20 Mai 2019 | Polizei & Gericht

Mordwaffe von NIMT-Attentäter gefunden

Sonderkommission der Polizei erlangt weitere Indizien gegen Angeklagten

Der Polizei ist es offenbar gelungen, die Mordwaffe sicherzustellen, die bei dem Attentat gegen die beiden NIMT-Führungskräfte Eckhart Mueller und Heimo Hellwig eingesetzt wurde. Zusätzliche Indizien sollen den Tatverdacht gegen den Angeklagten erhärten.

Von Frank Steffen, Windhoek/Arandis

Vor weniger als zwei Wochen ist der 57-jährige Ernst Lichtenstrasser vor Gericht erschienen und formal wegen des Doppelmordes angeklagt worden. Der Beschuldigte, der angeblich zunächst als Lehrer bei NIMT entlassen und dann gegen seinen Willen von Tsumeb nach Keetmanshoop versetzt wurde, bestreitet die Tat, wird aber nun durch zusätzliche Indizien schwer belastet.

Wie die AZ aus einer zuverlässigen Quelle im Umfeld der Ermittlungen erfahren hat, konnte die Polizei inzwischen diverse Hinweise zusammentragen, die für eine Täterschaft des Angeklagten sprechen. Dazu soll die Aussage eines Zeugen gehören, der Lichtenstrasser in zeitlicher Nähe zu dem Attentat unweit des Campus von NIMT (Namibia Institute of Mining Technology) gesehen haben will. Ferner soll dieser selbst angedeutet haben, dass er sich tatsächlich während dieser Zeit in der Umgebung aufgehalten habe – allerdings um über einen Streit mit seiner Frau und seine Zukunft als Angestellter von NIMT nachzudenken.

Die Ermittler sollen die Spuren des Täters vom NIMT-Campus zur Hauptstraße rekonstruiert und dann in Richtung Süden zurückverfolgt haben. Anschließend haben sie angeblich zwei Tage lang auf der Suche nach der Tatwaffe die Wüste durchstreift und jene dort schließlich geortet.

Der Quelle zufolge habe Lichtenstrasser sogar zugegeben, er sei den beiden Opfern feindlich gesinnt gewesen. Ferner hätten Recherchen ergeben, er habe in der Woche vor dem Attentat auf einer Farm bei Tsumeb intensives Zielschießen geübt und sei am Abend vor dem am 15. April 2019 verübten Doppelmord mit einer Waffe gesehen worden.

Lichtenstrasser versteht sich selbst offenbar als Weltklasse-Techniker. Der gebürtige Österreicher wurde dort und in anderen europäischen Ländern angeblich ausgebildet. Er scheint vor Namibias Unabhängigkeit Mitglied des PLAN-Militärflügels der SWAPO-Partei gewesen und als Kriegsveteran registriert zu sein. Ferner soll er angeben haben, er habe eine militärische Spezialausbildung erhalten und sei zum Scharfschützen und Wirtschaftssaboteur ausgebildet worden.

Das würde erklären, warum er angeblich an der Gründung einer Interessengemeinschaft beteiligt war, die sich offenbar zum Ziel gesetzt hat, die NIMT-Führung zu stürzen. Obwohl er die Tat leugnet, soll er angegeben haben, in der Lage zu sein, die Morde nach dem angewandten Modus Operandi durchzuführen. Diese wurden nach Einschätzung der Polizei von einem Spezialisten geplant und vollstreckt, worauf unter anderem die Methodik des Angriffs und die Gruppierung der Schüsse schließen ließen.

Lichtenstrasser befindet sich in Polizeigewahrsam seitdem er vor knapp fünf Wochen des illegalen Besitzes von zwei Patronen mit Kaliber .22 angeklagt wurde. Die Polizei hatte anschließend zwar eingeräumt, dass er auch im Falle des NIMT-Attentats „eine Person von Interesse“ sei, aber danach lange Zeit Berichte dementiert, wonach er als Tatverdächtiger gelte oder eine juristische Strafverfolgung gegen ihn vorbereitet werde.

Am 8. Mai wurde Lichtenstrasser schließlich am Magistratsgericht in Swakopmund formal des Mordes an Mueller und Hellwig angeklagt. Dort beteuerte er gegenüber Medienvertretern seine Unschuld und gab an, die Polizei habe „den Falschen“ festgenommen.

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