30 Juli 2020 | Wirtschaft

Namibia beantragt IWF-Notfallkredit

Pandemie und Wirtschaftskrise: Regierung steht vor rekordhohem Haushaltsdefizit

Eine jahrelange Konjunkturflaute, eine hartnäckige Dürre und jetzt noch eine Pandemie samt Weltwirtschaftskrise: Zum ersten Mal in der Geschichte Namibias wendet sich die Regierung an den Internationalen Währungsfonds und beantragt einen Kredit, um sich finanziell zu rüsten.

Von J.-M. Duddy und C. von Alten, Windhoek/Washington

Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) Südafrika einen Kredit in Höhe von rund 4,3 Milliarden US-Dollar (ca. 71,2 Mrd. N$) gebilligt hat, wendet nun sich auch Namibia erstmals an die Organisation mit Sitz in Washington. Angesichts der beispiellosen Krise im Zuge der Covid-19-Pandemie hat die namibische Regierung Notdarlehen von umgerechnet 4,5 Mrd. N$ beantragt, bestätigte Finanzminister Ipumbu Shiimi am Dienstag. „Wir hoffen, wir bekommen, worum wir gebeten haben“, sagte er.

In seinem diesjährigen, Ende Mai vorgestellten Haushaltsentwurf hatte Shiimi wegen der Corona-Krise eine mögliche Anleihe in Höhe von 3,23 Mrd. N$ eingeplant. Aufgrund eine langjährigen Wirtschaftsflaute und den gegenwärtigen Umständen stehe die namibische Regierung vor einem Haushaltsdefizit in Höhe von 21,4 Mrd. N$. In den Budgetdokumenten wird im laufenden Finanzjahr mit einer Gesamtverschuldung von 117,5 Mrd. N$ gerechnet, rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem werden die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie tiefe Spuren hinterlassen: Die Zentralbank (Bank of Namibia, BoN) geht in diesem Jahr von einem Einbruch der namibischen Wirtschaft in Höhe von (-)6,9 Prozent aus (AZ berichtete).

Der von Namibia beantragte Kredit ist ein sogenanntes Rapid Financing Instrument (RFI), das der Internationale Währungsfonds eingerichtet hat, um Ländern unter die Arme zu greifen, die in eine Zahlungsbilanzkrise geraten sind, aber über kein ausgereiftes Rückzahlungsprogramm verfügen. „Dieses Finanzierungsinstrument kann für sehr verschiedene dringende Bedürfnisse eingesetzt werden, beispielsweise nach Rohstoffpreisschocks, Naturkatastrophen, Konflikten und anderen Notständen“, erklärt der IWF. „Angesichts des mit der Pandemie verbunden Bedarfs unserer Mitgliedsstaaten haben wir vorübergehend die jährliche Quote von 50 auf 100 Prozent verdoppelt und die kumulative Quote von 100 auf 150 Prozent erhöht.“ Sobald eine Antwort aus Washington vorliege, werde die namibische Regierung die Bedingungen des Kredites abwägen.

Im Rahmen des RFI-Antrages hat Namibia Anspruch auf 192 Millionen Sonderziehungsrechte (SZR oder Special Drawing Rights, SDRs) erhoben. Dabei handelt es sich um Mittel aus dem gleichnamigen Reserveguthaben, das der IWF verwaltet. Der Wechselkurs der Sonderziehungsrechte richtet sich nach den fünf international bedeutendsten Währungen: US-Dollar, Euro, Renminbi (China), Yen (Japan) und Britisches Pfund. Somit ergaben gestern 192 Millionen SZR umgerechnet rund 4,47 Mrd. N$.

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