07 Dezember 2018 | International

Namensvetter am anderen Ende der Welt

Wie zwischen Lüderitz und Lüderitz eine Freundschaft entstand

Die beiden Orte Lüderitz liegen rund 10000 Kilometer voneinander entfernt und könnten unterschiedlicher kaum sein: ein Lüderitz, eine Hafenstadt, liegt an der Atlantikküste, eingeschlossen von den endlosen Weiten der Namib-Wüste im Südwesten von Afrika, das andere Lüderitz ist eine kleine, beschauliche Ortschaft inmitten grüner Landschaft im Norden Deutschlands. Und doch verbindet sie mehr als nur der Name.

Von Antonia Hilpert, Windhoek/Lüderitzbucht

Wegen Sandverwehungen auf der Straße wäre kürzlich ein Termin zweier deutscher Reisender im namibischen Lüderitz fast geplatzt. Zum Glück kamen sie dann doch noch rechtzeitig bei der christlichen Schule an, denn sonst wäre eine rührende Überraschung gescheitert. Benno und Robert hatten nämlich ganz besondere Grüße im Gepäck: ein großes Plakat mit einem Klassenfoto, bunten Handabdrücken und lieben Wünschen von deutschen Grundschülern aus dem knapp 1000-Seelenort Lüderitz, einem kleinen Ort in der Altmark in Sachsen-Anhalt, der Teil der Einheitsgemeinde Tangerhütte ist und rund 50 Kilometer nördlich von Magdeburg liegt.

Dieses jüngste Beispiel illustriert die Beziehung zwischen den beiden gleichnamigen und doch so unterschiedlichen Ortschaften eigentlich ganz gut: Es ist ein gegenseitiges Beschnuppern, eine keimende Freundschaft. Erst kürzlich haben sich die Kommunalvertreter aus Namibia und Deutschland auch offiziell dazu bekannt. Unlängst besuchte außerdem der Honorarkonsul der Republik Namibia für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen die deutsche Ortschaft Lüderitz, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Dabei wussten die beiden Namensvetter lange Zeit gar nichts voneinander.

Ein zweites Lüderitz

Der erste Kontakt kam durch den Journalisten Christian Wohlt aus der Region Altmark zustande. Er hatte auf dem Globus das knapp 10000 Kilometer entfernte, zweite Lüderitz entdeckt und schrieb im Jahr 1990 kurzerhand einen Brief an die dortige Stadtverwaltung. Monate später hielt er die Antwort in den Händen: „Es ist sehr interessant, dass es noch ein zweites Lüderitz auf der Welt gibt“, schrieb eine gewisse Marion Swoboda damals. Der erste Schritt war getan, doch weitere Briefwechsel verliefen zunächst im Sande. Erst im vergangenen Jahr machte Wohlt seinen langgehegten Traum wahr und reiste nach Namibia. Hilaria Mukapuli, die heutige Bürgermeisterin des afrikanischen Lüderitz – unter den Deutschsprachigen des Landes mehrheitlich als Lüderitzbucht bekannt – erfuhr erst durch ihn von der Namensgleichheit.

Die Hafenstadt in Namibia mit mehr als 10000 Einwohnern ist nach dem deutschen Adolf Lüderitz benannt. Der Bremer Kaufmann (1834 - 1886) erwarb 1883 das Gebiet, das später die Kolonie Deutsch-Südwestafrika werden sollte. Er war somit erster deutscher Landbesitzer in Namibia. Dieses Geschäft brachte ihm übrigens den Spitznamen „Lügenfritz“ ein. Denn laut des Kaufvertrages zwischen ihm und dem örtlichen Stammesführer der Nama, Kapitän Cornelius Fredericks, sollten fünf Meilen in alle Richtungen in Lüderitz‘ Besitz übergehen. Allerdings ging Fredericks – wie es damals üblich war – von englischen Meilen aus, Lüderitz rechnete aber in deutschen Meilen, die fast fünfmal so lang waren.

Die Wurzeln jenes Kaufmanns müssten, laut der deutschen Lüderitzer Bürgermeisterin Edith Braun, wiederum in der Altmark liegen. Wie Wohlt von ihr erfuhr, ist es nämlich der Name eines altmärkschen Uradelsgeschlechts, dem auch die deutsche Ortschaft seinen Namen zu verdanken hat.

Gegen Namensänderung protestiert

Das namibische Lüderitz versprüht bis heute deutsches Flair: Bauwerke aus der Kolonialzeit, wie die evangelisch-lutherische Felsenkirche oder das Goerke-Haus und deutsche Namen auf den Straßenschildern prägen das Stadtbild und machen den Ort einzigartig. Neben der Fischerei gilt mittlerweile auch der Tourismus als wichtige Einnahmequelle. So ist es nicht verwunderlich, dass die „Buchter“ auf die Straße gingen und protestierten, als die Regierung vor einigen Jahren erwog den Ortsnamen zu ändern. Die Einwohner setzen sich schließlich durch.

Bei seinem Aufenthalt in Namibia fragte Wohlt auch nach Marion Swoboda, die damals seinen ersten Brief aus dem fernen Afrika beantwortet hatte und wurde fündig: „Meine Tochter hat den Brief damals geschrieben, weil mein Deutsch nicht perfekt ist“, berichtete ihm Elisabeth Swoboda, die damals in der Stadtverwaltung tätig war. Die Schwarz-Weiß-Fotos, die Wohlt dem Brief vor 28 Jahren beigelegt hat, bewahrt sie laut eigener Aussage bis heute in ihrem Schreibtisch auf.

Freundschaft mit diplomatischer Hilfe

Auch von afrikanischer Seite gibt es Anstrengungen die partnerschaftlichen Kontakte zwischen den beiden Lüderitz auszubauen und voranzutreiben. Bruno de Comarmond, der Marketing-Leiter des Nesthotels, hat als Vertreter des namibischen Lüderitz bereits zweimal die Altmark besucht und sich mit der Bürgermeisterin des deutschen Lüderitz getroffen. Daraufhin kündigte sich dort hoher Besuch an: der örtliche Honorarkonsul der Republik Namibia, Burchard Führer. Die freundschaftlichen Bande werden seitdem also auch mit diplomatischer Hilfe geknüpft. In seiner ehrenamtlichen Kapazität setzt sich der Honorarkonsul für wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Anliegen beider Staaten ein. Bei seinem Besuch sprach er davon, dass eine offizielle Städtepartnerschaft auf politischer Ebene meist nicht mit Leben erfüllt werde. So etwas funktioniere nur im kleinen, zwischenmenschlichen Bereich. So einigte man sich auf eine „Freundschaft“. Das hat auch den Vorteil, dass die Orte nicht den Verpflichtungen einer offiziellen Partnerschaft nachkommen müssen – gerade das deutsche Lüderitz ist schließlich doch recht überschaubar.

Bei dem Treffen kamen viele Ideen auf den Tisch, wie die Freundschaft konkret gelebt werden kann: Schulklassen könnten gemeinsame Unterrichtsstunden via Skype organisieren, Vereine aller Art könnten in Verbindung treten und außerdem wurde über einen Austausch an Arbeitskräften nachgedacht.

Im weiteren, namibischen Sinne gibt es auch schon ein konkretes Projekt: Im kommenden Mai ist ein Besuch der bekannten A-cappella-Gruppe „African Vocals“ aus Swakopmund in der Altmark geplant. Es soll einen Chor-Workshop und anschließend ein Konzert geben.

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