13 Februar 2007 | Lokales

Nach Odyssee in Afrika: Rommels Gefechtswagen wieder komplett

Von Leipzig fesselte insgesamt rund 320 Zuhörer mit den Erzählungen von seiner eineinhalbjährigen Zeit als Gefechtsfahrer im Rang eines Unteroffiziers beim damaligen General des Afrikakorps und späteren Feldmarschall Erwin Rommel, auch bekannt als "Wüstenfuchs", im Zweiten Weltkrieg. Diesen beschrieb von Leipzig als einen pflichtbewussten und fairen Offizier, der seinen Soldaten viel abverlangte, sich selbst aber auch nie schonte.

Die Engländer, so von Leipzig, hätten auf seinen Kopf eine hohe Belohung von mehreren tausend Pfund ausgesetzt gehabt, zollten aber dem deutschen Heerführer großen Respekt. Das von Rommel nach dem Ersten Weltkrieg verfasste Lehrbuch "Infanterie greift an" wurde zur Pflichtlektüre vieler Armeen, u.a. der Russen. Als Fahrer an Rommels Seite habe er viel gelernt und Erlebnisse gehabt, die wohl kaum ein anderer Fahrer im Zweiten Weltkrieg gemacht habe.

Von Leipzig: "Im Laufe der Zeit bildete sich ein großes Vertrauensverhältnis zwischen meinem Vorgesetzten und mir, so dass er in manchen schwierigen Situationen nach meiner Meinung fragte." Bei den Vorbereitungen auf dem Wasserweg für den Feldzug in Nordafrika habe auf den Schiffen strenge Disziplin geherrscht.

Kein Soldat durfte unter Deck, jeder musste seine Schwimmweste anlegen - das habe auch seinen Grund gehabt, wenn es auch bei der vorherrschenden großen Hitze manchmal unerträglich gewesen sei. "Aber die Gefahr, dass wir von einem englischen Torpedo getroffen werden, war groß", berichtete von Leipzig, "und wenn, dann hätten wir sofort über Bord springen müssen".

Einmal habe es nachts laut gekracht. Einige Kameraden seien schon gesprungen, es stellte sich jedoch heraus, dass sie von einem als Begleitboot eingesetzten italienischen Torpedoboot gerammt wurden. "Blinder Alarm, die Fahrt konnte trotz des großen Schadens am nächsten Tag fortgesetzt werden." Von Leipzig wurde als Meldefahrer in der Gefechtsstaffel Rommels eingeteilt.

Der erste Gefechtsstand befand sich ca. 40 bis 60 Kilometer östlich der von den Engländern gehaltenen Festung Tobruk. Nachdem Rommels erster Fahrer schwer verwundet wurde, erinnerte sich ein Offizier, dass von Leipzig gebürtiger Namibier ist und schon saß er am nächsten Tag um 6 Uhr allein mit Rommel im Wagen. Es war eine richtige Testfahrt Richtung Westen zur Erkundung englischer Stellungen. Von Leipzig: "Rommel sagte erst zu mir: ,schneller, schneller '.

Später, als wir uns besser kannten, sagte er morgens in seinem schwäbischen Dialekt: ,Leipzig, mir habet Zeit'". Von Leipzig sah plötzlich vor sich einen Minengürtel gegen Panzer und hielt an. Rommel und sein neuer Fahrer betrachteten die Lage, dann fragte Rommel: "Kommen wir da durch?" Von Leipzig meinte: "Jawohl." Dann stieg der General aus und wies, zwischen den Minen gehend, von Leipzig ein, so dass sie unbeschadet die andere Seite erreichten.

Nach einigen Kilometern aber begann Artilleriefeuer, das schnell näher kam - man hatte das Fahrzeug bemerkt. "Kehrt marsch!", befahl Rommel, und nun kam es von Leipzig zugute, dass er auf einer Farm aufgewachsen war und Spuren lesen konnte. Er raste auf der eigenen Spur zurück - wieder, diesmal ohne Einweisung, durch das Minenfeld. Ein Problem gab es dennoch: Als er Vollgas gab, hat er gespürt, dass beide Vorderreifen zerschossen waren. An Bord war nur ein Ersatzreifen. Nichts wie hin zum nächsten Feldflughafen.

