30 Juni 2019 | Sport

„Müssen es für Deutschland reißen“

Hamburg (dpa) - An ihre neue Rolle als große Hoffnungsträger der deutschen Beachvolleyball-Männer müssen sich die Youngster erst noch gewöhnen. Der 22-jährige Julius Thole und sein zwei Jahre älterer Teamkollege Clemens Wickler sind von der ungewohnten Erwartungshaltung hin- und hergerissen. „Es ist schon eine neue Situation, wenn man plötzlich hört, Thole/Wickler müssen es für Deutschland reißen“, sagte 2,06-Meter-Mann Thole nach dem kuriosen Auftakt bei der Heim-Weltmeisterschaft erstaunt. Anders als für Weltmeisterin und Olympiasiegerin Laura Ludwig ist die Rolle als Fan-Liebling völlig ungewohnt für das aufstrebende Hamburger Duo.
So quälten sich Thole/Wickler in ihrem ersten WM-Spiel mit viel Nervenflattern zu einem 2:0 gegen Außenseiter Ruanda. „Ich konnte die Nervosität die ganze Zeit nicht ablegen“, gestand Abwehrspieler Wickler. Für Chefbundestrainer Martin Olejnak sind die Aufsteiger das Duo der Zukunft, dem er aber auch schon bei der Heim-WM einen Ausreißer nach oben zutraut. „Sie sind viel stabiler geworden“, sagte der Slowake. Im Vorjahr gelang dem Duo beim Welttourfinale ebenfalls in Hamburg mit dem sensationellen Durchmarsch bis ins Halbfinale der Durchbruch auf der internationalen Bühne. Danach gelangen plötzlich auch auf der Welttour Siege gegen Spitzenteams.
„So unbeschwert wie im Vorjahr konnten wir hier beim Auftakt nicht mehr aufspielen“, sagte Wickler nun: „Ich habe mich nicht so richtig wohlgefühlt.“ Dazu kam eine ungewöhnliche 15-Minuten-Pause, als im Auftaktmatch zu Beginn des zweiten Satzes das defekte Netz ersetzt werden musste. Zum Spaß für die Fans spielten sich Wickler und Thole den Ball mit den Unterarmen zu wie Kinder. Dennoch stellte sich die Lockerheit noch nicht ein, das neue Erwartungsgefühl blieb im Kopf. „Ich habe es probiert wegzuschieben. Aber unterbewusst ist es doch da“, verriet Wickler.
Der Junge vom Starnberger See hatte in den vergangenen Jahren schon einige Male am Startpunkt einer möglicherweise größeren Karriere gestanden. Mit Armin Dollinger (2015) und Tim Holler (2017) wurde er in Timmendorfer Strand deutscher Meister. Doch erst gemeinsam mit dem Jura-Studenten Thole startete er durch, holte im Vorjahr wieder den nationalen Titel. U18-Weltmeister Thole kam zunächst über die nationale und europäische Beachserie nicht hinaus.
Jetzt setzt der Deutsche Volleyball-Verband auch für Olympia 2020 voll auf die Karte Thole/Wickler. Sportpsychologin Anett Szigeti, die mit am Olympiasieg von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst beteiligt war, ist im großen Betreuerteam. Und neuerdings mischt auch Jürgen Wagner mit, der als Chefcoach Ludwig/Walkenhorst und zuvor Julius Brink und Jonas Reckermann zu olympischen Champions gemacht hatte.
Brink hält es nun für möglich, dass Thole/Wickler in Hamburg „das Zünglein an der Waage bei der Vergabe der Medaillen“ sein könnten. So weit wollen die Hoffnungsträger noch nicht denken. „Wir haben uns nicht auf eine Platzierung als Ziel festgelegt. Das Feld bei den Männern ist sehr eng. Wir setzen uns immer kleine Ziele, wollen nun als Erster oder Zweiter aus der Gruppe rauskommen“, sagte Thole.
(Foto: dpa)

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