23 Juni 2005 | Glosse

Nicht richtig kaltgekriegt

Die Inländer sagen, die hätten in diesem Winter noch nich richtig kaltgekriegt. Dafür haben die Leute an der Küste schon ordentlich gemount, dass die Kälte ihnen feucht aus den Ecken gekrochen ist und ihnen die Matratze von unten angreift.

Echt, wenn das Quecksilber in Swakopmund nachts bis auf 6 "° C sackt und tagsüber nicht über 15 "° C hinauskommt, dann suchst Du dort Wärmflasche, Bodenheizung, Kaminfeuer, Grog und im Tee einen ordentlichen Tott Klipdrift. Jenseits der Nebelgrenze, die sich ja dynamisch hin und her bewegt, aber spätestens über Usakos hinaus hast Du die Sonne, vor der Du Dir wie eine Zwiebel die Woll- und Mohairlagen abpellst, die Du Dir am Morgen angelegt und übergezogen hast. Und wenn das Tagesgestirn schon schräg nach Viere hinter den ersten Baumkronen oder einem Bau eintaucht, der zu hoch ist, kommt die Kälte ganz von selbst wieder aus den Winkeln hervor.

Kälte, so sagt das Schulbuch, ist ein relativer Mangel an fühlbarer Wärme. Und beim Kaltkriegen - vornehm heißt das Kälteempfindung - melden sich die Haut und Schleimhäute und sagen: "Hier findet Abkühlung statt." Die absackende Temperatur löst dort in den Nerven Impulse aus, die das Hirn erregen. Kälte geht buchstäblich auf die Nerven, genauso wie Hitze übrigens.

Derweil wir im Sommer erfahren, dass mit steigender Hitze die geistige Frische, ja die Denkfähigkeit nachlässt und sich die weit verbreitete, herrliche Trägheit der Menschen bemächtigt, so dass sie lekker vrotten, geht das in der kalten Zeit andersrum. Da wird zwar weniger vrott, deshalb die vielen Biltongstreifen von legal und illegal erlegtem Viehzeug an den Drähten, außerhalb der Reichweite von Katzen und Schakalen. Wo wegen Hitze betäubende Schläfrigkeit war, setzen jetzt Kältestarre und Starrsinn ein. Die verringerte Temperatur hemmt körperliche Bewegung

und behindert Arbeit wie Emsigkeit. Für Forscher biologischer Thermik eignen wir uns in Namibia besonders. Allein an unserem Sommer- und Winterverhalten können Wissenschaftlicher stief Thesen aufstellen, mit welcher Fähigkeit der Mensch im Lande der Braven thermische Reize aufnimmt und sie sinngemäß beantwortet.

Das Geheimnis zwischen diesen beiden Extremen liegt dort, wo die frühere Eiserne Lady der Briten, Maggy Thatcher, ihre Kreativität und Vigilanz herholt. "Immer bisschen frieren und bisschen hungern", empfiehlt sie.

Genau in der Verfassung war Maggy, als sie am 1. April 1989 etwas zufällig, aber dennoch nicht zum Scherz in Windhoek war und der Welt dokumentieren konnte, dass der Militärbefehl der ruhmreichen Südwestafrikanischen Volksorganisation einen strategischen faux pas begangen hatte, den viele Kämpfer mit Blut bezahlen mussten. Aber das is ja 'ne ganz andere Storie.

Fest steht, dass wir sommers wie winters mos immer genug Grund zur Erläuterung, nicht Ausreden, haben, was uns hemmt, richtig an die Arbeit zu gehen. Und das Thatcher-Rezept will hier net nich Schule machen. Askese liegt uns fern.

Dafür lieber Biltong mit gelbem Fettrand, Droëwors und mehrere Klare.

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