21 Mai 2013 | Polizei & Gericht

Mit Waffe im Gesicht geweckt

Die am Samstag beraubten deutschen Staatsbürger sind keine Touristen. „Die Angaben der Polizei waren falsch. Wir sind Mitglieder der Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen (Dentists Without Limits Foundation, DWLF)“, erklärte gestern Dr. Marcus Schifferdecker im AZ-Telefongespräch aus Grootfontein, der eigenen Angaben zufolge seit schon mehr als 20 Jahren Namibia bereist. „Ich bin gegen 1.30 Uhr mit einem Gewehrkolben im Mund und einer Pistole am Kopf aufgewacht. Daraufhin wurden meine Gehilfin und ich von drei bewaffneten Männern aus dem Zelt gezerrt. Mich schlugen sie in den Magen“, schilderte Schifferdecker, was seiner Assistentin, Stefanie Locher, und ihm am Samstag auf einem Campingplatz in Okahandja wiederfahren sei. Die Polizei hatte berichtet, dass der zuständige Wachmann von den Tätern zuvor gefesselt und geknebelt wurde. „Sie haben uns alles geklaut: Kameras, Laptops, iPad, Reisepässe, 4000 Euro Bargeld, einfach alles“, so Schifferdecker. Insgesamt belaufe sich der Wert des gesamten Diebesguts auf 22800 Euro (nahezu 279000 N$). „Wir wurden hinten in die Kabine unseres Fahrzeugs gesperrt, damit sich die Täter einen Vorsprung verschaffen und fliehen konnten. Dabei haben sie auch meinen Koffer mitgenommen“, so der Bundesbürger aus Freiburg, und: „Den Schlüssel unseres Wagens hatte ich zum Glück versteckt, sonst hätten sie diesen auch mitgenommen.“ Das DWLF-Mitglied macht kein Geheimnis daraus, dass er den Angestellten des Sicherheitsdienstes verdächtigt. „Die Täter wussten genau, wo wir liegen und dass wir viele Wertsachen dabei haben. (…) Ich vermute, der Wachmann hat die Informationen geliefert, sich fesseln lassen und erst auf sich aufmerksam gemacht, als die Polizei auftauchte. (…) Er hat weder auf unsere Hilferufe reagiert noch den Eindruck erweckt, seinen ‚Angreifern' Widerstand geleistet zu haben“, so Schifferdecker. Der Freiburger ist laut eigenen Angaben der Projektleiter Namibias für die Stiftung. „Die Organisation bietet bedürftigen Menschen in armen Ländern zahnmedizinische Versorgung“, erklärt Schifferdecker. Laut dem Projektleiter ist die Stiftung auf eigene Kosten in Namibia aktiv und erhält von der Regierung lediglich eine gewisse Vergünstigung, was Unterkunft und Verpflegung betrifft. „Zurzeit arbeiten wir nur in der Otjozondjupa-Region“, so Schifferdecker. Am Sonntag hatte die Polizei die Kriminalstatistik vom Wochenende präsentiert und von „zwei deutschen Touristen“ berichtet, die mit vorgehaltener Waffe beraubt wurden. Dabei wurde das gestohlene Bargeld mit einem Gesamtwert von rund 7800 Namibia-Dollar angegeben (AZ berichtete). Eine Festnahme hat es bisher laut Polizei nicht gegeben. Von Clemens von Alten, Windhoek

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