18 November 2016 | Natur & Umwelt

Objektive Phosphat-Debatte

Eine gute Studie verliert ihren Wert aufgrund von Informationsmängeln

Während des dritten Vortrags und der daraus folgenden Debatte im Haus der Namibia-Wissenschaftliche-Gesellschaft (NWG) am Mittwochabend gab es unvermindert geteilte Meinungen, doch schaffte der Vortrag dreier Fachkräfte einen unabhängigen Einblick in das Prozedere und was im Falle der Umweltstudie zum maritimen Phosphorabbau danebenging.

Von Frank Steffen, Windhoek

Der Saal der NWG in Windhoek war am Mittwochabend randvoll gepackt als Dr. Chris Brown, zusammen mit den weiteren Fachkräften Dr. Peter Tarr und John Pallett, eine Nachbetrachtung zum Ablauf der Phosphatabbaustudie der Firma Namibia Marine Phosphat (NMP) vornahm. Dabei wiederholte er öfter: „Die Forscher, die diese Studie abgewickelt haben sind bestimmt unter den Besten ihres Fachs, und selbst an ihren Schlussfolgerungen ist im Prinzip nicht viel zu rütteln, doch wurde eine seriöse Abhandlung dadurch zunichte, dass die Öffentlichkeit nicht genügend informiert und auch nicht befragt wurde. Deswegen scheitert jetzt die gute Qualität einer Studie an dem Misstrauen der Öffentlichkeit. Umweltstudien und Geheimniskrämerei gingen noch nie Hand-in-Hand!“

Dr. Brown war viele Jahre als Direktor beim Umweltministerium und kennt sich in dem Thema Umweltstudien bestens aus. Er ist mittlerweile Geschäftsführer des sogenannten Namibia Chamber of Environment (NCE), welches als Sammelstelle für alle Fachkräfte und Interessenten im Fach Umwelt und Naturschutz dient. Dr. Tarr hingegen dient als Direktor des südafrikanischen Instituts für Umweltstudien (SAIEA) und John Pallett ist einer der Vorsitzenden der namibischen Naturschutzvereinigung. Alle drei betonten, dass sie keine maritimen Fachkenntnisse besitzen und dass sie bei dem Vortrag keinesfalls darauf abzielten den Zuhörer zu beeinflussen, noch die Umweltstudie als perfekt oder fehlerhaft zu beurteilen. Als Teil der von der NWG angebotenen Diskussionsrunden, erkennen sie einen Bedarf an Verständnis für den Sinn einer Umweltstudie sowie die akzeptierten Normen bei der Durchführung einer solchen Forschung. „Eine Umweltstudie hat nicht nur den Sinn negative Folgen zu finden sondern auch den, Vorteile zu identifizieren und zu beleuchten. Idealerweise findet man eine Lösung mit einer geringen Einwirkung auf die Umwelt, aber einer großen wirtschafts-sozialen Auswirkung zu möglichst geringen Unkosten“, meinte Brown.

Dr. Tarr wurde als Umwelt-Guru vorgestellt, lehnte aber solch eine Anspielung ab, mit der Begründung: „Es gibt auf diesem Feld keine Gurus, denn wir werden in der Umwelt ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert und lernen ständig dazu. Genau das ist der Grund warum diese Studie sich schwierig gestaltete. Es gibt keine Referenzwerke oder bestehende maritimen Minen dieser Art, weswegen der offene Austausch so wichtig ist. Diese goldenen Regel wurde missachtet.“ Brown fand die Zustimmung aller Anwesenden als er bemerkte: „Niemals sollte eine einzige Person - wie der Umweltkommissar - so viel Macht besitzen, dass er im Alleingang ein solche verantwortungsvolle und weitreichende Entscheidung im Alleingang trifft, oder treffen muss!“

Die drei Experten gaben genaue Vorgehensweisen und Regeln der Kunst bekannt, ohne ihre Objektivität dabei zu verlieren: „Man kann die Theorie nicht immer 100% ausführen. Aber dann muss man Alternativen sinnvoll erklären können“, so Tarr. Pallet betonte indes, dass die geplante Vorgehensweise des Abbaus in langen geraden Linien den Organismen, sowie Krusten- und Schalentieren erlauben würde, sich nebendran wieder einzunisten. Er zeigte sich allerdings besorgt über die Tatsache, dass die Umweltstudie in zwei Teilen abgehandelt wird: Eine für das maritime Unternehmen und ein zweites für das Unternehmen zulande. „Das verstößt gegen das Prinzip, dass ein Projekt insgesamt evaluiert werden sollte, denn die kumulativen Umweltschäden könnten ein Projekt kippen und nicht unbedingt ein einzelner Teil des Vorhabens“, zeigte er sich skeptisch.

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