01 März 2010 | Lokales

Neue Schau entpuppt sich als Flop

Windhoek - Die mutmaßlichen Betrüger, die Geld für eine vermeintliche Ausstellung über die "DDR-Kinder" sammeln, weisen jetzt erneut auf eine Ausstellung hin, diesmal an einem anderen Ort. Bei AZ-Recherchen wurden dabei Ungereimtheiten aufgedeckt, die wieder einen Betrug nahelegen.

Vor wenigen Tagen ging bei der AZ eine E-Mail mit einem "offiziellen" Flyer über die "Ex-DDR Kinder Ausstellung" ein, die "vom 31. April bis 14. Mai 2010" im Studio 77 auf dem alten Brauereigelände in Windhoek stattfinden soll. In der Stadt kursieren mehrere dieser Flyer, berichteten AZ-Leser.

Auffällig an dem Flyer ist das futuristische Datum des Ausstellungsbeginns, denn der Monat April hat nur 30 Tage. Außerdem ist auf dem Blatt das Buch "Kind Nr. 95" abgebildet, ohne dass Autorin Lucia Engombe davon weiß. Im AZ-Gespräch stellte sie ausdrücklich klar, dass sie "mit diesen Kriminellen und Lügnern nichts zu tun" habe. Dies bestätigte Alvys Shiweda, Sprecher der Ausstellungsorganisatoren, in einer E-Mail und fügte hinzu: "Der Grund, warum wir das Bild des Buches eingefügt haben, ist, damit es interessanter ist für diejenigen, die diese Information lesen." Das Buch würde, laut Shiweda, bei der geplanten Veranstaltung nicht ausgestellt werden, da das Einverständnis der Autorin nicht vorliege.

Eine Namibia-Besucherin aus Deutschland ließ der AZ Fotos von älteren Flyern über die Ausstellung zukommen, welche ihr von den "Ex-DDR-Kindern" im Dezember 2009 gegeben wurden. Darauf wird als Eröffnungsdatum der 14. Januar und als Ort die "Tulipamwe Galerie" genannt, deren Existenz nicht bekannt ist. Der Text ist derselbe wie in den aktuellen Informationsblättern. Es werden auch zwei Kontaktpersonen mit Telefonnummern genannt. AZ-Nachforschungen haben allerdings ergeben, dass die Festnetznummer zu einem Büro im Hauptsitz von Telecom Namibia gehört und die Mobiltelefonnummer bereits seit Februar 2008 vom Mobilfunknetz abgeschnitten ist.

Tony Figueira, Betreiber des Studio 77, sagte im AZ-Gespräch: "Ich kann leider nichts zu dieser Ausstellung sagen. Alvys Shiweda von den Ex-DDR-Kindern kam auf mich zu und ich hielt die Ausstellung für eine gute Idee. Aber für weitere Infos müssen sie ihn direkt fragen, denn ich stelle nur den Ort zur Verfügung." Nachdem Figueira von der Vorgeschichte und dem mutmaßlichen Betrug erfahren hat, habe er sich mit Shiweda getroffen und meinte, dass die ganze Aktion "doch sehr betrugsverdächtig" sei. Inzwischen habe das Studio 77 alle geschäftlichen Verbindungen mit Shiweda abgebrochen. "Ich möchte deutlich klarstellen, dass das Studio 77 sich von jeglichen Aktivitäten von Personen, die mit den 'Ex-DDR-Kindern' verkehren, distanziert und dass wir niemandem jemals die Erlaubnis erteilt haben, im Namen unserer Galerie Spendengelder zu sammeln", erklärte Figueira in einem Schreiben an die AZ und den deutschen Hörfunk der NBC.

Im August 2009 berichtete die AZ erstmals über zwei bis drei junge Männer, die sich als sogenannte DDR-Kinder ausgeben und im Umfeld der Christuskirche sowie in der Independence Avenue von Windhoek Touristen auf Deutsch ansprechen. Diese bitten sie um Geld, um eine Ausstellung über DDR-Kinder zu finanzieren. AZ-Recherchen haben ergeben, dass keine Ausstellung stattfindet und es sich bei der Sammelaktion um Betrug handelt. Die Polizei arbeitet ebenfalls an diesem Fall.

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