27 Juni 2018 | Politik

Neuer Ingenieurs-Rat ernannt

Sankwasa: „Voriger Ausschuss hat nicht seinen Zweck erfüllt“

Der neu-ernannte Fachausschuss für das namibische Ingenieurswesen soll die Zulassung und Registrierung lokaler Ingenieure neu bestimmen und 28 Jahre nach der Unabhängigkeit die Prozesse und Kriterien veränderten Umständen anpassen.

Von Frank Steffen, Windhoek

Gemäß dem sogenannten „Engineering Profession Act“ (Gesetz 18 aus dem Jahre 1986), hat das Ministerium für Öffentliche Arbeiten & Transport (MoWT) gestern den neuen Fachausschuss für das namibische Ingenieurswesen ernannt. Laut der überarbeiteten Ausgabe des Gesetzes aus dem Jahre 1996, wird durch dieses Gesetz der Werdegang und die Kriterien für die Registrierung und Anerkennung der Ingenieursausbildung in Namibia bestimmt.

Der Vizeminister des MoWT, Sankwasa James Sankwasa , nahm den Termin war und wies auf die Tatsache, dass es seit 2017 keinen funktionierenden Rat mehr gab: „Der Grund ist darin zu finden, dass die Mitglieder dieses Rats unbefugt waren. Wie kann eine Person, die nicht mal eine Hochschule besucht hat, als Vorsitzender eines solchen Ausschusses die Qualifikationen von Leuten beurteilen, die bereits studiert haben?“ wollte Sankwasa wissen, ging aber nicht auf den Grund ein, warum dann der vorige Vorsitzende, Markus von Jeney, lange Zeit als Ratsmitglied diente.

Der Realität anpassen

Sankwasa monierte die Tatsache, dass der vorige Ausschuss nie die vom Gesetz verlangten Jahresberichte eingereicht habe. Er wiederholte die Vorwürfe, die im Vorjahr seitens einiger Studenten laut wurden: „Die Registration wurde auf ethnischer und rassistischer Basis vorgenommen! Wir haben nicht jahrelang gekämpft (‚struggled‘) damit man uns 28 Jahre nach der Unabhängigkeit weiterhin den Weg zu diesen Berufen verbaut. Manche arbeiten seit 10, 15 und sogar 20 Jahren in diesem Beruf und werden einfach nicht anerkannt.“ Es sei die Pflicht des Rates nicht nur stur nach veralteten Regeln zu arbeiten, sondern sich der Realität anzupassen, laut der die Wählerschaft eine Änderung des Systems verlangt. „Darum ist einer der neuen Ratsmitglieder eine politische Anstellung, denn wir brauchen Leute, die unsere Zielsetzungen unterstützen und verstehen“, meinte der Minister ferner.

System bevorteilt Ausländer

Auf AZ-Nachfrage, inwiefern der neue Rat bei der Auswertung von Qualifikationen von Ingenieuren aus dem Ausland die Unterstützung des Ministeriums genieße und ob das MoWT vorhabe, künftig in erster Linie Namibier anzustellen, ehe es von minder qualifizierten Kräften aus dem Ausland Gebrauch machen werde, antwortete Sankwasa: „Es liegt auf der Hand, dass das bestehende System Ausländer unrechtmäßig bevorteilt. Sie werden einfacher und schneller registriert und brauchen nicht den hohen Ansprüchen zu genügen, die wir an unsere eigenen Leuten stellen. Das muss sich ändern und ist einer der Hauptaufträge des neuen Ausschusses.“ Demnach sollen künftig in erster Linie Namibier eingestellt werden und werde die Rückführung der ausländischen Fachkräfte in ihr Heimatland bereits in der zweiten Woche des Monats Juli 2018 beginnen, angefangen bei den Gastarbeitern aus Sambia.

Xenophobie und Rassismus

Die Kritik an der Anstellung von Kollegen aus den afrikanischen Nachbarländern, dürfe allerdings nie auf Xenophobie oder Rassismus beruhen. „Es ist an der Zeit, dass Schwarz-Afrikaner aufhören sofort andere Schwarze zu kritisieren, nur weil sie aus einem anderen Land in Afrika kommen und dort studiert haben“, forderte der Vize-Minister. Wenn es keine geeigneten Leute im Land gebe, sei es doch selbstverständlich, wenn Menschen aus Afrika zugelassen und somit unbesetzte Posten gefüllt würden.

Untersuchung

Die neuen Mitglieder des Fachausschusses für den Ingenieursberuf in Namibia sind Erastus Iikela, Frederik Holtzhausen, Grant Kloppers, Albertine Shipena, Charles Langford, Martha Kamati-Endjala, Immanuel Kambinda, Katrina Thomas, Jacqueline Mukuka und Dr. Smita Francis. Die neuen Ratsmitglieder und das Ministerium werden in der nächsten Zeit eine Untersuchung anberaumen, da das Ministerium festgestellt habe, dass Staatsprojekte bis zu dreimal so teuer veranschlagt werden, wie ähnliche Projekte in den Nachbarländern Namibias. „Das Endresultat der Untersuchung könnte zu einer ‚schwarzen Liste‘ führen“, schloss Sankwasa.

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