche her - 20 September 2021 | Natur & Umwelt

Im Etosha Nationalpark wüten aktuell mehrere Veldbrände. Eines der Feuer sei auf einer Farm südlich des Nationalparks ausgebrochen, ein weiteres soll durch eine Funkenbildung beim...

Namibia begeht Weltaufräumtag

1 woche her - 20 September 2021 | Natur & Umwelt

Katima Mulilo / Windhoek (cr) - Eine der größten Herausforderungen, vor denen Namibia heute steht, ist die Umweltverschmutzung durch Abfälle. Dies erklärte der Umweltminister, Pohamba...

Eine Entkolonialisierung der Ökologie

1 woche her - 20 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Katharina Moser, WindhoekLaut Trisos, Auerbach und Katti beruht der Aufstieg ökologischer Wissenschaft als akademische Disziplin auf dem Kolonialismus und ist ein Ausdruck westlicher, voreingenommener...

#aznamnews – Feuer im Etoscha-Nationalpark

1 woche her - 17 September 2021 | Natur & Umwelt

Das Umweltministerium hat bestätigt, dass es derzeit zwei Brände im Etoscha-Nationalpark gibt. Der Sprecher des Ministeriums, Romeo Muyunda, sagte, dass eines von einer benachbarten Farm...