"Und dann", so berichtet von Leipzig weiter, "sah man, was so ein Name wie Rommel alles ausmacht. Nicht nur zwei neue Reifen, sogar zwei Ersatzreifen packte man in unser Auto". Für Reichsmarschälle wurde eine beschränkte Zahl von Kfz-Sondermodellen gebaut, entweder Horch oder Steyr. Rommel hat einen Kübelwagen mit Vierradantrieb besessen, ein Benziner mit äußerst kräftigem Motor. Von Leipzig: "An diesen Wagen wurden die allerhöchsten Ansprüche gestellt, wir waren manchmal mehrere Tage ohne Pause damit unterwegs. Einmal kamen wir drei Tage nicht zum Schlafen.
Dann hielten wir uns mit so genannten ,Energiebomben ' wach. Zu Rommels Ausstattung haben auch immer ein Ersatzwagen und ein Panzerspähwagen mit Funkausrüstung gehört. Dann und wann begleitete ihn ein ,Fieseler Storch', den Rommel auch öfter selbst flog. Beim Vormarsch erkundete der Pilot die feindlichen Bewegungen und meldete sie an den Gefechtsstand.

Manchmal wurde der Fieseler Storch auch nur gebraucht, um Staub aufzuwirbeln und damit die eigene Panzerstärke zu vertuschen." Die größte Probe habe der Motor des Wagens bestanden, als Rommel eine steile Sanddüne hinaufwollte. Auf halber Höhe war der Motor schon heiß und klopfte, aber Rommel drängte: "Weiter, weiter!" "Oben angekommen öffnete ich die Kühlerhaube und ich sah nur noch rote Sternchen vom Motorblock nach allen Seiten spritzen.

Während Rommel die Lage peilte, versuchte ich den Motor langsam abzukühlen, dachte aber dabei, dass dieser Wagen es nicht mehr schaffen würde. Jedoch, er sprang wieder an und ich fuhr ihn noch monatelang bis zum Ende des Feldzugs", erinnert sich von Leipzig. Es habe auch kritische Momente gegeben, führte er aus. Er erwähnte das Beispiel mit El Alamein, als von 250 Panzern nur noch drei einsatzbereit waren. Hinzu kam, dass die Soldaten völlig überfordert waren. Hier war es dann auch zum Stillstand gekommen. Über Rommels Wagen gibt es eine besondere Geschichte, die für Schlagzeilen gesorgt hat.

Das Fahrzeug ist bis 1943 von ihm gefahren worden, am 13. Mai 1943 wurde der Wagen Beute der Engländer. Viele Jahre später suchte Michael Gibb, ein in Südafrika geborener und aufgewachsener Brite und Sammler alter Kriegsfahrzeuge, Ersatzteile und hörte von einem Sammler in Kenia, dass er diese dort bekommen könnte.

Als er dort war, sah er ein altes, abgewracktes Auto unter einem Baum stehen. Dieses sollte er kaufen, wenn er die gewünschten Ersatzteile haben wolle. Er nahm das alte Auto eben dazu. Daheim angekommen stellte er dann doch Nachforschungen an, um was für einen Wagen es sich handelt. Anhand von vorhandenen Motor- und Fahrgestellnummern und nach Prüfung der in Deutschland während des Krieges akribisch erstellten und noch vorhandenen Unterlagen konnte einwandfrei nachgewiesen werden, dass es sich um das letzte Gefechtsfahrzeug des Generalfeldmarschalls handelte.

Was für ein Fund! Nun hatte man durch Fernsehberichte von Leipzig als Fahrer des Wagens ausgemacht und schrieb ihn an, ob er sich an diese oder jene Einzelheit erinnern könne. Von Leipzig glaubte, die Leute wären einem Schwindler aufgesessen und antwortete zwei Jahre lang nicht. Schließlich bat der Restaurator, der seine Werkstatt nahe Berlin hat, ob er persönlich nach Namibia kommen könne.

Er reiste an und fand bei von Leipzig noch vorhandenen alten Fotos genau die Dinge, die er bisher nicht genau wusste. Innerhalb von viereinhalb Jahren konnte der Wagen in mühevoller Arbeit originalgetreu wieder hergestellt werden. Der Wagen wurde auf der Messe "Techno Classica" in Essen gezeigt, von Leipzig wurde zur Eröffnung nach Deutschland eingeladen. Er berichtete: "Hier waren Idealisten am Werk. Jede Mutter, jedes Schräubchen, alles per Hand gemacht, den Wert kann man nur schätzen." Als der ehemalige Fahrer Rommels in dem Wagen Platz genommen hatte, wusste er noch genau, wo welcher Griff, jedes Teilchen sich befunden haben.

Und sofort stellte er fest, dass etwas fehlte, nämlich der Kompass. Die neuen Besitzer reagierten schnell und zauberten aus einem Hubschrauber einen Kompass herbei - nun war der Gefechtswagen wieder komplett.

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