21 Juni 2018 | Meinung

Mit Kopfputz gerüstet - für was auch immer kommen mag

Wo Worte nich mehr reichen wollen, da muss prägender Kopfputz her. Und der Putz taugt auch noch in einer Zeit, da die Geschlechter sich immer mehr ähneln sollen, immer mehr gleichgestellt sein sollen. Inzwischen is der englische Begriff „Gender“ (Dschender) weitgehend eingedeutscht.

Zu welchen Anlass kleiden sich die Leut´ mit besonderem Kopfputz? Bei der Nationalratsvorsitzenden Meme Margret Mensah-Williams spielt die Garderobe mit passender Kopfbedeckung stets dominante Rolle, die ihr Publikum net nich anzufechten wagt. So tritt sie mit Nachdruck auf, um wie jüngst in Otjiwarongo oder zuvor in Keetmanshoop vor besuchenden Nationalräten der ständigen Ausschüsse für Armutsbekämpfung, Gender und Jugend sowie Information Alarm zu schlagen, dass trotz Regierungsbemühen die Armut unter Kindern und „anderen marginalisierten Gruppen“ immer mehr zunehme. Die Frage is, ob es Madam Mensah in ihrem Kostüm geschafft hat, den Nationalräten den Ernst der Lage an der Armutsfront beizubringen. Die Ministerien für Geschlechtergleichheit und Kinderwohlfahrt sowie für Armutsbekämpfung und Sozialwohlfahrt sind angesetzt, für mehr Wohlstand zu sorgen.

Aber da isses wie beim Bildungsministerium, das nach soundsovielen Anläufen, Sonderprogrammen, Bettelaktionen, Reformansätzen sowie nach stief Appellen, Aufrufen und so weiter, immer noch keine Umwälzung zum ausschlaggebenden Erfolg vorweisen kann. Damit das net nich passiert ham die mos auch noch die Schulfonds abgeschafft. Zum Ersatz gibt´s von den Bildungsministern nach- und hintereinander leere Parolen. Aber das is mos noch ´ne andere Story.

Das Ressort für Kinderwohlfahrt hat durch seine Ministerin in diesem Jahr schon einmal vor falsch-geleitetem Mitleid gewarnt. Die Autofahrer, die in Ovenduka an den großen Kreuzungen bei Rotlicht halten, sollen den Acharobs, von denen sie wiederholt angebettelt werden, nix mehr geben, so hat die Ministerin gesagt und zwar mit der Betonung, dass die Autofahrer durch Verweigerung der Bettel-Cents den Gören beibringen sollen, dass die Bettelei sich nich lohnt. Das heißt aber nich, dasse die Mildtätigkeit ganz lassen sollen.

Die Sozialarbeiter der Ministerin ham die Kinder - auf Neudeutsch „Kids“ (Engl. für kleine Bokkies) - schon wiederholt aufgelesen und zu ihren Eltern und Verwandten unter Anderem nach Gobabis zurückgebracht. Die Angehörigen und Erziehungsberechtigten sind offenbar bleddy wenig geworried, denn die Acharobs sind nach wenigen Tagen immer wieder da. Was für Eltern, alleinerziehend oder nich, Onkels und Tannies, ham die eigentlich? Oder sind die von ihren Eltern bei ihren Großeltern abgeladen worden, wie weit verbreitet üblich, weil die Eltern sich nich selbst um ihren Nachwuchs kümmern wollen und Oma evtl. sogar Opa, sich nich dagegen wehren können, wenn ihnen die Obhut und Fürsorge ihrer Enkel aufgezwungen wird?

Immerhin spricht Meme Mensah-Williams ihre Leut´ über das ganze Spektrum der Miss-Stände und Mängel an: Arbeitslosigkeit, Gesundheitsmangel, Armut, häusliche Gewalt, bzw. Gender-Gewalt, Körperbehinderung, Straßenkinder, Waisen … Offensichtlich sind die Kampagne und der Bewusstseinsfeldzug besser zu bewältigen, wenn´s in der rechten Tracht geschieht.

Übrigens hat auch Omushamane Nahas Angula zu Zeiten, als er noch Oministeli der wehrhaft braven Soldaten zu Lande, zu Wasser und zu Luft war, mitunter eigenwillige luftige Gewänder angelegt, was er offensichtlich einer Orden-behangenen Uniform vorgezogen hat. Unsere Verteidigungsminister treten in der Regel eher in (Räuber) Zivil als in Militärtracht auf.

Kleider machen eben Leute.

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