30 Dezember 2004 | Natur & Umwelt

Nerven der Welt liegen blank

"Gebt, gebt, gebt, egal was, alles wird helfen!" Die ersten Reaktionen der eingetroffenen professionellen Helfer in den Flutgebieten rund um den Bengalischen Golf klingen verzweifelt. Selbst die hartgesottensten unter ihnen sagen, sie hätten eine Katastrophe mit diesem Ausmaß noch nie gesehen.

Windhoek - Laut Michael Elmquist, dem Leiter des UN-Hilfsprogramms in Indonesien, sind nach "begründeten Schätzungen" in der indonesischen Provinz Aceh mehr als 50000 Menschen durch die Flutwellen vom Sonntag ums Leben gekommen. Zudem sei er durch die indonesische Regierung davon informiert worden, dass es in der Küstenstadt Meulaboh allein 40000 Opfer gegeben haben könnte. Sollten sich die Befürchtungen des Uno-Vertreters bestätigten, würde die Opferzahl der Naturkatastrophe auf weit über 100000 steigen.

Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond- Föderation (IFRC) schätzen, dass sich die Zahl der Toten durch Seuchen sogar noch verdoppeln könnte. In Indien begannen Impfungen, um Epidemien zu vermeiden. Auf den indischen Nikobaren-Inseln rechnete die Polizei mit bis zu 10000 Toten - jeder fünfte Bewohner ist tot oder wird vermisst. Viele Inseln seien noch immer überflutet.

Auch mehrere tausend Touristen wurden am Mittwoch noch vermisst. Nach Angaben von Bundeskanzler Gerhard Schröder sind darunter allein 1000 Deutsche. Es sei von einer "deutlich dreistelligen Zahl" deutscher Opfer auszugehen. Die Bundesregierung ordnete Trauerbeflaggung an. In Österreich ist der heutige Donnerstag zum Staatstrauertag erklärt worden. In Thailand sind fast drei Viertel der bislang mehr als 1500 Fluttoten nach offiziellen Angaben Ausländer. Nach Befürchtungen der skandinavischen Regierungen hat das Seebeben auch hunderte Menschen aus diesen Ländern das Leben gekostet. Mehr als 2000 Urlauber aus Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark werden vermisst, die der skandinavischen Winternacht entkommen wollten.

Alle internationalen Hilfsorganisationen arbeiten unter Hochdruck daran, die Menschen vor allem mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Zwei Teams des Technischen Hilfswerks THW mit Wasser- und Bergungsexperten trafen in Thailand und Sri Lanka ein. Eine dritte Gruppe reiste am Mittwoch nach Indonesien ab. Die "fliegende Klinik" der Bundeswehr, ein mit medizinischer Technik ausgerüsteter Airbus, sollte in der Nacht zum Donnerstag in Phuket in Thailand landen. Ein zweiter Airbus wird ebenfalls zum "MedEvac" umgerüstet.

Hunderttausende Kinder sind dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zufolge obdachlos und von Krankheiten bedroht. Zahllose Menschen suchten zwischen Trümmern, in überfüllten Krankenhäusern und Leichenhallen verzweifelt nach ihren Angehörigen. In den Katastrophengebieten Sri Lankas werden nach Angaben der Hilfsorganisation World Vision Wasser und Nahrungsmittel knapp.

Die Vereinten Nationen hatten zuvor von einer "überwältigend positiven" Hilfsbereitschaft rund um den Erdball berichtet. Damit soll nun die "größte Hilfsaktion aller Zeiten" finanziert werden. Die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen in dem riesigen Gebiet in Südasien sei allerdings eine Mammutaufgabe, der kein einzelnes Land gewachsen sei. "Da müssen ganze Weltregionen zusammenarbeiten" sagte ein UN-Sprecher gestern. Die Flutkatastrophe müsse ob ihres Ausmaßes als eine "globale Herausforderung" begriffen werden. EU-Kommissar Louis Michel warnte allerdings vor Hysterie. "Bevor man Hilfe leistet, muss man die Bedürfnisse kennen", sagte der Kommissar. "Wenn man in zehn Ländern zugleich helfen muss, erleichtert das nicht gerade die Arbeit", sagt der Belgier.

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