19 Juni 2020 | Lokales

„Nichts vorbereitet“

Wird Lockdown verlängert, zieht Erongo vor Gericht

Das Gesundheitsministerium hat versäumt, in der Erongo-Region nötige Vorbereitungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu treffen. Einwohner der Region befürchten angesichts mehrerer lokaler Virusinfektionen eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung - es droht ein Prozess am Obergericht.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Walvis Bay

Die Privatinitiative des Küsteneinwohners Thersius Biermann gewinnt an Fahrt. Biermann hatte die Geschäftswelt zusammengetrommelt und in einem Schreiben die Regierung aufgefordert, den strengen Lockdown (Stufe 1) zu lockern, der in der gesamten Region gilt und Unternehmen schweren finanziellen Schaden zufügt. Am Dienstag hat der Generalstaatsanwalt auf das offizielle Schreiben reagiert: „Wie erwartet gibt die Regierung keinen Fehler zu“, sagte Biermann gestern der AZ. Sollte der Lockdown Stufe 1, der in der Nacht von Montag auf Dienstag endet, doch noch verlängert werden, werde „sofort“ ein Eilantrag gegen die Maßnahme am Obergericht eingereicht.

Ministerium hat versagt

Über einen Sieg vor Gericht zeigt sich Biermann vorsichtig optimistisch. Als Grund dafür nennt er ein Treffen mit Personal des Gesundheitsministeriums und Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die sich in dieser Woche in Walvis Bay getroffen hätten. Dabei habe das hiesige Gesundheitsministerium zugegeben, das es während der ursprünglichen Ausgangsbeschränkung Zeit vergeudetet und versäumt habe, die nötige Infrastruktur aufzubauen, um eine mögliche Covid-19-Pandemie in Walvis Bay zu bekämpfen.

„Das stimmt völlig“, sagte eine anonyme Quelle gestern im Gespräch mit der AZ. Die Quelle verweist als Beispiel auf den Bau eines Feldlazaretts in Walvis Bay, das im April fertig sein sollte (AZ berichtete). Die Quelle war an diesem Projekt involviert. „Nachdem die Initiative gestartet wurde, hat der Privatsektor sofort Unterstützung zugesagt und mehr als 500000 N$ eingesammelt. Es wurden auch sofort die nötigen Erdbewegungsarbeiten ausgeführt“, sagte die Quelle. Seit April liegt die Baustelle aber brach. Grund: Bis dato hat das Gesundheitsministerium keine schriftliche Genehmigung erteilt. „Alle Geldgeber haben nun das Interesse verloren“, sagte die Quelle weiter. Und: „Es wurde nichts vorbereitet. Als der erste COVID-19-Patient in die Isolationseinrichtung beim Walvis Bayer Staatskrankenhaus eingeliefert wurde, waren alle Birnen und der Durchlauferhitzer defekt.“

Virus in Swakopmund

Indes befürchten Einwohner der Erongo-Region eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung, nachdem mehrere, nicht reisebedingte Fälle von COVID-19 in Walvis Bay gemeldet worden waren. Gesundheitsminister Dr. Kalumbi Shangula bestätigte gestern auch den ersten Fall einer lokalen Infektion in Swakopmund. Die 55 Jahre Frau sei auf das Virus getestet worden, nachdem sie sich über Fieber und Körperschmerzen beschwert habe. Ihr Zustand sei zufriedenstellend. Indes gab Shangula gestern bekannt, dass der erste COVID-19-Patient in Namibia, der künstliche Beatmung benötigte, nun nicht mehr an einem Beatmungsgerät angeschlossen sei. „Der Patient macht gute Fortschritte“, kündigte der Minister an. Insgesamt gebe es in Namibia 39 bestätigte Fälle, 19 davon hätten sich erholt.

„Unkontrollierbare Katastrophe“

Indes steigt der Druck auf die Regierung von der Geschäftswelt in der Erongo-Region weiter, die eine Lockerung der strengen Ausgangsbeschränkung fordert. „Weltweit wurde bewiesen, dass ein Lockdown weder die Ausbreitung von Covid-19 verhindert, noch hält die Erschließung der Wirtschaft die Ausbreitung auf“, teilte der Walvis Bayer Andreas Maischatz jetzt mit. Er ist der Inhaber des Casa-Mia-Hotels und von dem inzwischen mehr als 90 Tage langen Lockdown in der Hafenstadt schwer betroffen. „Wenn man dazu Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Verbrechen und Unruhen hinzufügt wird dies zu einer völlig unkontrollierbaren Katastrophe führen“, ergänzte er.

„Wir verstehen nicht, warum Omaruru auch jedes Mal dabei ist“, sagte indes Heinz Klittich vom örtlichen Kashana-Restaurant mit Verweis auf die strengen Ausgangsbeschränkung, von der der Ort nicht verschont ist. „Wir versuchen verzweifelt, unser Personal zu halten und niemanden zu entlassen, aber können dies auch nicht mehr lange durchziehen“, fügte er hinzu. Klittich befürchtet außerdem, dass die zahlreichen Entlassungen in der Region zu einem drastischen Anstieg von sozialen Problemen führen würden.

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