24 Mai 2019 | Tourismus

Nachhaltiges Kunsthandwerk

Katrin Bockmühl verkauft Kunsthandwerk aus recycelten Materialien. Das kommt nicht nur der Umwelt zu Gute, sondern auch ihren Mitarbeitern.

Von Lisa Plank

Windhoek

In einer kleinen Werkstatt auf der Farm Krumhuk sitzt Epafras Haihambo. Gedankenverloren pinselt er Farbe in das Innere einer Schüssel. Dass in dem Schuppen tatkräftig gearbeitet wird, sieht man. In den Regalen und auf dem Tisch stehen Farbbecher, daneben Schüsseln und Schälchen aus Pappmaché, die darauf warten, dekoriert zu werden. Aus recycelten Materialien entstehen hier die Produkte von Kabo Crafts.

Die Idee, aus wiederverwerteten Materialien Kunst zu machen, stammt von Katrin Bockmühl. Sie lebt auf Krumhuk, dort arbeiten Epafras und Memory Haihambo für sie. „Ich will mit den Materialien arbeiten, die wir im Land haben und so den Menschen vor Ort ein Einkommen ermöglichen“, erklärt sie. „Wir haben hier so viel Potenzial, das sollten wir nutzen.“ Im Jahr 2004 gründete sie deshalb Kabo Crafts, seitdem produziert sie Kunsthandwerk aus recycelten und lokalen Materialien.

Bevor Katrin Bockmühl ihr Unternehmen gründete, studierte sie Grafikdesign in Kapstadt. Als sie nach Windhoek zurückkehrte, arbeitete sie zuerst bei einer Druckerei, danach beim Fernsehen. „Das Interesse am Kunsthandwerk entwickelte sich durch meine Kinder, mit denen habe ich immer gebastelt“, erinnert sie sich. Als die Waldorfschule in Windhoek gegründet wurde, begann sie, dort „Textile, Arts and Crafts“ zu unterrichten, später gründete sie ein Geschäft in Windhoek. Ihre Waren bot sie anfangs im eigenen Laden an, danach ging sie damit auf Märkte. Seit 2015 hat sie einen Stand im Windhoeker Craft Center.

Bei der Anfertigung ihrer Stücke ist sie mittlerweile auf die Unterstützung ihrer Angestellten angewiesen. „Ich entwickle die Produkte, damit meine Mitarbeiter die Technik übernehmen können“, so Bockmühl. Dass Epafras und seine Frau Memory einmal Kunsthandwerk herstellen, plante sie jedoch nicht. „Die beiden kamen aus dem Norden nach Windhoek, Epafras hat sogar die Schule abgeschlossen und wollte Ingenieur werden“, erzählt sie. Bei Katrin Bockmühl arbeitet Epafras zunächst im Garten, Memory ist für den Haushalt zuständig. „Ich wollte nicht, dass Epafras nur im Garten rumhackt. Deshalb habe überlegt, wie ich die beiden mehr fördern kann“, erzählt sie. Bis dahin hatten beiden noch nie kreativ gearbeitet. „Am Anfang habe ich erst einmal mit ihnen geübt: Formen zeichnen, Farbenlehre und Pinselpflege zum Beispiel.“ An der neuen Tätigkeit finden sie schnell Freude. „Mittlerweile sind sie so fingerfertig, dass sie die Sachen viel besser machen können als ich“, erzählt sie stolz. „Trotzdem kontrolliere ich die Stücke noch einmal, bevor ich sie verkaufe.“

Die Schälchen, die Epafras an diesem Vormittag lackiert, bestehen aus Pappmaché. Zuvor hat seine Frau dafür geschreddertes Papier in Wasser eingeweicht und es mit Klebstoff und etwas Farbe vermengt. Mit routinierten Handgriffen drückt Memory die klebrige Masse in einen Korb, danach lässt sie sie in der Sonne trocknen. Die Schüsseln und Teller erhalten dadurch die einzigartige Struktur des Korbes.

Ist das Pappmaché getrocknet, pellt es Memory vorsichtig aus den Körben. „Im Winter ist die Sonne schwächer, da kann es manchmal eine Woche dauern, bis das Pappmaché trocken ist. Normalerweise dauert es aber nur einen Tag“, erklärt Bockmühl. Bei der Gestaltung der Produkte kommen wieder recycelte Materialien zum Einsatz. Vor der Werkstatt werden benutzte Teebeutel aus dem Gästehaus in Krumhuk getrocknet. „Es ist wichtig, dass die Teebeutel in der Sonne liegen. Dann zieht die Farbe des Rooibos-Tees in den Beutel und es entsteht ein schönes Muster“, erklärt Katrin Bockmühl. Sind die Teebeutel trocken, reist Memory sie vorsichtig an den Nähten auf. Weggeworfen wird nichts, alles kann wiederverwendet werden. Mit einer Hand drückt Epafras einen Teebeutel auf einen der Rohlinge, mit der anderen Hand pinselt er darauf Klebstoff. Wenn er fertig ist, schmückt ein einzigartiges Muster in hellen Brauntönen auf dem Schälchen. Dass das Stück aus Pappmaché besteht, ahnt man nicht. Erst wenn man es in die Hand nimmt, wird klar, wie leicht das Schälchen ist.

Katrin Bockmühl möchte ihren Kunden jedoch Abwechslung bieten. „Das Wichtigste ist, dass man nicht stehen bleibt“, erklärt sie. Die Schalen, Schüsseln und Teller in ihrem Sortiment werden deshalb nicht nur mit den Teebeuteln dekoriert, sondern auch mit losem Rooibos-Tee, Kalahari-Sand, afrikanischen Stoffen und bunten Farben.

Ein besonderer Hingucker sind ihre „vegetarischen Trophäen“, wie Katrin Bockmühl sie schmunzelnd beschreibt. Dafür wird ein Drahtgestell in Form eines Tierkopfes mit Stoff und Pappmaché überzogen, das anschließend bemalt oder beklebt wird. Um ihre außergewöhnlichen Ideen umzusetzen, arbeitet sie auch mit anderen Künstlern und Handwerkern zusammen. „An einem Produkt verdienen teilweise bis zu drei Künstler“, erklärt sie zufrieden.

Ihr Handwerk hat sie nicht nur ihren beiden Mitarbeitern auf Krumhuk nähergebracht: Auch in Katutura und im Norden Namibias konnte sie bereits Workshops leiten. „Wenn man professionell und qualitativ hochwertig arbeitet, kann man mit dieser Arbeit genug Geld verdienen, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren“, betont sie. Dass Katrin Bockmühl auch auf ihre Workshops viel positive Resonanz erhält, freut sie deshalb sehr. Es zeigt ihr, dass sie ihr Ziel, die Menschen vor Ort zu fördern, erreicht hat.

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