15 April 2021 | Glosse

Mit steifem Ostwind und Corona leben lernen

Die Küstenbewohner ham im vergangenen Jahr stief lamentiert, dass der Ostwind sommer so `nen Großteil des Winters eingenommen hätte. Und dass dazu in der chronischen Corona-Festungshaft, als Tsôaxhobmund und Walfisch-Bayern Monate lang zum Sperrgebiet, zur No-Go-Area, geworden waren. Man hatte ja gehofft, dass zünftiger Ostwind mit ordentlichem Sandgebläse alle Covid-Corona-Xhochas gegen die aufbäumende Brandung ins Meer scheuchen würde, dass der Gischt vom Kamm jeder Welle nach Westen abflattert und die Viren im Benguala-Strom ersaufen. Aber das war wohl nix.

Jetzt is der Ostwind aber wieder voll an der Küste eingetroffen, so dass alle feucht-muffigen Ecken im Winterschatten austrocknen und die Leut sich wieder nach erfrischendem Nebel sehnen. Nach Nebel, den se ansonsten als Witterung wegwünschen, obwohl die Nieseltropfen die Altersfalten im Teint der Frauenzimmer etwas hinauszögern. Beim Bergwind aus der Wüste hat der seinerzeit Verborgene am Kuiseb, Henno Martin, vom Atem des großen Kontinents gesprochen: „Der große Kontinent atmet aus.“ Und der fallende Wind kommt regel- und unregelmäßig wieder. Manchmal schafft`s der Ostwind bis nach Arandis und Gobabeb und die Küstenstädte bleiben bei schönstem Bilderbuchwetter verschont.

Wenn sie nich übertrieben ham, schreiben die Swakopmunder in diesem Jahr auf dem Thermometer sowahr Rekorde, die man ansonsten nur von ganz weit weg am Oranje gehört hat: 45 °C! Besucher der Wüstenforschungsstation Gobabeb zwischen den Dünen, der Rivieroase des Kuiseb und den Kiesflächen nördlich ham Ende Januar vor rund 20 Jahren einen Hitzerekord erfahren und überlebt, als es so gut wie keine Klima-Anlage an dem Flecken gab. Aber das Kühlaggregat hat immerhin für kühles Bier am Abend gesorgt. Am Wendekreis des Steinbocks is der damalige Hitzrekord gewiss schon erwähnt worden. Unerwartet und unüblich für Ende Januar kam an dem Besuchersamstag 6o km hinter Walvis Bay am Kuisb plötzlich ein Hochofen-Ostwind auf, gnädiglich ohne Sandgebläse, der Mannsen und Weibsen japsen und schwitzen ließ. Die damalige Chefin der Wüstenforschung, die sehnige und zählebige Mary Seely, ermahnte jeden Besucher, ständig aus der Wasserflasche zu süffeln, so dass niemand mit Dehydrierkollaps oder im Hitzekoller im Wüstensand verenden würde. Gobabeb erfuhr gerade seinen Hitzerekord für den damals notierten Zeitraum ab 1958, als das Wüstenforschungsinstitut gegründet worden war. Mary Seely überreichte jedem Besucher am Tage seiner Abfahrt ein namentliches Zertifikat, dass er oder sie die bis dahin höchst aufgezeichnete Temperatur überlebt habe, nämlich 45 °C. Was sollen die Empfänger jener Urkunden denn jetzt tun, da ihr Hitzerekord sommer so in Tsôaxhaobmund eingeholt wurde? Ratschlag: Net nich nach Swakop fahr´n.

Wenn der Ostwind mit voller Wucht losbricht, dann müssen die Eisenbahner bei Kolmanskop schaufeln, allerdings mit wenig Hoffnung, dasse heute noch `nen Diamanten finden. Und müssen die Autofahrer zwischen Walvis Bay und Swakop langsamer fahren, um den Sandschliff auf der Windschutzscheibe zu vermeiden, wobei auch das Lampenglas der Tjorries iesie zu Milchglas geschmirgelt wird.

Und es is überliefert, dass vor Jahren, als die Leut noch mit der Eisenbahn ohne Entgleisung nach Swakopmund gefahren sind, dass eine Frau aus dem Ostkap angereist kam, um Familie und Enkel zu besuchen. Der Zug fuhr bei planmäßiger Ankunft 6 Uhr morgens noch in der Dunkelheit und bei tosendem Sandgebläse für Frisur, Nase und Ohr auf dem Kopfbahnhof ein. „Is das vielleicht `n Wetter, Deine Schwiegermutter (skoonma) zu begrüßen!“ - So ihre Bemerkung gegenüber dem Schwiegersohn.

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